Thalamus

Thalamus | Ursula Poznanski | Loewe, 2018 | 978-3785586143 | 16,95 € |

Ein schwerer Motorradunfall katapultiert den siebzehnjährigen Timo aus seinem normalen Leben und fesselt ihn für Monate ans Krankenbett. Auf dem Markwaldhof, einem Rehabilitationszentrum, soll er sich von seinen Knochenbrüchen und dem Schädelhirntrauma erholen. Aber schnell stellt Timo fest, dass sich merkwürdige Dinge im Haus abspielen: Der Junge, mit dem er sich das Zimmer teilt, gilt als Wachkomapatient und hoffnungsloser Fall, doch nachts läuft er herum, spricht – und droht Timo damit, ihn zu töten, falls er anderen davon erzählt.

Ursula Poznanski hat bereits viele Jugendbücher, aber auch Thriller geschrieben. Meistens versprechen ihre Klappentexte und Cover, dass da viel im Buch steckt: Action, Geheimnisse und Innovationen. Sie ist eine der wenigen Autorinnen, die nicht vor wissenschaftlichen oder Innovationen Entwicklungen, die die Menschheit beeinflussen, zurückschreckt. Oft baut sie solche Themen in ihre Romane ein und entführt den Leser damit auf Terrain, dass er höchst wahrscheinlich nicht kennt.

„Thalamus“ ist ein Begriff, den ich vorher schon oft gehört hatte und es war klar: es geht irgendwie um unser menschliches Gehirn. Keine Frage, das kann spannend werden. Im Mittelpunkt steht Timo, ein Jugendlicher, der einen Unfall hatte. Er hat schwerer Schäden davon getragen, das meiste konnte behoben werden und eine REHA soll ihm weiter bei der Genesung helfen. Timo kann sich nicht verständigen, denn er musste am Kopf bzw. Gehirn operiert werden. Alles, was mit dieser Materie zu tun hat, erklärt die Autorin sehr schlüssig und verständlich. Das fand ich toll!

Im Reha-Zentrum lernt Timo andere Jugendliche kennen, was in seiner Situation natürlich nicht ganz einfach ist. Sein Bettnachbar reagiert kaum auf seine Umwelt, bis er plötzlich nachts kerngesund vor Timos Bett steht. Wie kann das sein? Erzählen kann Timo es niemanden und wer würde ihm glauben?

Im Verlauf der Geschichte fallen Timo immer mehr Dinge auf, die sehr komisch sind. Patienten, denen es gut geht, sterben plötzlich. Nachts kommt keine Schwester und auch Timo beginnt mit der Zeit, wie andere Patienten auch, schlafwandeln. Immer wieder versuchte ich mir vorzustellen, wie es ist, wenn ich nicht sprechen könnte. Timo hat mir oftmals sehr leid getan, vor allem wenn er Übungen machen musste, um sein Sprachzentrum zu trainieren. Hilflos zu sein, dass konnte Frau Poznanski gut vermitteln.

Am Anfang habe ich jetzt Seite verschlungen und wollte unbedingt wissen, ob Timo wieder flennt zu reden, eine Chance hat sich mitzuteilen und warum es anderen Patienten besser geht als anderen. Aber mit der Zeit passierten Dinge, die mir klar machten, auf was der Leser zusammen mit Timo hinarbeitet. Das Thema und am Ende die Lösung werde ich euch nicht verraten, aber ich kann sagen, dass es bereist weitere Bücher gibt, die sich mit gewissen Technologien beschäftigen. Diese haben mir besser gefallen, da sie intensiver mit dem Thema beschäftigen.

Mit der Zeit verlor ich den Bezug zu Timo und die Spannung flacht immer mehr ab. Das Buch ende, fast alle Fäden werden zu Ende gesponnen, aber der große AHA-Effekt blieb für mich aus. Zwar war ich mit dem Ende zufrieden, aber zwischen grandios und schlecht – da ist noch viel „okay“ dazwischen. Man kann es lesen, aber die Autorin hat mich mit anderen Büchern mehr begeistert. Empfehlen kann ich: „Saeculum.“