Willkommen im Sladhouse!


 | Sladehouse| David Mitchell | Übers. Volker Oldenburg | Rowohlt, 2018 |  978-3498042769| 20,00 € | 

Geh die Slade Alley hinunter – schmal, feucht und leicht zu verfehlen, selbst wenn du sie suchst. Finde das kleine schwarze Eisentor in der Mauer zur Rechten. Keine Klinke, kein Schlüsselloch, aber wenn du es berührst, schwingt es auf. Tritt in den sonnendurchfluteten Garten eines alten Hauses, das dort unpassend wirkt: zu nobel für die schäbige Nachbarschaft, irgendwie zu groß für das Grundstück. Ein Fremder begrüßt dich und führt dich hinein. Zunächst möchtest du gar nicht mehr fort. Dann merkst du, dass du es nicht mehr kannst. Denn alle neun Jahre, am letzten Sonntag im Oktober, wird ein „Gast“ ins Slade House eingeladen. Doch warum wurde er oder sie ausgewählt, von wem und zu welchem Zweck? Die Antwort findet sich dort am hinteren Ende des Flurs, oben am Absatz der Treppe.

Ich begrüße euch im „Sladehouse“. Dort, wo scheinbar alles normal erscheint, eine kleine Tür in einen Garten führt und die Bienen summen. Auch ich fühlte mich wohl, wollte die Menschen im Sladehouse besuchen und kam (zum Glück) wieder hinaus.

Alle neun Jahre muss es betreten werden: das große Herrenhaus. Ich fühlte mich wie im 18. Jahrhundert mit all den Absätzen, großen Bildern und vielen Räumen. David Mitchell erschafft eine Atmosphäre, die ich lange nicht mehr erlebt habe. Auch nicht in seinen letzten Büchern, die eine viel schwächere Atmosphäre vorzuweisen hatten.

Der Autor übertrifft sich selbst. Schauergeschichten zu schreiben, ist nicht einfach. Welche Fragen drängen den Leser dazu am Ball zu bleiben? Denn meist passiert nicht viel in solchen Romane, leben sie doch vom Setting und dem Schauerlichen, das passieren soll. Menschen verschwinden und niemand weiß warum. Der Leser erst einmal auch nicht. Mit der Zeit entdecken wir Kleinigkeiten, die uns zeigen: wenn ein Mensch das Sladehouse betritt, geht etwas in ihm vor. Er merkt nicht, wenn ihn das Haus nicht loslässt. Nur kleine Hinweise zeigen dem Leser, aber welchem Moment dies geschieht. Es hat mir gefallen, in den Abschnitten immer wieder neu darauf zu achten.

Da das Buch Zeitsprünge von neun Jahren vollführt, muss sich der Leser auf die unterschiedlichsten Protagonisten einlassen. Ein junges Mädchen, dass mit einer paranormalen Forschungstruppe auf eine Party geht, ein alter Polizist oder ein Mädchen, das seine Schwester sucht – alles ist vertreten.

Erwartet jemand einen stetig steigenden Spannungsbogen wird er enttäuscht. Erwarten kann man eine gut erzählte Geschichte, im Stil von Edgar Allen Poe, die mit vielen verschiedenen Jahrzehnten aufwartet.