Und wer rettet mich?


 | Und wer rettet mich? |  Stefanie Neeb | Fischer, 2018 |  978-3733503369| 9,00 € | 

Eine Party. Eine brennende Scheune. Und ein fürchterlicher Schrei. 
Als Kim aufwacht, hofft sie, dass es nur ein böser Traum war. Aber es ist Wirklichkeit: Nach einem Brand in der Abi-Party-Location liegt ihr Freund Jasper im Krankenhaus und behauptet, sich an nichts erinnern zu können. Und in Kims Wohnzimmer sitzt die Polizei und stellt Fragen – denn es gibt Hinweise darauf, dass Jasper das Feuer selbst gelegt hat. Kim glaubt nicht eine Sekunde daran. Aber wie soll sie Jasper helfen? Sie war ja an dem Abend nicht bei ihm. Sie war mit Ben zusammen, in den sie mal unsterblich verliebt war. Früher. Oder immer noch?

Mit diesem Jugendbuch habe ich meine Probleme gehabt. Solche Bücher muss man immer mit einem bestimmten Blickwinkel lesen, denn ich kann es nicht verleugnen: ich bin schon lange kein Teenie mehr. Es folgen also nicht Sätze wie: Für einen Teenie wäre das Buch gut, aber…. Oder: Es war nicht für meine Altersklasse.

Kim ist in der Bredouille. In diese hat sie sich selbst hinein manövriert, will das, aber nicht wahrhaben. Das Buch handelt davon, dass man für sein Leben die Verantwortung übernehmen muss, auch wenn man falsche Entscheidungen trifft. Sie steht am Anfang, wie auch fast das ganze Buch über, zwischen zwei Jungs.

Ob Jasper das Feuer selbst gelegt hat, ist nicht die einzige Frage, die Kim sich stellen muss. Ist sie vielleicht mit schuldig? Hätte sie bei ihm bleiben sollen? Da Kim aber eine sehr eigenwillige Person ist, stellt sie sich diese Fragen gar nicht. Sie vermutet hinter allen Fragen reine Böswilligkeit. Erwachsenen vertraut sie nicht und schon gar nicht der Polizei.

Es ist sehr schwierig gewesen, eine nette Seite an der Protagonistin zu finden. Sie ist selbstgerecht, nachlässig und sehr zickig. Immer ist sie „anti“, gegen ihre Eltern und weiß eigentlich gar nicht, wie gut sie es hat. Es gibt kein Gespräch, egal ob mit der Polizei oder Freunden, in dem sie nicht zur Seite beißt, patzige Antworten gibt oder lügt. Es war sehr anstrengend.

Es ist völlig in Ordnung, wenn Protagonisten nicht die Ruhe selbst sind, und mir nicht nach dem Mund reden, aber Kim war in keiner Sekunde liebenswürdige und regierte sehr krass für mich. Eine schlimme Phase hatten wir alle mal, aber ich kann mich nicht daran erinnern, 24 Std. am Tag „dagegen“ gewesen zu sein.

Die leichten Krimielemente fügen sich gut in die Geschichte ein und halten den Spannungsbogen am Laufen. Auch die Andeutungen von Liebe, die in der Luft liegt, entspannt Situationen sehr gut, sodass ich manchmal wirklich gern gelesen habe. Die verwendete Sprache der Autorin lässt sich leicht und locker weglesen, passend zur Geschichte.

Durch die Konstruktion der „Dreiecksbeziehung“ und dem schweren Charakter von Kim war es nicht immer leicht für mich, weiterzulesen. Manchmal wollte die Geschichte zu viel und vermittelt auch ein falsches Bild, wenn es um den Umgang mit dem Gesetz, Freunden und der Familie geht. Vielleicht sehe ich das zu eng und ich glaube auch nicht, dass die Leser und Leserinnen das Verhalten kopieren werden, aber für mich war es dadurch kein perfektes Leseerlebnis.