Die Worte, die das Leben schreibt



 | Die Worte, die das Leben schreibt |  Adelia Saunders | Übers. Jörg Ingwers | Wunderraum, 2018 |  978-3336547937| 25,00 € | 

Magdalena hat eine eigentümliche Gabe. Die junge Frau kann die Geschichten fremder Menschen auf deren Haut lesen: Wie bei einem Tattoo, das nur sie sehen kann, erscheinen ihr Namen, Ereignisse, banale und tragische Details – Botschaften, die das Leben selbst mit Geheimtinte notiert zu haben scheint. Als sie in Paris einem amerikanischen Studenten begegnet, erkennt sie ihren eigenen Namen auf dessen Wange. Aber welche Rolle sollte sie im Schicksal von Neil spielen? Oder in dem von dessen Vater? Eine rätselhafte Geschichte verbindet das Leben dieser drei Menschen – und die Liebe. Denn Neil ist von der jungen Frau mit den hellen Augen ganz hingerisse

 

„Die Buchstaben zuckten mit dem Herzschlag ihrer Mutter.“ (Die Worte, die das Leben schreibt, S. 8)

Beginnend im Jahr 1991 begeben wir uns mit Magdalena auf eine Reise. Sie wird poetisch, anstrengend, wunderlich und voller Worte sein. Wer breit dafür ist, ein bisschen Magie in sein Leben hereinzulassen, der möge dieses Buch aufschlagen.

Nicht, dass ihr bei dem Wort Magie zurückschreckt, die in dem Buch verwebte Magie, ist weder verstörend, noch aufdringlich, sondern förderlich und leise. Doch am Anfang begegnen wir gar nicht Magdalena, sondern zuerst Richard, der in Paris ein Leben erforscht. Als Ich-Erzähler führt er uns ein in die Stadt der Liebe, aber auch der verlorenen Dinge, starken Frauen und der Verwirrung. Denn nichts kann Paris besser, als Verwirrung stiften.

Richard ist ein guter, steigender Erzähler. Er benutzt klar Worte, beschreibt nur wichtiges, aber das können auch Kleinigkeiten sein. Als nächstes treffen wir Neil in London. Der Kniff dabei: wir wechseln die Erzählperspektive. Hört sich hochgestochen an, aber es ist ein Erzähler, der über Neil steht und so einen ganz anderen, eher distanzierten Blick auf das Geschehen hat. Neil hat einen Vorteil, denn er lernt Magdalena kennen. Die Begegnung wird ihn verändern, er weiß nur noch nicht wie.

Die drei Protagonisten werden sich im Verlauf der Geschichte immer wieder begegnen. In der poetischen Geschichte weiß ich oftmals mehr, als die Figuren. Der Erzähler greift vor, erinnert mich an Dinge, die bereits passiert sind und führt mich so durch die Geschichte.

„Die Konturen waren so scharf, dass sie die ersten Male, wenn jemand durchs Bild lief, die Kamera versehentlich auslöste, so sehr erschrak sie darüber, wie klar und deutlich die Worte auf der Stirn zu lesen waren, die urplötzlich auftauchten und ihr den Blick verstellten.“  ( Die Worte, die das Leben schreibt, S. 91)

Der interessanteste Charakter ist Magdalena. Ihr Leben beginnt mit einer Feen-Geschichte, aber ihre Magie, das Sehen von Worten auf menschlicher Haut, will sie ihr Leben lang lieber loswerden. Sie ist hin- und hergerissen, fühlt sich nie wohl dabei und setzt deswegen ihre Brille kaum auf. Auch sie ahnt nicht, dass es eine Geschichte gibt, die sie mit dem hilfsbereiten Richard und dem eher schluderigen Neil, verbindet.

Durch die wechselnden Charaktere und Erzählweisen hatte ich leider manchmal keine Verbindung mehr zur Geschichte. Ich fand sie wieder, ja, aber erst nach einigen Absätzen oder sogar Seiten, in den neuen Kapiteln. Das ist schade, denn der Schreibstil von Adelia Saunders hat er mir angetan. Sie ändert ihn auffallend von Person zu Person. Mal reden die Charaktere viel und in kurzen Sätzen. Oder Magdalena wird durch lange, verschachtelte Sätze in Szene gesetzt, die ihren Gedanken ähneln.

Ein paar Worte noch zur Gestaltung des Buches: es ist ein Traum in Blau. Das Lesebändchen lädt mich zum „Ankommen“ ein, das beige Papier lässt meine Augen ausruhen und der teils Leineneinband lässt es edel wirken.

Nur weil ich manchmal mit der Verknüpfung der Charaktere klar kam und etwas Zeit brauchte, hat mich doch die poetische Linie und die andersartige Erzählweise dieses Romans fasziniert.