Lennon


 | Lennon |  David Foenkinos | Übers. Christian Kolb | DVA, 2018 |  978-3421047991 | 20,00 € | 

Es war ein folgenreicher Tag im Jahr 1975, als John Lennon entschied, keine Bühne mehr zu betreten. Auf der Couch eines Psychoanalytikers sitzend, lässt er seine wilde Zeit Revue passieren: den meteoritengleichen Aufstieg der Beatles, und wie er daran fast zugrunde gegangen wäre. Er erzählt von seiner einsamen Kindheit, die eine unheilbare Wunde gerissen hat, von seiner vollkommen irren Liebe zu Yoko Ono, den Jahren des Suchens, der Drogen, des Größenwahns – und seinem Kampf für den Frieden.

Er hat unsterbliche Songs geschrieben, und alle Welt meint ihn zu kennen, doch wer war John Lennon wirklich? Bestsellerautor David Foenkinos führt uns in dieser Romanbiografie ganz nah heran an den Popgiganten, dessen kurzes Dasein nicht nur das Leben von Millionen von Menschen, sondern auch den Lauf der Musikgeschichte für immer geändert hat.

Stellen wir uns vor: John Lennon, Ikone, Brillenträger, Musik, Weltverbesserer und Beatle geht zu einem Psychiater. Er sitzt da und lässt sein Leben Revue passieren. Fänden wir das gut? Würde es Überraschungen bereithalten?

Jeder hat schon mal ein Lied von den Beatles gehört. Manche sind Fans, ohne die Band je live gesehen zu haben. Sie waren die Band mit den Pilzkopffrisuren, den Krawatten und der Schwiegermutterattitüde. Aber steckt da mehr dahinter? Ich habe mich nicht mit dem Leben der Einzelnen Beatles auseinandergesetzt. Für mich waren sie eine sehr sittsame Band, die recht gute Musik machte und Mädchen zum Kreischen brachte. Im Nachhinein stellte ich nun fest, wie naiv ich eigentlich war. Weder Lennon noch die Beatles waren süß und nett.

Es ist ein Roman. Es ist immer nur eine Nachahmung des Geschehens und der Autor darf oder muss hier und da eingreifen. Schriftstellerische Freiheit nennt man das. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass Lennon selbst alles genau so gesagt hätte, hätte er so lange sprechen dürfen. Aber ich glaube an den Kern der Sache: dass, das Buch mir die Augen geöffnet hat. Im Leben der Musiker sind Dinge passiert, die nichts mit Schwiegermuttersliebling zu tun haben.

Sie waren wild, wütend und unberechenbar. Nur wurde das immer unter den Teppich gekehrt. Das Buch befreit die Beatles für mich von ihren aufgedrückten Stempeln. Außerdem befreit es Yoko Ono ein bisschen von ihrer Schuld und es lässt sich wahnsinnig schnell lesen, da es wahnsinnig gut ist. David Foenkinos kann Menschen eine ganz besondere Stimme geben und ihr Leben sehr lebendig erzählen. Klare (naive) Leseempfehlung von mir.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s