Das Lied der Krähen


 | Das Lied der Krähen | Leigh Bardugo | Übers. Michelle Gyo | Knaur, 2018 | 978-3426654439 | 16,99 € | 

Ketterdam – pulsierende Hafenstadt, Handelsmetropole, Tummelplatz zwielichtiger Gestalten: Hier hat sich Kaz Brekker zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren würde, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird dieses Geld den Tod seines Bruders rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen …
Mit fünf Gefährten, die höchst unterschiedliche Motive antreiben, macht Kaz sich auf in den Norden, um einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt zu befreien. Die sechs Krähen sind professionell, clever, und Kaz fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen – außer in Gegenwart der schönen Inej …

Da ich in mehrere Rezensionen darauf gestoßen bin, erwähne ich vorab, dass es kein Problem ist, dieses Buch zu lesen, ohne die „Grischa“ Trilogie der Autorin zu kennen. Leigh Bardugo erschaffte eine Welt, in der Magie genutzt wird und die Grischa dazu benutzt werden mit ihr umzugehen. In „Das Lied der Krähen“ übernimmt sie dieses Magiesystem, es wird aber kurz und bündig erklärt. Alle verschiedenen Kräfte werden genannt und erklärt, sodass kein Problem für den unwissenden Leser entsteht. Ich kannte die Magie und die Grischa vorher, war aber leider vom Gesamtkonzept des Buches enttäuscht.

Kaz Brekker hat eine Räuberbande unter sich. Hocharbeiten musste er sich, da in der Hafenstadt nur eines zählt: Schnelligkeit, Kontakte und Skrupellosigkeit. Um ihn  herum versammeln sich außergewöhnliche Charaktere. Entweder, weil Kaz etwas anzubieten hat oder man ihn tatsächlich mag. Letzteres bringt die „Liebeskomponente“ hinein, die aber nicht sehr ausgeprägt ist.

Die sechs Krähen könnten unterschiedlicher nicht sein: Kaz ist dreist, seine Spionin fast unsichtbar, die Magierin fast käuflich und auch die anderen empfand ich als sehr speziell. Richtig warm geworden bin ich mit niemandem, denn so schnell wie sie auftauchen, so schnell entwickeln sie sich weiter und lassen mir als Leserin keine Ruhe. Manchmal handelten sie so schnell und unüberlegt, dass ich nicht einmal verstehen konnte warum. Gefühle, allen voran vom Scharfschützen, blieben mir verborgen. Auch Kaz hat Geheimnisse, die wir nur durch zwei Sätze erklärt bekommen und seine Gefühle, die er natürlich nicht an sich heranlassen will, rütteln bei mir nichts wach. Ich nehme ihm nichts ab – und dabei ist er der Hauptprotagonist, der sogar manchmal einfach im Hintergrund verschwindet, sodass ich von sechs Menschen, die im Fokus stehen, manchmal völlig allein gelassen werden.

Am Anfang gibt es eine schön gestaltete Seite, auf der die Grischa mit Orden und ihren Bezeichnungen genannt werden. Die Klappbroschur verfügt über eine Karte des Landes, sodass ich es mir gut vorstellen konnte, auch wenn wir nicht alle Orte bereist haben. Hinten im Buch ist „Das Eistribunal“ abgebildet, der Ort an dem die Sechs in Gefahr geraten. Manche Beschreibungen ließen keine Bilder in meinem Kopf auftauchen, sodass ich beim Eistribunal wirklich die Karte nutzte, um mir vorstellen zu können, wo Kaz Brekker hinmöchte.

Der farbige Schnitt ist ein wahrer Hingucker und auch Band 2 „Das Gold der Krähen“ wird in Farbe getaucht. Eine nette Idee, die dem Buch das gewisse Etwas verleiht, was der Inhalt nicht hat.

Mir passierte zu viel, zu schnell. Ich hatte keine Bezugsperson und mir fehlte die Liebe zur detailreichen Erzählung, die ich von den „Grischa-Bänden“ gewöhnt bin.

 

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