Aura – Die Gabe


 | Aura – Die Gabe |  Clara Benedict | Thienemann, 2018 |  978-3522 202411| 18,00 € | 

Einen Jungen aus der Ferne anschmachten, das steht für Hannah nicht zur Debatte – bis sie Jan trifft. Noch während Hannah sich darüber ärgert, dass sie sich immer wieder wie eine Idiotin aufführt, signalisiert Jan Interesse. Mit jedem Treffen wachsen Hannahs Gefühle aber auch ihre Unsicherheit. Jan verhält sich widersprüchlich, ist mal liebevoll und zärtlich, dann wieder aggressiv und distanziert. Diese Unbeständigkeit macht Hannah Angst, denn sie hat sich Jan offenbart. Sie hat ihm von ihrer besonderen Gabe erzählt, einer Gabe, die auch eine dunkle Seite hat … Hat sie dem Falschen vertraut?

Wenn ich jetzt damit beginne, die positiven Eigenschaften des Debüts von Clara Benedict aufzuzählen, wirkt es beinahe so, als ob ich das Buch nicht gemocht hätte. Es hatte tolle Aspekte, überrascht leider aber auch dadurch, dass es als Auftakt einer Trilogie recht schwach ist.

Das Buch hat eine wunderschöne Farbe, die sofort zeigt: hier passiert was. Und mit dem Wort „Aura“ leuchten bei mir sofort einzelne Stichwörter auf. Es triggert im Kopf. Es ist klar, dass „Die Gabe“ etwas ist, was nur wenige Menschen besitzen, es ist der Teil der „Romantasy“, der die Fantasie unterstützt.

Am Anfang ist Hannah noch ein ganz normales Mädchen. Sie ist ein bisschen verliebt, wie das eben so ist mit 16. Plötzlich taucht Jan überall auf. Mit ihren Freundinnen wird getratscht, es gibt Mädels, die man nicht so sehr mag und zu ihrer Mutter hat sie einen guten Draht. Irgendwann wird ihr klar, dass sie eine Gabe hat. Sie kann Dinge dazu zwingen, etwas zu tun. Mit der Zeit wird es noch schlimmer: auch Menschen müssen ihr gehorchen. Letzteres hört sich so negativ an, weil ich es als negativ empfunden habe.

Der Mittelteil des Buches beschäftigt sich damit, wie Hannah mit der Gabe umgeht. Schadet sie Menschen? Nutzt sie die Gabe für Gutes? Die Frage, was ich damit gemacht hätte, kann ich schlecht beantworten. Leider wird Hannah mit der Gabe immer unsympathischer. Sie handelt ohne nachzudenken. Immer wieder probiert sie Dinge aus, die ich schrecklich finde. Menschen fälschen Dokumente, vergessen Streits und sogar ihre Mutter wird von Hannah beeinflusst. Muss das sein?, frage ich mich immer wieder. Hannah wirkt regelrecht entfesselt. Ich erwartete eher, dass sie hilflos sein würde, neugierig wahrscheinlich, aber auch vorsichtig. Und genau das ist sie nicht.

Mir fehlt etwas der Bezug zur Person, da sie so willkürlich handelt. Zudem ist sie für ihr Alter recht naiv, wenn es um die Liebe geht. Sie lässt sich schnell überrumpeln, ob es nur ums Küssen geht oder um andere Dinge. Danach muss man nur „Entschuldigung“ sagen, und sie bereits wieder mit allem versöhnt. Dass, da mehr dahinter steckt, was der Leser später erfährt, lindert meinen Ärger, hebt ihn aber nicht auf.

Als Auftakt fehlt dem ersten Teil, eine Protagonistin, die sich in die Karten gucken lässt, einem aber nicht das Gefühl gibt, in einem falschen Film zu sein. Man muss immer daran denken, dass sie (irgendwie) eine Vorbildfunktion innehat. Ich gebe zu, dass nicht jedes 16-jährige Mädchen wache, reife Momente hat, sie können auch naiv sein – keine Frage. Die Dosierung gefällt mir nicht.

Trotzdem hat der Ansatz der Geschichten seinen Reiz und der Knall am Ende lässt den Leser aufhorchen. Was kann da noch kommen? Wird Hannah sich ändern? Man darf gespannt sein, denn auf der Webseite der Autorin ist bereits zu erkennen, dass sogar Teil 3 fast fertig ist 😉

 

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