Verfolgung: Lisbeth Salander ist wieder da!


| Verfolgung  | David Lagercrantz  | Übers. Ursel Allenstein| Heyne, 2017 |  978-3453270992| 22,99 € | 

Das Cover führt Euch zum Buch!

Im Frauengefängnis Flodberga herrscht ein strenges Regiment. Alle hören auf das Kommando von Benito Andersson, der unangefochtenen Anführerin der Insassinnen. Lisbeth Salander, die eine kurze Strafe absitzt, versucht tunlichst, den Kontakt zu vermeiden, doch als ihre Zellennachbarin gemobbt wird, geht sie dazwischen und gerät ins Visier von Benitos Gang. Unterdessen hat Holger Palmgren, Lisbeth Salanders langjähriger Mentor, Unterlagen zutage gefördert, die neues Licht auf Salanders Kindheit und ihren Missbrauch durch die Behörden werfen. Salander bittet Mikael Blomkvist, sie bei der Recherche zu unterstützen. Die Spuren führen sie zu Leo Mannheimer, einem Finanzanalysten aus sehr wohlhabendem Hause. Was hat dieser mit Lisbeth Salanders Vergangenheit zu tun? Und wie soll sie den immer schärfer werdenden Attacken von Benito und ihrer Gang entgehen?

Lange mussten wir warten. Kommt da noch was oder war es das für Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist? Schauen wir erst mal zurück, denn 2016 besprach ich Band 4 und war nicht überzeugt von der Idee, dass David Lagercrantz als Ghostwriter quasi Lisbeth Geschichte weiter schreibt. Wer mehr lesen möchte: Verschwörung.

Seien wir mal ehrlich: wenn wir einen Charakter lieben ist er außergewöhnlich. Er konnte alles tun – nur nicht sterben, denn dann wären wir am Boden zerstört. Ich für meinen Teil dachte von Teil 1 der Millennium Trilogie an, dass die Story steht und fällt mit Lisbeth Salander. Wer wollte denn schon Mikael? Oder die anderen aus der Redaktion? Wer fand die fiesen Bösewichte besser als die Frau mit Springerstiefeln und dem Drachentattoo?

Aber ich hole nah kurz aus und stelle fest: Band 4 schwächere. Es fühlte sich so an, als wären die Schuhe von Stieg Larsson eine Nummer zu groß für Lagercrantz. Die Figuren wirkten hart und steif, passten sich nicht an und ich dachte, dass vielleicht der Autor nicht so ganz weiß, was er mit ihnen anfangen soll. Fakt ist, es gab noch Notizen von Stieg Larsson, Ideen wie es mit Lisbeth weitergehen sollte.

Jetzt muss ich feststellen, dass der Autor vieles richtig gemacht hat. Man merkt, dass er sich eingearbeitet hat und das  vielleicht eine Last von seinen Schulter gefallen ist. Vielleicht dachte er, dass er Stieg Larsson sein muss. Und schließlich erlag ich als Leserin auch dem Trugschluss, dass ich dachte: „Er kann nicht Larsson sein, der Vater von Lisbeth.“ Einige Zeit ist vergangen und ich bilde mir ein, dass ich mir diesen Gedanken verboten habe. Lagercrantz erhielt eine neue Chance.

Lisbeth sitzt im Gefängnis, will dort eine Frau verteilen und für Ordnung sorgen, obwohl sie sich ruhig verhalten soll. Eigentlich ist sie eine Heldin, rettete ein Kind und wurde trotzdem verurteilt. Mikael quält es, dass er eigentlich nichts tun kann. Immer wen ich an Mikael denke, wünsche ich mir fast, sie würden zueinander finden, aber dann wäre die Geschichte vorbei 😉

„Verfolgung“ lebt davon, dass Lisbeth in einem abgeschlossenen Raum agiert und damit ganz anders umgehen muss, als in der richtigen Welt. Zudem wirkt sie verhärmter, aber auch unruhiger. Mikael ist einfach der, den wir immer kennen: ein Arbeitstier und Frauenversteher. Wobei letzteres für einige Verwirrung sorgt, denn manchmal versteht er sie auch nicht.

Die Spannung ist in diesen Thrillern nicht immer konstant vorhanden. Zwischendurch lebt er davon, dass Zwischenmenschlich etwas passiert und Lisbeth den Leser überrascht. Es hat viel mit Wirtschaftskriminalität zutun, was ich nicht spannend fand. Die Erklärung sind gut mit eingebettet und ich konnte sie nachvollziehen, obwohl ich von der Börse nicht viel Ahnung habe. Mich hat mehr interessiert, wie Lisbeth agiert, warum sie sich wieder jemanden ausgesucht hat, den sie unbedingt retten will. Außerdem gibt es einige interessante Einblicke in ihre Vergangenheit als Kind. Wir erfahren etwas über ihr Tattoo und das hat mich bei der Stange gehalten.

Andere Nebenstränge gibt es auch, die wiederum mit der Wirtschaft zu tun haben und sich am Ende alle miteinander verbinden.

David Lagercrantz hat sich weiter entwickelt. Er hat versucht mit den Figuren einen neuen Weg einzuschlagen und gleichzeitig die alten Tugenden nicht zu verlieren. Dies ist ihm gut gelungen. Gib mir zwei Tage und ich warte wieder sehnsüchtig auf den nächsten Teil, denn nur so lange habe ich an „Verfolgung“ gelesen.

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