Sieh mich an


| Sieh mich an  |  Mareike Krügel  | Piper, 2017 |  978-3492058551 | 20,00 € | 

Das Cover führt Euch zum Buch!

Man kann ja nicht einfach sterben, wenn die Dinge noch ungeklärt sind. Das denkt Katharina, seit sie vor Kurzem das Etwas in ihrer Brust entdeckt hat. Niemand weiß davon, und das ist auch gut so. Denn an diesem Wochenende soll ein letztes Mal alles wie immer sein. Und so entrollt sich das Chaos eines ganz normalen Freitags vor ihr. Während sie aber einen abgetrennten Daumen versorgt, ihren brennenden Trockner löscht und sich auf den emotional nicht unbedenklichen Besuch eines Studienfreundes vorbereitet, beginnt ihr Vorsatz zu bröckeln, und sie stellt sich große Fragen: Ist alles so geworden, wie sie wollte? Ihre Musik, ihre Kinder, die Ehe mit dem in letzter Zeit viel zu abwesenden Costas? Als der Tag fast zu Ende ist, beschließt sie, endlich ihr Geheimnis mit jemandem zu teilen, den sie liebt.

Wie spannend kann ein Tag im Leben sein? Wie aufregend ist eurer Tag, wenn Ihr nur schlaft, arbeiten geht und dann etwas Tolles unternehmt? Oftmals sind es die kleinen Dinge, die einen Tag besonders machen, die ihn aber auch genauso gut ruinieren können. Wer hat sich nicht aufgeregt, wenn ein Paket vielleicht nicht kommt oder über den Arbeitskollegen, der etwas vergessen hat?

Es gibt aber auch Tage, da sind die Entdeckungen größer, sie schlagen höhere Wellen und verändern unser Leben. Katharina hat etwas entdeckt und behält es für sich. In ihr brodelt es, mal schlägt das Lebenspendel nach rechts und mal nach links. Zusätzlich hat sie zwei Kinder, einen Ehemann, der in Berlin arbeitet, Ratten und skurrile Nachbarn.

Ein ganz normales Leben eben, aber da schmuggeln sich plötzlich Gedanken hinein. Schmiere ich nicht mehr so oft ein Pausenbrot? Was wird mit den Ratten, wenn niemand ihren Käfig sauber macht? Sind die Kinder soweit, dass sie einen Schicksalsschlag annehmen und irgendwann verkraften können? Und steht meine Ehe auf dem Spiel?

Katharinas Freitag beginnt völlig normal: im Chaos. Neben Reittraining mit ihrer Tochter, die schnell mal austickt und ihrem Musical singenden Sohn, verliert der Nachbar noch einen Finger, kommt eigentlich Besuch vorbei und das Haus müsste mal geputzt werden.

Das schöne am Roman von Mareike Krügel ist, das er normal ist. Jeder kennt die To-Do-Liste, die sich jeden Tag vor uns aufrollt. Jeder kann sich den Schrecken vorstellen, wenn die Tochter plötzlich mit dem Pferd weg reitet. Es ist alles alltäglich und trotzdem herrscht eine bizarre Stimmung im Roman. Wir wissen, dass da etwas in Katharina schwelt und wir wissen auch: Geheimnisse wiegen schwer.

Den Balanceakt zwischen normalem Familienleben und einem Geheimnis habe ich selten so gut beschrieben gesehen. Das Buch holt mich ab, und zwar da, wo ich selbst Geschirr abspüle, die Blumen gießen muss und mir eigentlich etwas schmerzt. Die feinen Töne sind es, die diesen Roman zu etwas besonderem machen. Denn Katharina verfügt zudem noch über eine Prise schwarzen Humor.

Allenfalls das Ende, welches etwas übereifrig und durchgeknallt wirkt, führt zu kritischen Bemerkungen. Ich verstehe den Impuls von Katharina, die Loslösung von allem, der große Knall in ihrem Innern. Wie sie es jedoch auf die Umwelt loslässt, wirkt mir zu gewollt. Es ist der große Knall, den anscheinend jeder Roman mittlerweile braucht. Aber „Sieh mich an“ wäre ohne großen Knall ausgekommen. Was wäre, wenn das Ende einfach langsam ausgelaufen wäre und wir einfach nichts erfahren hätten? Vielleicht wäre ich damit zufrieden gewesen.

 

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