Französischer Lesesommer?


| Die vier Jahreszeiten des Sommers  | Grégoire Delacourt | Übers. Claudia Steinitz  | Atlantik, 2017 |  978-  978-3455002072 | 10,00 € | 

Ein Sommer am Strand in Nordfrankreich: Sonne, Meer, Dünen und Bars. Hier treffen vier Paare ganz unterschiedlichen Alters aufeinander: zwei Teenager im Rausch der ersten Liebe, eine 35-Jährige auf der Suche nach einem neuen Glück, eine gelangweilte Hausfrau , die sich ins Abenteuer stürzt, und ein altes Ehepaar, das sich noch genauso liebt wie am ersten Tag. All diese Menschen begegnen sich, ohne zu wissen, dass ihre Geschichten eng miteinander verwoben sind und ihre Schicksale sich gegenseitig beeinflussen. Bis es während des Feuerwerks zum französischen Nationalfeiertag zu einem dramatischen Höhepunkt kommt.



| Der Dichter der Familie | Grégoire Delacourt | Übers. Tobias Scheffel  | Atlantik, 2017 |  978-  978- 3455404685 | 20,00 € |

Die Cover führen Euch zum jeweiligen Buch!

Mit sieben Jahren schreibt Édouard sein erstes Gedicht. Wie charmant! Die Familie ist entzückt, von jetzt an steht fest: Édouard ist der Dichter der Familie. Doch für ihn beginnt damit der unaufhaltsame Abstieg: Die Jahre vergehen, und vergebens versucht er diesen einen Moment reiner Liebe und Bewunderung wiederauferstehen zu lassen. Nichts will ihm gelingen: Er wählt die falsche Frau und muss machtlos zusehen, wie seine Familie zerbricht. Statt Schriftsteller wird er Werbetexter, trotz seiner Erfolge fühlt er sich als Versager. »Schreiben heilt«, hat sein Vater immer gesagt – wird Édouard schließlich die Worte finden, die ihn und seine Liebsten zu heilen vermögen?.

Den Sommer verbringt man am besten auf der Terrasse, im Garten bzw. auf dem Balkon. Letztere ist bei mir der Fall und ich mag es einfach mit einem guten Buch dort zu sitzen. Die Sonne scheint, die Birken sitzen voll mit Vögeln, die Bienen kommen vorbei und besuchen meine Blumen. Natürlich soll die Lektüre sommerlich leicht sein. Ein bisschen Liebe wäre nett und da dachte ich: „Greif doch zu französischem Charme!“

Grégoire Delacourt ist für mich kein Unbekannter Autor mehr. Ich las bereits „Alle meine Wünsche“ und „Im ersten Augenblick“ steht noch in meinem Regal. Besonders gespannt war ich auf „Der Dichter“ der Familie, da ich Romane mag, in denen jemand schreibt. Zuerst wollte ich eine leichte Sommergeschichte lesen, aber wer beim französischen Autor so etwas sucht, sucht vergebens. Delacourt schreibt mit einem gewissen Pathos, der recht schwergängig zu lesen ist. Seine Worte sind passend gewählt, aber jeder Satz eines Charakters ist sehr wichtig und muss im Gedächtnis behalten werden. Sie halten sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf – immerhin geht es hier um die Liebe.

Was für ein schönes Thema, das man von vielen Seiten beleuchten kann. Der Autor traf keine Auswahl, sondern macht es ganz geschickt. Ins Rennen werden zwei junge Menschen geschickt. Die erste Liebe, das Aufflammen von Gefühlen, die Welt scheint unterzugehen! Wer hat es noch nicht erlebt? Aber auch eine gestandene Frau erzählt von der Liebe und ein altes Ehepaar zeigt, dass die Liebe eine lange Zeit möglich ist. Es ist offensichtlich, dass die Aussage des Buches eine einfache ist: Liebe gibt es immer und überall. Zudem sollte man für die Liebe kämpfen und hoffen, dass jeder Mensch sie einmal im Leben erlebt. Nicht alle Charaktere haben mir gefallen, aber die junge Liebe ist gut beschrieben, dass die beiden es mir angetan haben.

Es folgte ein Tag Pause und der Versuch ein Jugendbuch zu lesen, das mir nicht gefiel. Ich kam also zurück auf Delacourt und begann Édouard kennenzulernen. Er ist ein kleiner, gescheiter Junge. Die Familie hält viel auf ihn und sagt immer wieder, dass er der Dichter der Familie ist. Irgendwann einmal wird er ein Buch schreiben und berühmt werden. Das Kind glaubt es und seitdem ruht eine schwere Last auf seinen Schultern. Auch bei diesem Roman stimmt die Erzählweise. Édouard erwähnt viele Menschen, die in seinem Leben vorkommen. Er beschreibt sich und seine Gefühlswelt sehr genau. Leider ist sein Leben eine Aneinanderreihung von Schicksalsschlägen, die mich ziemlich deprimiert zurückgelassen haben. Ich empfand wenig Hoffnung beim Lesen und fand es schade, dass seine Bemühungen nicht zur Kenntnis genommen werden. „Schreiben soll heilen.“, ob er es schafft, verrate ich nicht.

Beide Romane sind sprachliche Perlen, spielen aber mit verworrenen und traurigen Situationen. Für viele Charaktere hätte ich mir eine schöne Gegenwart oder Zukunft gewünscht.

 

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