Schriftliche Fragmente eines Genies


| Für dich würde ich sterben: Erzählungen  | F. Scott Fitzgerald  | Übers. Gregor Runge u.a | Hoffmann und Campe, 2017 |  978-3455000078 | 25,00 € | 

Das Cover führt Euch zum Buch!

Der Traum von Ruhm und Geld, das Streben nach persönlichem Erfolg, die Mystifikation der Frau und der Liebe, rauschende Partys, Höhenflüge und Abstürze ins Bodenlose – das waren die Themen seines Lebens und seines Werks. Am Ende hatte F. Scott Fitzgerald, der umschwärmte Erfolgsautor, sein Publikum verloren. Kaum einer erinnerte sich an ihn, einen der bestbezahlten Story-Schreiber der zwanziger Jahre.
Und kaum eine Zeitschrift wollte seine Erzählungen drucken. Man erwartete noch immer Geschichten über junge Liebende von ihm. Aber Fitzgerald wollte sich nicht beschränken. Änderungsvorschläge lehnte er meist ab. So blieben viele Erzählungen bis heute unveröffentlicht. Nun erscheinen sie endlich: 14 abgeschlossene Storys, drei Filmskizzen und ein Fragment – im unnachahmlichen Fitzgerald-Ton. Eine literarische Wiedergutmachung.

Die Fitzgeralds waren ein schillerndes Paar ihrer Zeit. Immer in aller Munde, mal ein Skandal hier, mal ein Streit da und am Ende fahren sie wieder gemeinsam nach Hause. Beide schreiben, der eine mehr, der andere weniger. Zeitweise sollen ihre Geschichten unter seinem Namen veröffentlicht worden sein. Der eine steht dem anderen im Weg, ist neidisch auf den Erfolg und verzweifelt.

In mehreren Filmen habe ich ihre Zeit bewundert und wer hat nicht „The great Gatsby“ mit Leonardo DiCaprio gesehen? In diesem meerblauen Band versammeln sich Erzählungen, die nicht gedruckt wurden. Nach Jahren wiedergefunden, vergessene Schnipsel, Dinge, die Fitzgerald nicht gut genug fand oder die ihm sehr am Herzen lagen. Ich habe mit Erzählungen immer meine Probleme, denn nach jeder bräuchte der Leser eine Pause, sollte sich sammeln und über das Gelesene nachdenken. So ein Mensch bin ich leider nicht, denn wenn mir eine Erzählung gefällt, will ich sofort weiterlesen und noch eine gute Geschichte lesen. Wenn sie mich dann enttäuscht, bin ich am Boden zerstört und mache eine Pause. Ein Teufelskreis!

Fitzgerald versteht es atmosphärisch dicht zu schreiben. Seine Wortwahl ist gezielt und einzigartig, denn jedes Wort ist gut erwogen, steht an der passenden Stelle und beschwört Gefühle, Zeiten und Bilder herauf. Meist sind es junge Menschen, die er in den Fokus rückt: Frauen, die sich verlieben und es nicht sollten. Männer, die Frauen retten und selbst gerettet werden möchten. Jede Erzählung führt uns an den Rand von etwas, dass ich Sarkasmus auf das Leben nennen möchte. Der Autor erzählt von Abstürzen, Not und Elend. Dinge, mit denen sich auch der große Gatsby herumärgern muss und warum wir ihn so sehr mögen. Das literarische Talent von Fitzgerald steht außer fragen, auch wenn es in den Erzählungen schwankt.

Filmentwürfe wirken zu glatt gebügelt, zu sehr nach Auftragsarbeit. Manche Geschichten wirken nicht ganz ausgereift und der Leser versteht, dass zur Veröffentlichung früher etwas fehlte. Vielleicht einfach nur Mut zur Lücke, wenn Wörter nicht richtig zueinander passen oder einfach Mut zur Unbequemlichkeit, die manchmal aus den Erzählungen spricht.

Besonders gefallen hat mir die Erzählung „Böser Traum“. Wir befinden uns in einer psychiatrischen Anstalt, treffen Menschen, denen es nicht gut geht. Manchmal werden uns Dinge eingeredet, die Angst verrückt zu werden ist greifbar und der Leser fragt sich: Schreibt Fitzgerald über sich selbst oder seine Frau?

Ein sommerlicher Lesegenuss mit Frauen und Männern, die polarisieren. Erzählungen, die ich ein zweites Mal lesen werden, denn sie verbergen vieles vor der Welt und den Augen des Lesers.

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