Retour: Luc Verlains erster Fall



| Retour: Luc Verlains erster Fall | Alexander Oetker | Hoffmann und Campe, 2017 |  978-3455000092 | 16,00 € | 

Das Cover führt Euch zum Buch!

Luc Verlain liebt gutes Essen, Frauen und sein sorgenloses Leben in Paris. Doch als sein Vater schwer erkrankt, lässt Luc sich versetzen. Ausgerechnet nach Bordeaux in die Region Aquitaine, von wo er als junger Polizist geflohen war. Zurück in seiner Heimat muss Luc sich seinen Erinnerungen stellen. Und schon kurz nach seiner Ankunft erschüttert ein Mord die Gegend: Ein Mädchen liegt erschlagen am Strand von Lacanau-Océan. In dem kleinen Dorf kochen schnell die Spekulationen hoch. Das Opfer hat erst vor kurzem die Beziehung zu dem algerischen Nachbarsjungen beendet, der als dringend tatverdächtig gilt. Der Stiefvater des Mädchens will die Sache selbst in die Hand nehmen. Lucs Ermittlungen führen ihn an die Strände und in die Weinberge der Region und zurück nach Paris, immer an seiner Seite seine Kollegin Anouk, deren Charme er nur schwer widerstehen kann.

An einem Tag, an dem ich keine Post erwartete, hatte ich dieses Buch im Briefkasten. Der Autor, Alexander Oetker, hatte sich die Mühe gemacht, eine Postkarte zu schreiben und meinen Blog zu besuchen. Danke, denn manchmal bekommt man sehr lieblose E-Mails ohne Anrede oder merkt, dass sich niemand mit deinem Blog beschäftigt hat.

Ich war also gespannt auf seinen Krimi, konnte aber keine Leselücke finden und hatte Angst, dass ich ihn mit meiner Laune schlecht bewerten würde, denn wer meinen Blog verfolgt weiß, wie kritisch ich mittlerweile mit Krimis und Thrillern umgehe. Diese Zeit, in der ich nur so etwas las und Spaß dabei hatte, ist lange vorbei.

„Retour“ spielt in einem Teil von Frankreich, den ich weder kenne, noch auf meinem „Da-Muss-Ich-Unbedingt-Hin“- Radar habe. Ein klarer Vorteil, denn bei Paris Romanen muss ich immer sehr aufpassen, dass ich mit der Umgebung nicht zu kritisch bin. Bordeaux kenne ich nicht, nicht mal aus einem Reiseführer.

Luc Verlains ist, auf den ersten Blick, ein typischer Franzose. Er liebt gutes Essen, ist ein Hingucker für die Frauenwelt und kann ihre Signale eigentlich ziemlich gut deuten. Bordeaux, naja – das mag er nicht. Aber jahrelang hat er dort in der Nähe gewohnt, fühlte sich eingeengt und ging, wo auch anders hin, nach Paris. Immer wenn Luc auf das Meer sieht, fühlt er sich zuhause. Er ist ihm sehr ähnlich und mit ihm verbunden. Der Leser merkt schnell, wie Luc tickt, auch wenn wir nur recht wenig aus seiner Vergangenheit erfahren. Ein bisschen komisch finde ich es nur, dass Luc kaum Zeit findet, seinen kranken Vater zu besuchen. Immerhin ist dies der Grund, warum er wieder in die Nähe versetzt wurde. Das macht ihn etwas unsympathisch. Leiche hin oder her.

Die anderen Charakter sind sehr speziell und haben oft Macken, die sie nicht verbergen. Anouk, zum Beispiel, nehme ich nicht ab, dass bei ihr alles so glatt läuft und das sie ein einfaches Leben führt. Mal sehen, vielleicht überrascht sie uns in Fall Nummer 2?  Die Kollegen von Luc sind ebenfalls eine Sache für sich. Etwas schwach herausgearbeitet, empfand ich den Klinsch zwischen dem ehemaligen Leiter der Gruppe, der sich nun den Posten mit Luc teilen muss. Er ist als Bad Cop angelegt, aber zu wirklichen, herausgearbeiteten und glaubhaften Konfrontationen kommt es nicht. Vielleicht weil Luc selbst immer sagt, dass er keinen Ärger möchte? Sogar der Leser merkt, dass er mehr Durchblick hat als der andere Ermittler, der immer mit der Tür ins Haus fällt.

Verlieren wir nicht die Leiche aus dem Blick. Sie liegt am Strand, verloren und wird schnell mit einem Klischee: Nicht-Franzose ist schuld, zusammen gebracht. Nur Luc denkt, dass das viel zu einfach ist. Die Ermittlungsarbeit ist gut beschrieben, auch wenn die Figuren manchmal sehr weit weg voneinander ermitteln und so ein gespaltenes Bild entsteht. Der Spannungsbogen wird von letzterem aber vorangetrieben, da ich mir als Leser denke, wie können sie nur? Wenig später gehen sie meist in eine  richtige und für mich auch nachvollziehbare Richtung und das sogar gemeinsam.

Noch eine Sache, die für mich gar nicht geht und den Krimi auf 3,5 Sterne drückt: Luc geht zwischendurch Surfen, um mit einer Zeugin zu reden.  Zeit, die einfach vergeht und in einem Krimi hat es nichts zu suchen. Mehrere dieser Momente sind über den Krimi verteilt zu finden.

Es ist eine nette Lektüre, die ein lockerer Sommerkrimi sein kann, wenn man über die kleinen Fehler hinweg sieht und sich keine Gedanken darüber macht, dass Luc sich manchmal wirklich daneben benimmt und nicht richtig reagiert und sein Leben bestimmt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s