Wunden, Messer und ein Haus, das eigene Regeln hat

| Scherbenhaus | Susanne Kliem  | Carl’s Books, 2017 | 978- 3570585665 | 14,99 € |

Das Cover führt Euch zum Buch!

Carla Brendel wird seit Monaten von einem Stalker verfolgt, der ihr Fotos mit bedrohlichen Motiven schickt: Menschliche Haut. Ein Messer. Wunden. Aus Angst vor dem Fremden flüchtet sie aus ihrer idyllischen Heimatstadt in Norddeutschland zu ihrer Halbschwester nach Berlin. In Ellens luxuriöser Wohnanlage „Safe Haven“, die mit neuesten Sicherheitssystemen ausgestattet ist, fühlt sie sich beschützt. Doch kurz nach ihrer Ankunft verschwindet Ellen spurlos, ihre Leiche wird wenige Tage später aus der Spree geborgen. Ein tragischer Unfall? Oder wissen die anderen Hausbewohner mehr, als sie sagen? Carlas Zweifel wachsen. Sie bleibt und sucht nach der Wahrheit. Dabei merkt sie schnell, dass im „Safe Haven“ ganz eigene Regeln und Gesetze herrschen. Und es tödlich enden kann, wenn man zu viele Fragen stellt …

Eigentlich hätte ich dieses Buch nicht lesen dürfen. Immer, wenn es um Stalker geht, die Frauen hinterher laufen, habe ich Schiss, dass mir auch so etwas passieren könnte. Diese Vorstellung verfolgt mich wirklich ein paar Tage und gut schlafen kann ich dann auch nicht mehr.

Also hat die Autorin Susanne Kliem wahnsinniges Glück, dass ich sie mag und ihre Schreibweise erst recht. Ich sprang über meinen Schatten und wurde mit einer gut durchdachten, perfiden Geschichte belohnt.

Carla fühlt sich von Anfang an verfolgt. Obwohl sie ein tolles Reethaus bewohnt, eine gute Köchin ist und Freunde hat. Mit jedem Schritt merke ich, dass es ihr schlecht geht. Öffnet sie einen Brief, leide ich mit. Summt sie beim Kochen, freue ich mich, dass sie ihre Angst für kurze Zeit vergessen hat. Als der Hilferuf ihrer Halbschwester kommt, bin ich allerdings überrascht. Fast sofort, lediglich ein paar kurze Gedanken lang, bleibt sie unentschlossen. Schnell sind die Koffer gepackt und es geht ab nach Berlin. Mit dieser schnellen Wandlung war ich nicht ganz zufrieden.

Ihre Halbschwester ist ein Karrieremensch, eine gute Architektin, die bereits Preise gewonnen hat. Das Haus, in dem Clara wohnen soll, ist ein Eigenbau von Ellen. Ich konnte mir den Glaskasten, der von außen bei Nacht wie ein Aquarium wirkt, sehr gut vorstellen. Alles war erklärt: von der Eingangstür bis zum Pool, konnte ich mir alles gut vorstellen und mit Clara durch die Räume wandeln. Man erlebt oft, dass in Krimis oder Thrillern die Einrichtungen bzw. Gegenstände zu kurz kommen. Susanne Kliem schafft es auch Kleinigkeiten gut ins Bild einzufügen und vor allem sie auch zu erwähnen. Dadurch erhalten die Charaktere eine Art Verbundenheit zu ihrer Umgebung und gehen dadurch noch besser in ihr auf.

Mit der Zeit ereilen mich immer wieder Gefühle, die mir sagen, wen ich mag oder nicht. Die Bewohner im „Safe House“ sind alle sehr eigenartig. Zwar hilfsbereit und kontaktfreudig, letzteres aber auch nur bis zu einem gewissen Grat. Ich würde sie alle als sehr speziell bezeichnen. Ein älterer Herr, der im Zirkus auftrat, eine Familie mit schwieriger Tochter und ein junger Mann, der wirkt, als ob er von einer anderen Welt wäre.

Der Spannungsbogen wird von Gesprächen gehalten, aber auch von Situation, die man nicht ahnt. Es gibt mehrere Szenen, in denen meine Vermutungen wer Carla etwas Böses will, sich drehen. Mal so – mal so, aber nie langweilig. Die Bezeichnung „Psychothriller“ trifft es sehr gut, denn es wird viel mit Worten getan, infiltriert und eingeengt.

Es ist ein Zusammenspiel des Hauses, der Figuren und der Worte, die benutzt werden, um Menschen einzuschüchtern. Wer den Weg ins „Scherbenhaus“ findet, dem wünsche ich starke Nerven und viel Spaß beim Lesen!

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