Generation Selfie – gehöre ich dazu?


| #Generation Selfie | Eva Oer und Christian Cohrs | Riva, 2016 |  978-3868839234 | 16,99 € | 

Das Cover führt Euch zum Buch!

Unsere Welt wird zunehmends digitaler, speziell die junge Generation verbringt einen Großteil ihrer Zeit online und betreibt dabei mehr und mehr eine umfangreiche Selbstinszenierung. Der einzelne Mensch wird zum Ich-Darsteller, sein Leben zu einer nie endenden Show in sozialen Netzwerken, möglichst in Form einer Kette von Höhepunkten – ständig auf der Jagd nach Likes, Beachtung und Applaus.
Das inszenierte Leben im Internet hat jedoch seinen Preis: Die ”Generation Selfie“ lebt ihr Leben nicht für sich, sondern für andere, verkauft sich der Öffentlichkeit, gibt freiwillig Privatsphäre und Individualität auf – und auf der Jagd nach dem nächsten Like möglicherweise auch ihre Integrität.

„Ey, mach mal nen Foto von uns!“

„Hast du den SelfieStick dabei?“

„Meine Handy macht voll die krassen Fotos!“

Schon mal gehört? Sicherlich im Vorbeigehen, denn wir selbst haben ja keinen Selfiestick, oder? Wir fotografieren natürlich alle mit einer Kamera und halten nur selten alles fest, was wir sehen, machen oder tragen. Na, wen habe ich erwischt?

Ich selbst habe einen F., der nennt sich A. und versteht soooo gar nicht, warum man jeden Pups auf Instagram postet. Oder sein Essen fotografiert oder diese Selfies. Ich muss gestehen, dass ich der Foto-App etwas verfallen bin, trotzdem hält sich mein Posten noch in Grenzen. Nicht alles landet bei Instagram. Oft nehme ich mir etwas vor, mache auch das Foto, aber poste es doch nicht. Oftmals landen meine Schuhe dort, meine Kaffeetasse, Sachen vom Blog … Aber mein ganzes Leben? Nö, dazu ist es mir zu anstrengend immer aufzuräumen und die richtigen Dinge ins Bild zu legen. Wem geht es noch so?

Eva Oer und Christian Cohrs gehen dem Phänomen Selfie auf den Grund. Dabei geht es nicht um das „Wie“, sondern auch um das „Warum“, „Wer“ und welche Auswüchse das Ganze annehmen kann. Versehen mit lustigen und haarsträubenden Anekdoten, erklären sie, wie das Selfie entstand.

Sie verteufeln nicht die Generation, die an ihrem Handy klebt. Sie nennen es nicht „böse“, aber auch nicht nützlich. Sie stellen es als Phänomen in den Fokus, das länger anhält als gedacht und mit einer technischen Entwicklung zu tun hat, die Soziale Medien heißt. Würde es diese nicht geben, gebe es auch nicht den Mitteilungsdrang dieser Generation, denn die Verbreitung von „etwas“ ist viel leichter. Es ist eine Art Sog: Wer hat das schönere Wohnzimmer? Den schöneren Bikini? Oder das aufregendere Foto? Mal im ernst: Ich würde niemals auf die Idee kommen, wegen einem Selfie auf eine Statur zu klettern. Diese Statur überlebte mehrere Jahrhunderte – nur den Selfiewahn nicht. Ich glaube, dass ist Erziehungssache: die Wertschätzung von Eigentum. Aber die Anekdote soll vor allem verdeutlichen, was der Geltungsdrang für Auswüchse haben kann.

Die Autoren arbeiten Nutzerzahlen ab, den Fitnesswahn und das Reiseverhalten. Der Fitnesswahn ist ein gutes Beispiel, an dem gezeigt werden kann, wie sich Wahrnehmung verändert. Die Körperwahrnehmung von Jugendlichen, aber auch Erwachsenen ändert sich mit den Bildern, die sie sehen. „Ich muss auch so schlank sein,“ kann beliebig ersetzt werden mit „geschminkt“, „sportlich“, „durchtrainiert“, „braun“ und Co.

Hört sich schlimm an, hat aber auch Vorzüge. Es entstehen Freundschaften, es wird wert gelegt auf Dinge, überlegt und zurechtgerückt. Zum Schluss wird hinter die Kulissen geguckt, denn auch Instagram und Co. verdienen mit uns Geld, machen Werbung und haben Hintertürchen.

Wer einmal einen Blick in die Untiefen der Selfiewelt wagen möchte, erhält mit diesem Sachbuch einen guten Einblick. Zudem ist es locker geschrieben, enthält trotzdem viele Fakten und hat keinen extrem gestreckten Zeigefinger, der vor unsere Nase wedeln könnte.

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