Geständnisse


| Geständnisse | Kanae Minato | Übers. Sabine Lehmann | C.Bertelsmann, 2017 | 978-3570102909 |  16,99 € | 

Das Cover führt Euch zum Buch!

Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken; ein tragischer Unfall, wie es scheint. Wenige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine letzte Lektion mit auf den Weg geben. Denn sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben. Mit einer erschütternden Offenbarung setzt sie unter ihnen ein tödliches Drama um Schuld und Rache, um Gewalt und Wahnsinn in Gang, an dessen Ende keiner – weder Kind noch Erwachsener – ungeschoren davonkommt.

Über dieses Buch bin ich gestolpert. Ein roter, blutender Apfel? Habe ich bereits etwas über das Buch gehört? In der Bibliothek steht es unter den „Literaturempfehlungen“ und ich dachte: Wer hat es besprochen bzw. empfohlen? Ich nahm es mit nach Hause und fand dann dieses Zitat:

„Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Kanae Minatos Roman „Geständnisse“ […]“  

(Quelle: Denis Scheck, Druckfrisch, http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/druckfrisch/sendung/denis-scheck-empfiehlt-gestaendnisse-von-kanae-minato-100.html)

Jetzt wollte ich mir unbedingt selbst eine Meinung bilden. Setze mich hin und las das Buch an einem Stück zu Ende. Ich klappte es zu und mir fiel nur ein Wort ein: grandios! Es hört sich platt an so ein Wort aufzuschreiben, aber es beschreibt in einem Wort einfach alles.

Kanae Minato konstruiert geschickt viele verschiedenen Menschen, Szenen und Gefühle zu einem großen Knall. Es ist wie der Adamsapfel im Paradies, es ist die Wurzel allen Übels, die sie beschreibt. Das Böse hat unscheinbare Gesichter und kann sich aus allem entwickeln – auch aus Schülern.

Beginnend wird aus der Perspektive der Lehrerin erzählt, die gnadenlos eröffnet, dass sie weiß, wer ihre Tochter getötet hat. Sie erzählt, dass sie sich gerächt hat, sie erzählt, dass sie es nicht quält, dass jemand sterben wird. Es ist ein eigenartiges Gefühl, auf Moriguchi hinabzublicken, in ihre Seele, die wirklich verletzt ist. Ihr Tun zieht viele kleine Taten nach sich. Aus anderen Perspektiven versucht die Autorin einen Thriller zu konstruieren, der zum Teil auch auf Zufällen beruht, die im wahren Leben sehr unwahrscheinlich wären. Trotzdem sind sie sehr wirkungsvoll und verweben viele Leben miteinander.

Beide Schüler, die mit dem Tod ihrer Tochter zu tun haben, gehen unterschiedlich mit dem Wissen ihrer Lehrerin um. Es ist auch eine Kritik am japanischen Schulsystem, in dem Kinder auf Leistung gedrillt werden, vereinsamen und sich von der Welt selbst abschotten. Sie ziehen manchmal nicht nur sich selbst in den Abgrund. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die beiden Schüler eine Menge Menschen beeinflussen und nicht nur für viel Ärger, sondern auch für Sprachlosigkeit sorgen.

Immer wieder bin ich völlig baff, welche Verzweigungen entstehen oder womit die Autorin mich erschreckt. Manche Dinge habe ich nicht vorher sehen können. Zerrüttete Familien, gebrochene Herzen, manische Kinder und von Rache getriebene Menschen – alle könnten den Apfel essen, um aus dem Paradies vertrieben zu werden. Sie haben sich für das Böse entschieden und ich war fasziniert davon. Wie ein kleiner Stein alles ins Rollen bringen kann, wie ungläubig ich dabei zugeschaut habe, dass Rache unstillbar ist und Menschen durchtrieben sind.

Lange nicht mehr haben mich kurze Sätze, wenig poetisch und doch zielsicher, gefesselt und zum Staunen gebracht. Wer es noch nicht gelesen hat, sollte unbedingt zu „Geständnisse“ greifen.

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