Ein bisschen wie Unendlichkeit

| Ein bisschen wie Unendlichkeit | Harriet Reuter Hapgood | Übers. Susanne Hornfeck | KJB, 2017 | 978-3737340335 | 16,99 €

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»So ist es, wenn man jemanden liebt.
So ist es, wenn man um jemanden trauert.
Ein bisschen wie Unendlichkeit.«

Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären.
Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben – bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern?

Wenn eine Protagonistin sich nicht entwickelt, nur über schwarze Löcher nachdenkt und mir diese nicht einmal erklären kann, was hat dieses Buch dann zu mir geführt?

Der erste Satz hört sich gemein an, kratzt an denen, die das Buch mochten, hält aber das fest, was ich mich seit geraumer Zeit frage. Es ist ein Mix aus: muss ich haben, sieht gut aus und jemand vergleicht Trauer mit Unendlichkeit. Denn so fühlt es sich an zu trauern, immer,  nach zwei Tagen, nach drei Wochen, nach mehreren Monaten.

Damit hatte das Buch mich und ich muss gestehen: ich bin so einfach gestrickt, dass ich mich schämen sollte. Viel zu schnell lasse ich mich einfach von bunten Büchern, klingenden Titeln und gut gewählten Zitaten überzeugen. Der Witz am Zitat, welches mich traf: in der Geschichte selbst habe ich es überlesen. Es machte nicht „Peng!“, ich nahm keinen Stift und schrieb es abermals auf. Es berührte mich nicht und dies lag zum einen auch an der Protagonistin Gottie.

Sie igelt sich ein, sie ist eigenartig und sehr, sehr anstrengend. Alle haben sie verlassen – aber Gottie, wenn DU mit niemandem redest, wie sollen sie mit dir reden? Wenn du immer unter deinem Baum sitzt und nie Emails an deinen Ex-besten-Freund schreibst, warum soll er dir schreiben? Liegt das Problem vielleicht einfach nur bei dir und du merkst es nicht? Der Fehler an Büchern ist, ich kann nicht eingreifen. Ich muss damit leben, was der Autor bzw. die Autorin mir anbietet. Und leider ist Gottie am Ende immer noch Gottie.

Die Geschichte wird nur unterbrochen von Texten, die mir erklären sollen, was ein schwarzes Loch ist, was jene Berechnung im All auslöst und warum Sterne, Sterne sind. Es wäre alles nicht ganz so schlimm, wenn Gottie es mir erklärt hätte. Leider habe ich am Ende immer noch nicht verstanden, warum sie durch Wurmlöcher gehen kann oder ob sie sich das alles einbildet. Da wäre es fast schöner gewesen, wenn die Handlung so vorhersehbar gewesen wäre, wie die Protagonistin selbst.

Wer wäre bei diesem Cover nicht schwach geworden? Ich sehe schon einige die Hand heben. Aber es ist wirklich schön und verkörpert für mich tatsächlich die Unendlichkeit. Und auch wenn ich nur meckere, stelle ich fest, dass die Idee verrückt genug ist, um gute Ansätze zu haben. Gotties Bruder zum Beispiel, ist ein ausgefallener Nebencharakter, von dem ich viel zu wenig lesen durfte. Der Fokus liegt sehr stark auf Gottie und wird durch ihre Persönlichkeit  auch davon abgehalten, nach links oder rechts in ihrem Leben zu gucken. Ihr Bruder würde alles für sie tun, hat eine eigene Band und tatsächlich ein eigenes Leben. Unendlichkeit kann auch Hoffnung sein, Vergebung und Veränderung, die ich mir für Gottie gewünscht hätte.

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