Emma, der Faun und das vergessene Buch

| Emma, der Faun und das vergessene Buch | Mechthild Gläser | Loewe, 2017 | 978-3785585122 | 18,95 €

Das Cover führt Euch zum Buch!

Als Emma beim Aufräumen in der Bibliothek ihres Internats ein altes Notizbuch findet, denkt sie zunächst, es wäre eine Art Chronik der Schule. Aber es ist genau umgekehrt: Alles, was man in dieses Buch hineinschreibt, wird tatsächlich wahr.
Natürlich beginnt Emma sofort damit, den Schulalltag auf Schloss Stolzenburg ein wenig zu „korrigieren“. Doch nichts geschieht so, wie sie es sich gedacht hat. Zumal auch schon früher Chronisten das Buch genutzt haben. Zum Beispiel eine junge Engländerin, die Ende des 18. Jahrhunderts ein Märchen über einen Faun verfasst hat und später eine erfolgreiche Schriftstellerin wurde. Oder Gina, die vor vier Jahren plötzlich verschwand, nachdem sie ihre Geheimnisse der Chronik anvertraut hatte.
Als sich jetzt auch noch Ginas Bruder Darcy einmischt, ist das Chaos perfekt. Denn Emma und Darcy sind einander in herzlicher Abneigung zugetan – zumindest glauben das die beiden.

Immer, ja wirklich immer fällt es mir bei den Büchern von Mechtild Gläser schwer, zu sagen, was ich über sie denke. Man merkt, dass die Autorin sich wirklich Mühe gegeben hat. Ihre Charaktere sind liebevoll ausgedacht, das Setting gefällt mir meistens sehr gut, aber irgendetwas fehlt mir dann doch.

Dieses Mal entführt uns Mechthild Gläser in ein Internat. Dort treffen wir auf Emma, die es faustdick hinter den Ohren hat. Naja, eigentlich eher nicht. Sie ist heimlich verknallt, hat ein paar Freundinnen und ihr Vater ist der Rektor des Internats. Keine guten Voraussetzungen also um das Schuljahr zu überstehen. Da sie alles langweilig findet, gründet sie einen Buchclub/Geheimgesellschaft/Literaturverfilmungenclub. Das Highlight ist dann aber doch das Auftauchen von Darcy mit seinem Kumpel. Darcy ist ein richtiger Schnösel, die Kratzbürste überhaupt und will mit kleinen Mädchen eigentlich nichts zu tun haben… Eigentlich…

Nach all diesem „eigentlich“ und schnöselhaften Wörtern soll uns klar sein: wir befinden uns in einem Jugendbuch, dass mit Jane Austen spielt. Immerhin wird die gute Frau dieses Jahr 200 Jahre alt. Wüsste sie, wie wenig sie noch gelesen wird, würde sie sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen. Adaptionen ihrer Romane gibt es viele. Diese hier soll ein Jugendbuch sein und vieles spricht auch dafür.

Die jugendlichen Protagonisten reagieren oftmals katastrophal bzw. sehr kopflos. Die Liebe lässt sie komische Dinge tun und manchmal ist Emma einfach nicht die Schlauste in der Mädchenbande. Darcy ist manchmal wirklich ein Ekel, aber kann genauso charmant sein – er spielt seine Austen-Rolle sehr gut. Er ist auch der Charakter, der mir am besten gefallen hat, denn mal mochte ich ihn und mal nicht. Emma hingegen nervte mich wirklich, wenn sie wieder einmal versuchte, alles richtig zu machen und dazu die Chronik benutzte.

Es gibt viele Geheimnisse zu entdecken. Dachte ich, denn die Handlung zieht sich in die Länge. Teilweise liest Emma nur in der Chronik, ohne dass es uns im Geschehen weiterbringt. Oder wir bekommen noch eine Szene erzählt, in der sichtbar wird, wie schädlich Emmas Handeln für das Internat und seine Bewohner ist. Es gibt schnell Charaktere, denen man einiges an Bösartigkeit zutraut, was dazu führt, dass schnell klar ist, wer der eigentliche Bösewicht ist. Die Szenen sind zu einfach aneinandergereiht bzw. wirken leicht wie ein Kinderbuch, das größer sein will, als es ist. Dagegen sprechen allerdings Szenen, die ich in Jugendbücher nicht gerne erlebe. Dazu gehört Emmas Vollrausch und die Reaktion des Jungen. Diese Szene geht gar nicht. Vielleicht bin ich zu engstirnig, aber es wird noch nicht einmal später auf ihr bzw. sein falsches Verhalten eingegangen. In einer Zeit, in der Blogger nicht einmal mehr bestimmte Bücher besprechen dürfen, ohne dafür angegangen zu werden, sind es auch diese Szenen, über die man reden sollte. Unerhört. Zudem empfand ich sie als sehr gestelzt und gerade zu diesem Zeitpunkt als sehr ineffektiv für die Handlung.

Nun habe ich während meiner Rezension den Punkt gefunden, den meine Leserseele wirklich gestört hat. Wenn ich zu kleinlich bin, ist dies ganz und gar meine Sache. Ihr könnt es gerne anders sehen und ich breche wirklich die Lanze für eine tolle Idee und ein gutes Setting.

Dass die Spannung verschleppt wurde, trägt leider zu meiner Bewertung bei und so gelingt mir nur eine drei Sternevergabe.

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