Der natürliche Lauf der Dinge

| Der natürliche Lauf der Dinge | Charlotte Wood | Übers. Gaby Wurster | Artic, 2017 | 978-3038800019 | 20,00 € |

Das Cover führt Euch zum Buch! 

Verla und Yolanda finden sich inmitten in der australischen Halbwüste wieder, gemeinsam mit acht jungen und attraktiven Frauen. Gefangen und beaufsichtigt in einer Baracke. Eine Flucht scheint aussichtlos, das Gelände ist von einem hohen Zaun umgeben. Ihnen werden die Köpfe kahlrasiert und sie müssen kratzige Leinenkittel tragen. Schon bald wird klar, dass sie alle etwas verbindet, doch was? Für welches ‚Verbrechen‘ hält man sie an diesem trostlosen Ort gefangen? Und wer ist dafür verantwortlich? Nach und nach begreifen die zehn Frauen, warum sie verschleppt wurden. Dass sie Teil eines perfiden Plans sind …

Es gibt Bücher, die haben eine gewisse Ausstrahlung. „Der natürliche Lauf der Dinge“ gab mir immer das Gefühl, dass ich ein bedrohliches Buch lesen würde. Etwas, was mir Angst machen würde – kein freundliches Buch mit Sonnenschein und Blumen.

Charlotte Wood schafft es eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen. Wie sie das macht? Nüchtern, fast gefühllos erzählt sie die Geschichte von Verla und Yolanda.  Als beide Frauen aufwachen, befinden sie sich in einem Verschlag. An ihrem Körper Kleidung, die sie nicht kennen und niemals tragen würde. Es ist draußen dunkel, nur zwei helle Punkte sind in der Ferne sichtbar.

Schnell beginnen die Gedanken zu fliehen. Wo sind sie? Was machen sie dort? Und wer hält sie fest? Es wird klar, dass sie nicht alleine sind, denn noch andere junge Frauen, befinden sich auf der „Farm“. Ein Mann mit Schlagstock und schlecht gepflegt, führt sie Tag für Tag durch die karge Landschaft, lässt sie Steine schleppen und setzt ihnen Instantessen vor. Verla und auch Yolanda sind keine Frauen, die man mag. Sie haben alle eine unschöne Vergangenheit und etwas, wofür andere Frauen sie hassen würden. Hört sich schräg an? Das Buch jongliert mit den menschlichen Gefühlen: Neid, Eifersucht und Angst. Im Gegensatz dazu sind die beiden Frauen stark. Sie passen sich den Begebenheiten an und unterdrücken den Zusammenhalt zwischen sich und den anderen Frauen. Während die eine immer wieder an ihre Vergangenheit denkt und auf keinen Fall Anschluss finden möchte, ist es die andere, die im Verlauf der Geschichte einen wichtigen Platz in der Gruppe einnimmt. Beide bleiben jedoch für den Leser unantastbar. Man bewundert sie dafür, dass sie nicht untergehen oder sich selbst umbringen (hört sich hart an, ist aber wirklich berechtigt der Gedanke).  Anscheinend soll keine richtige Verbindung zwischen Leser und Protagonisten geschaffen werden, denn der Abschied kann sehr schnell kommen und sehr weh tun.

Die Erzählperspektive wird geteilt: eine Hälfte darf Yolanda erzählen, die andere Verla. Dadurch entsteht ein Rundumblick, denn beide haben verschiedene Ansichten von ihren Mitgefangenen oder Peinigern. Interessant war es immer, wenn sie ein Puzzleteil gefunden habe, das ihre Entführung erklärt und sie alle vereint. Erschreckend hingegen war, wozu ein Mensch fähig ist. Die Anpassung, die Schläge, die Veränderungen des Charakters – bis hin zum Verrücktwerden und sich selbst verletzen ist alles dabei.

Ich konnte nicht aufhören zu lesen. Es ist wie eine schlechte Farbkombination oder „das nicht weggucken können“ bei anderen Dingen, dass einen vorantreibt und weiterlesen lässt. Schlimm ist nur das Ende: Ich war wirklich unzufrieden damit. Ich fühlte mich allein gelassen, da nicht alle Fragen beantwortet wurden und ich mir die Frage gestellt habe: Ändern sie etwas? Werden die Anpassungen wieder aufgehoben, wenn sie in ihr Leben zurückkehren? Oder wohin geht die Reise?

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