Der Geschmack von Laub und Erde

Der Geschmack von Laub und Erde | Wie ich versuchte, als Tier zu leben | Charles Foster | 978-3890292625 | 20,00 €

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Was fühlt ein Tier, wie lebt es und wie nimmt es seine Umwelt wahr? Um das herauszufinden, tritt Charles Foster ein faszinierendes Experiment an. Er schlüpft in die Rolle von fünf verschiedenen Tierarten: Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und Mauersegler. Er haust in einem Bau unter der Erde, schnappt mit den Zähnen nach Fischen in einem Fluss und durchstöbert Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung. Er schärft seine Sinne, wird zum nachtaktiven Lebewesen, beschreibt wie ein Weinkenner die unterschiedlichen »Terroirs« von Würmern und wie sich der Duft der Erde in den verschiedenen Jahreszeiten verändert. In die scharfsinnige und witzige Schilderung seiner skurrilen Erfahrungen lässt er wissenswerte Fakten einfließen und stellt sie in den Kontext philosophischer Themen. Letztendlich geht es dabei auch um die eine Frage: Was es bedeutet, Mensch zu sein.

Kann ein Mensch sich einem Tier annähern? Wissen wir wirklich, was in unserer Hauskatze vorgeht oder warum unser Hund, uns schräg anschaut? Letzteres beantworte ich mit einem klaren „Nein“. Aber die erste Frage? Schwierig, denn schon ein Jäger versetzt sich in seine Beute. Ein Tierarzt versetzt sich in seinen Patienten. Wir wollen immer wissen, was unsere Tiere denken.

Charles Foster wollte es genau wissen. Ein Leben lang hat er bereits mit Tieren zu tun. Er findet sie interessant, beobachtet als Kind Mauersegler den ganzen Tag. Stopft mit seinem Vater zusammen Tiere aus und geht später mit Eifer auf die Jagd. Bis es irgendwann mal „Klick“ macht und er die Jagd an den Nagel hängt.

Er begibt sich auf eine Reise. Erst allein, später mit seinen Kindern und geht sogar soweit seinen Sohn mitzunehmen, in die tiefen des Waldes in einen selbst gegrabenen Dachsbau. Hört sich verrückt an? Ist es auch, denn mich bekommen keine zehn Pferde in einen unterirdischen Bau zu all den Käfern, Spinnen und Würmern.

Foster versucht sich daran ein Dachs zu sein. Und ein Fuchs. Er pirschte sich an Rothirsche heran, schwimmt wie ein Otter und zuletzt vergleicht er den Menschen mit den Mauerseglern. Beginnend mit dem Dachs schwanke ich immer wieder hin und her. Ich bin gefangen zwischen meinem Denken. Es erschreckt mich, wie bei Foster geht, wenn er mit der Nase im Müll wühlt. Sie in der Nacht in einen Fluss wirft nachdem er im Pub war. Aber er erzählt auch Dinge, die den Menschen zum Nachdenken bringen. Ein Polizist findet ihn unter einen Strauch. Er dürfe dort nicht schlafen, solle mal wieder auf die Beine kommen, normal werden. Foster erwidert: Genau das versuche er – sich zu erden, zur Ruhe zu kommen, einen anderen Blickwinkel zu bekommen.

Seine Gedanken schwanken zwischen der Demütigung doch kein Tier werden zu können und der Aufgabe für das Tier. Manchmal isst er doch mit seinem Sohn zusammen, Pancakes, die der Kumpel mitgebracht hat. Und er wünscht sich, dass seine Kinder länger wie junge Otter bleiben können, obwohl unsere Welt sie schnell erwachsenen werden lässt. Er sieht selbst, dass seine Augen an eine Grenze geraten, seine Ohren aber im Wald besser werden. Und er erkennt, dass der Wald ein besserer ist, wenn man in aus einer Augenhöhe von 15 cm sieht. Wir Menschen sind hochnäsig, wenn wir in den Wald gehen. Wir regen uns auf, wenn ein Hirsch die Straße passiert. Meinen, dass wir Tiere kennen, was sie brauchen, sind und sein sollten.

Fosters Blick ist ein anderer und er macht deutlich, dass wir manchmal auf der falschen Augenhöhe sind, dass Feldforschung auch wirklich eine solche sein sollte. Nicht jeder, den wir im Wald liegend finden, ist verrückt, vielleicht will er auch nur die Natur richtig kennenlernen.

Das Buch liefert einen interessanten, nicht immer glücklich ausgedrückten Einblick, in die Tierwelt. Es gibt Dinge, die können wir von Tieren lernen und es gibt Dinge, die wir einfach verlernt habe und die der Mensch sich wieder antrainieren kann. Hut ab vor der Leistung des Charles Foster.

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