Letzte Lieder

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Letzte Lieder | Sterbende erzählen von der Musik ihres Lebens | Stefan Weiller | Edel Books 2017 |  978-3841905178 | 19,99 €

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Stefan Weiller besucht Sterbende. Er spricht mit ihnen über das Leben, das Sterben – und über die Musik, die sie in ihrem Leben und an dessen Ende bewegt hat. Die Geschichten, die Weiller aufschreibt, und die Lieder, die er mit seinen Gesprächspartnern hört, sind so vielfältig wie unsere Gesellschaft. Sie zeugen von Lebensfreude, aber auch von der Angst vorm Sterben – und offenbaren, dass die letzte Lebensphase nicht immer nur Trauer, Stille und Krankheit, sondern auch Zuversicht, Liebe und Menschlichkeit bedeutet.
Die Vermächtnisse seiner verstorbenen Gesprächspartner bringt Weiller in der Konzertreihe „..und die Welt steht still“ auch erfolgreich auf die Bühne: bei seinen viel besuchten Veranstaltungen lesen prominente Schauspieler mit musikalischer Begleitung durch ein Orchester – so entstehen sehr persönliche, bewegende Erinnerungen.

Egal wie ich es bis jetzt versucht habe, ich kann über dieses Buch nichts schlechtes schreiben. Wer will schon etwas bemängeln, wenn Menschen aus ihrem Leben erzählen? Sie leben alle im Hospiz, denn ihr Leben neigt sich dem Ende zu. Für viele von uns ist dies ein Tabuthema bis es einen selbst betrifft. Lebt dort jetzt ein Freund oder ein Familienmitglied? Steht das Thema zur Debatte? Jeder muss, denke ich, dabei schlucken und denkt an andere Dinge. Fühlt vor allem anders.

Stefan Weiller hat sich lange mit diesem Thema beschäftigt. Es gibt bereits eine Vertonung / Aufführung der „Letzten Lieder“. In diesem Buch sind viele einzelne Schicksale gesammelt. Aus Rücksichtnahme werden keine richtigen Namen verwendet und niemand erfährt in welchem Hospiz die Interviewten leben. Ich finde dies völlig in Ordnung. Es macht den Eindruck, den das Buch auf mich ausgeübt hat, nicht weniger intensiv.

Lieder begleiten uns unser ganzes Leben. Ich habe meine Masterarbeit mit Musik geschrieben, den Bachelor davor auch. Ich habe mit jedem Partner ein Lied gehabt, manchmal sogar eine Band. Es gibt Lieder, die ich nur höre, wenn ich traurig bin oder glücklich. Musik beeinflusst mich – manchmal mehr und manchmal weniger.

Diese Menschen vertrauen uns ihre letzten Lieder an. Dabei sind es manchmal Kirchenlieder wie „Ich steh‘ an deiner Krippe hier“, Popsongs wie „Time after Time“ oder Volkslieder wie „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Gerade letzteres taucht zweimal auf und aus sehr persönlichen Gründen hat mich das gefreut. Einige Lieder kannte ich nicht. Immer wenn Menschen Opern mochten, musste ich passen, denn die Lieder kenne ich meistens nicht. Der Geschmack ist grundverschieden und oft hören die Menschen im Hospiz keine Musik mehr oder gerade dort.

Es sind nur Schlaglichter aus ihrem Leben. Geschichten, die sie bis jetzt berühren. Gespräche, die sie einmal geführt haben oder nie wieder führen werden. An einem Stück sollte und kann man das Buch nicht lesen. Manches ist sehr traurig, manches zum Lächeln und wenn es um Kinder geht, muss ich wirklich schlucken.

Wer die Kraft hat und die Neugier, der sollte zu diesem Buch greifen.

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Ein Kommentar

  1. Ich glaube, das wäre ein Buch für mich. Musik spielt in meinem Leben von klein auf auch eine große Rolle, ich bin damit aufgewachsen. Von seiten meiner Eltern und meines Bruders und noch heute höre ich Musik, die zu ihnen gehört, auch wenn sie nicht mehr da sind und es tröstet mich. Mit den Stücken verbindet man doch eine ganze Menge!

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