Grenzlandtage

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Peer Martin

Antonia Michaelis

13,99€

978-3841504692

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Informationen zu den Autoren:

Peer Martin gewann 2016 den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury mit seinem Buch „Sommer unter schwarzen Flügeln„.

Antonia Michaelis ist mit ihrem poetischen Schreibstil bekannt und kann schwierige Themen sehr gut erzählen. Bekannte Bücher sind: „Der Märchenerzähler“, „Solange die Nachtigall singt“ und „Hier bei uns in  Ammerloo“.

Zwei Wochen Ferien auf der winzigen griechischen Insel liegen vor Jule. Das Meer ist blau, die Nächte sternenklar. Alles scheint perfekt. Bis Jule den Jungen mit den verbundenen Händen trifft und begreift, wer er und die anderen sind, die im Verborgenen leben. Jules Welt gerät aus den Fugen. Denn das Meer ist ein Grab, die Nächte sind kalt und das Dorf ein Ort des Misstrauens. Und quer durch die Wellen läuft eine Grenze, die niemand sieht. Eine tödliche Grenze.

„Grenzlandtage“ behandelt ein aktuelles Thema. Jeden Tag verlassen Menschen ihre Heimat, in der Krieg, Hunger und Hoffnungslosigkeit herrscht. Sie landen in Lagern, geben ihr Leben in die Hand von Schleusern und begeben sich auf Schiffe, die oftmals ihr Ziel nicht erreichen. Warum also aus diesem Thema kein Jugendbuch widmen? Die Autorin und der Autor geben sich wirklich Mühe eine authentische Geschichte zu erschaffen. Leider erweist es sich schwieriger als gedacht und so weist die Geschichte einige Mängel auf, die ich nicht verbergen möchte. Trotzdem ist es ein Buch, das Aufmerksamkeit verdient, zumal es nicht viele eingängige Bücher zu diesem Thema gibt.

Jule ist ein behütetes Mädchen, das eigentlich kurz vor dem Abi steht. Zwei Wochen Auszeit will sie sich gönnen und fährt trotzdem auch als ihre Freundin absagen muss. Die griechische Insel hält viele Abenteuer für Jule bereit u.a. die erste, große Liebe, viel Ungerechtigkeit und die Erkenntnis, dass jeder etwas ändern kann.

Mein Problem mit der Geschichte beginnt damit, dass die Charaktere auf der Insel alle ihre Augen schließen. Es ist völlig natürlich, denn wir tun es auch. Scheinbar aber ist es fast nur Jule, die das bemerkt und ändern will. Warum muss dies ein 17jähriges Mädchen alleine tun? Diese Erkenntnis hat mich hart getroffen. Damit zusammenhängt, dass die Medien und auch Lehrer, falsche bzw. ungenügende Informationen verteilen. Es ist gut, dass die Autoren das Thema aufgreifen. Allerdings sind sie dabei viel zu weich. Wenn es angesprochen wird, wird es nicht verurteilt. Jule weint. Aber mehr passiert nicht. Es wird nicht hinterfrag, warum so etwas vertuscht wird oder anders dargestellt wird. Manchmal sind die Autoren bzw. die Geschichte im Umgang mit den Themen viel zu vorsichtig. Zudem wird oft Sexualität, Religiosität und die Unterschiede der Menschen viel zu sanft angefasst. Wir wissen doch selbst wie engstirnig wir sind. Warum also nicht mit dem Finger in der Wunde bohren?

Die Liebesgeschichte bringt mich auch zum Zweifeln. Ich habe kein Problem damit, dass Jule sich verliebt. Zwar geht das ziemlich schnell, aber sie ist auch noch sehr jung. Der Junge ist viel älter und sollte durch seine Vergangenheit auch reifer sein, benimmt sich aber oft falsch und rückt sich selbst in ein falsches Licht. Aufgestoßen ist mir, tut mir leid, dass es zu einem Spoiler kommt, die Sexszene. Er gibt zu, nur bei käuflichen Frauen gewesen zu sein und Jule liegt fast desinteressiert einfach da und schaut den See an. Sie lässt ihn einfach machen. Ist das ein Bild, das vermittelt werden sollte? Ich glaube nicht.

Der letzte Punkt, der mich kaum geärgert hat, ist, dass alle gut aussehen – also die Flüchtlinge. Bis auf ihre dreckigen Kleider haben sie die hübschesten Haare, den filigransten Körperbau und die tollsten Augen. Immer wieder. Dagegen wirken die Griechen wie häßliche Entlein und Jule sowieso.

Nachdem ich mich nun aufgeregt habe, möchte ich trotzdem noch gute Worte verlieren. Die Geschichte ist wirklich traurig, Jule macht eine tolle Entwicklung durch und zeigt, dass Helfen immer möglich ist. Es ist nicht immer alles legal. Und da frage ich mich auch, ob man es hätte so enden lassen sollen. Vielleicht verzehrt es die Botschaft, aber es zeigt die Realität. Deswegen bin ich etwas zwiegespalten, was die Lösung angeht. Für ein Jugendbuch allerdings ist das Ende perfekt. Es gibt Hoffnung, es regt zum Nachdenken an und solange man es etwas kritisch beäugt, ist es für das Thema ein sehr gutes Buch.

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