Ein kleines Stück Paris

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Ein kleines Stück Paris

Yvonne Jarré

Knaur, 2016

9,99 €

978-3426518588

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Svenja Lorentz, Grundschullehrerin, hoffnungslos idealistisch und gerade wegen eines Burn-outs krankgeschrieben, hat eine Wohnung in Paris geerbt. Zwar handelt es sich dabei nur um eine 8 gm große Kammer unter dem Dach eines heruntergekommenen Hauses mit Etagenklo – aber für Svenja werden das Haus und seine allesamt am Rand der Gesellschaft gestrandeten Bewohner zum Rettungsanker. Hier kann sie tatsächlich etwas bewegen. Hier kann sie zu sich selbst finden. Und hier wird auch sie endlich gefunden: von der Liebe.

Eine Lehrerin weint, sitzt in einem Putzraum fest und kann sich nicht mehr beruhigen. Alles ist ihr zu viel. Sie hat keinen Freund, die Eltern wollen keine Verantwortung mehr übernehmen, die Kinder bewerfen sie mit Klorollen. Die Welt scheint sich gegen Svenja verschworen zu haben, ihr Arzt stellt die Diagnose: Burn Out. Aber zur Ruhe kommen ist schwierig. Erst sind es ihre Gedanken, die sie wach halten. Das Gefühl, das alles zu viel ist – schon das Aufstehen am Morgen. Und zu guter Letzt noch ihre Eltern, die „nur das beste wollen“ und zum Aufräumen vorbeikommen.

Das ist die Ausgangssituation, die dem Leser in diesem Roman begegnet. Ziemlich bedrückend, wenn die Protagonistin weint und nicht einmal die Kraft hat, ihr Leben zu leben. Gott sei Dank gibt Svenja sich nicht auf und ergreift den Strohhalm, den das Leben für sie bereithält: eine Wohnung in Paris. Paris, die Stadt der Liebe, der Träume und der verlorenen Seelen. Immer wieder tauchen Bilder in Svenja auf: von verliebten Pärchen, niedlichen Gassen und dem Leben in Paris. Wird diese Veränderung sie retten?

Wir begeben uns nach Paris, in ein ganz kleines Zimmer, das sich Wohnung schimpft. Langsam kommt Svenja dort zur Ruhe und lernt nebenbei noch ihren Onkel kennen, der das schwarze Schaf der Familie war. Durch Erinnerungsstücke aus seinem Leben versteht Svenja den Menschen immer besser, der sich für Schwache aber auch für Rocker eingesetzt hat. Manchmal fühlt sie sich allein und manchmal gibt es da jemanden an den sie denken muss.

Wenn ich lese, was ich geschrieben habe, hört sich der Roman nicht schlecht an. Die Grundidee ist gut aufgebaut und wird fast bis zum Ende verfolgt, allerdings nur noch in abgeschwächter Form, denn Svenjas Krankheit verblasst stark. Sie tritt in den Hintergrund, denn das bunte Leben nimmt das Ruder in die Hand. Schade, denn ganz so schnell kann man sich von einer Krankheit wie Burn-Out nicht erholen.

Zudem gibt es einen Moment im Roman, der mich sehr gestört hat. Es kommt zu einem Höhepunkt, in dem es um den Hausverkauf geht. Es wird ein positiver Beschluss gefasst, zwei Seiten später ist wieder das Gegenteil der Fall. Noch ein wenig später drehen wir uns wieder und alles ist positiv. Es hat mich nicht nur verwirrt, es fühlte sich an, als hätten dem Roman ein paar Seiten gefehlt und man musste sich schnell etwas ausdenken, um die Seiten zu füllen. Es wirkte gekünstelt und hat meinen Lesefluss wirklich gestört.

Paris, die Menschen und vor allem Svenja sind authentisch dargestellt. Ihre Reaktionen sind gut durchdacht, nie wirkt sie hektisch, sondern immer recht besonnen. Ihre Probleme sind nachvollziehbar und sind oft plausible Lösungen gestoßen.

Ich vergebe drei Bücherpunkte, da mir der Mittelteil nicht sonderlich gefallen hat. Der Rest aber bringt Herzen zum Leuchten und versüßt dem Leser kurz den Tag.

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