Elanus

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Elanus

Ursula Poznanski

Loewe, 2016

978-3785582312

14,95 €

Amazon

Jona ist siebzehn und seinen Altersgenossen ein ganzes Stück voraus, was Intelligenz und Auffassungsgabe betrifft. Allerdings ist er auch sehr talentiert darin, sich bei anderen unbeliebt zu machen und anzuecken. Auf die hervorgerufene Ablehnung reagiert Jonas auf ganz eigene Weise: Er lässt sein privates Forschungsobjekt auf seine Neider los: eine Drohne. Klein, leise, mit einer hervorragenden Kamera ausgestattet und imstande, jede Person aufzuspüren, über deren Handynummer Jona verfügt. Mit dem, was er auf diese Weise zu sehen bekommt, kann er sich zur Wehr setzen gegen Spott und Häme.
Doch dann erfährt er etwas, das besser unentdeckt geblieben wäre, und plötzlich schwebt er in tödlicher Gefahr.

Wir werden alle überwacht. Morgens, wenn ich durch den Tunnel in meiner Nähe gehe, höre ich, wie sich die Verkehrskamera einstellt. In der Nachbarschaft fliegt manchmal ein Quadrocopter herum. Und auch beim Public Viewing wurden wir von „Oben“ beobachtet. Scheinbar etwas ganz normales, bis wir uns Gedanken darüber machen. Was sehen die Menschen dahinter? Ist es wirklich erlaubt, unerlaubt, verboten?

Jona besitzt eine Drohne, die er selber gebaut hat. Elanus sieht gut aus, ist klein, wendig und sein ganzer Stolz. Da wären aber noch seine Intelligenz und  die soziale Inkompetenz, die zu seinem Wesen dazugehören. Es macht ihn nicht zu einem Sympathen – so viel kann ich schon sagen.

Von Anfang an hatte ich Probleme mit Jona. Zwar verstehe ich, dass er es ermüdend findet, wenn andere Menschen langsamer auf die Lösung eines Problems kommen, aber er benimmt sich wirklich wie die Axt im Walde. Niemand ist vor ihm sicher, nicht einmal die Professoren. Er macht sich damit keine Freunde und gerät schnell wieder in die Abseitsfalle. Diese versucht er mit seiner Drohne zu bekämpfen. Eine gute Idee? Ich finde nicht und es zeigt auch, wie schlecht Jonas Charakter ausgebildet ist. Er schert sich nicht um die Gefühle anderer, außer sie sind immer nett zu ihm.

Bei Poznanskis Büchern entsteht meist schnell Spannung. Die Geschichte rast dahin, entwickelt sich und hält Platz für viele Mutmaßungen bereit. Leider ist das bei „Elanus“ nicht der Fall. Gerade der Mittelteil zieht sich sehr. Dinge werden immer wieder erläutert und führen zu keinem besseren Ergebnis. Dennoch gibt es das Problem, dass einige Szenen zum Haareraufen sind. Nicht positiv gemeint, denn die Fehler die Jona macht, sind offensichtlich und bringen den Leser an sich nicht weiter. Während er bereits viel weiter ist und Dinge entdeckt hat, hängt Jona weiter fest. Vielleicht hat es mit seinem Charakter zu tun, der durch den falschen Umgang mit manchen beeinflusst wird, aber manchmal wirkt Jona einfach nur sehr dumm.

Die vielen Nebencharakter bieten eine große Abwechslung. So garstig wie Jona ist, so nett und verrückt ist sein Nachbar Patrick. Und auch so manches Mädchen, ist schlauer und aufgeschlossener.

Ein Satz zum Ende: die ganze Geschichte baut sich um den Gedanken herum auf, dass Jona mit seiner Drohne alles beobachten kann. Wenn er etwas sieht, was er nicht sehen sollte, schaut er trotzdem nicht weg. Seine Unbeholfenheit führt ihn immer weiter hinab in Geheimnisse, die ihn verfolgen und in Gefahr bringen. Das Ende jedoch ist schnell herbeigeführt und für den Leser offensichtlich. Ich hatte beim Lesen die Hoffnung, dass wenigstens das Ende mich überraschen würde.

Gefallen haben mir die bunte Vielfalt der Charaktere und das ich Jona nicht immer „ertragen“ musste. Dem Jugendbuch fehlt es etwas an fesselnder Spannung, trotzdem ist es ein leichter Schmöker, mit einem unverwechselbaren, unsympathischen Charakter.

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