Ewige Jugend – Brunettis 25. Fall

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Ewige Jugend

Donna Leon

Diogenes, 2016

978-3257069693

24,00 €

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Brunettis Bravourstück. Der Commissario ermittelt in den Tiefen der Erinnerung: Contessa Lando-Continui möchte ihren Frieden finden, doch der tragische Sturz ihrer Enkelin in den Canale di San Boldo lässt ihr keine Ruhe. Was, wenn es kein Unfall war? Brunetti nutzt seine Connections, seine Einfühlung und seine Erfahrung.

Ich mutiere fast zum Fan-Girl, wenn ich sehe, dass es einen neuen Brunetti Fall gibt. Dabei habe ich selbst erst bei Fall 19 angefangen, einen Schritt zurück gemacht Fall 1 und 2 gelesen, um dann immer die neuen Fälle wegzuschmökern. Aber es ist ein bisschen wie „nach Hause kommen“. Ich weiß, was mich erwartet. Höre schon Brunettis Stimme im Ohr, sehe Paola lesend und höre die Wassertaxis nahen.

Brunetti hat gerade wenig zu tun, wälzt Akten und schreibt Gutachten. In Venedig passiert selten etwas, so Brunetti und gestohlen wird auch nicht oft. Naja, die Medien berichten oft etwas anderes, wem soll ich denn nun glauben? Als eine Freundin seiner Schwiegermutter allerdings um seine Ermittlungshilfe bittet, ist Brunetti sofort Feuer und Flamme. Der Fall liegt bereits lange zurück und ich denke gleich: „Wird es langweilig werden?“

Der Commissario nimmt seine Kollegin mit, da sie einfühlsamer ist und es im Grunde um ein kleines Mädchen geht. Allerdings ist dieses Mädchen 25 Jahre alt, aber Brunetti geht trotzdem sehr unbeholfen mit ihr um. Diesmal geschieht nicht viel – Brunetti führt viele Gespräche, hält sich an Kleinigkeiten auf und kommt dennoch irgendwie zum Ziel.

Während der Fall ziemlich unspektakulär ist, wertet Donna Leon das Drumherum sehr gut auf. Sie spricht Dinge an, die ihr auf dem Herzen liegen. Sei es, dass die echten „Venezianer“ wegziehen müssen, immer mehr umgebaut wird, nur damit Touristen kommen oder oft die gehobene Schicht etwas zu sagen hat. Wir treffen Gesellschaften, die sich mit dem Umbau von alten Gebäuden befassen und kleine Wohnungen daraus machen. Es wird aber auch eingestreut, dass die Bürokratie schuld ist, wenn ein Kunstwerk verfällt und nicht restauriert werden kann. Es sind die Nebensächlichkeiten, die geschickt eingefügt werden und die dem Leser ein gutes Bild von Venedig vermitteln. In diesem 25. Fall merkt man, dass es Donna Leon wirklich am Herzen liegt, was mit Venedig passiert.

Die Kleinigkeiten sind es auch, die den Spannungsbogen bremsen. Der Höhepunkt, die Frage nach dem „Warum“ und „Wie kam es zu dem Sturz der Enkelin“, wird erreicht – aber mit vielen Umwegen. Es ist keine schlechte Idee, aber vielleicht mühsam für diejenigen, die mit Brunetti noch nicht vertraut sind. Man muss wissen, dass es Kleinigkeiten in Gesprächen sind, die ihn auf eine Fährte bringen. Dass, auch eine Restauration ihn auf Gedanken bringen kann und manchmal zum Ziel führt. Aufmerksam lesen, heißt das Zauberwort – auch wenn es nur um die Wohnungsnot in Venedig geht.

Brunetti feiert seinen 25. Fall und ich hoffe, dass es noch viele weitere geben wird.

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