Das Leben ist zu kurz für graue Tage

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Das Leben ist zu bunt für graue Tage

Sophie Bassignac

Atlantik, 2016

978-3455600407

20,00 €

Amazon

Paris kurz vor Weihnachten. Es schneit unaufhörlich. Sehr weihnachtlich ist es bei Max und Raphael allerdings nicht. Die Cousins, die als Filmausstatter und Restaurator arbeiten, leben erst seit kurzem in der Wohnung, haben sie aber im Handumdrehen in eine originelle Rumpelkammer und Party-Zone verwandelt. Bei ihnen geht die Pariser Bohéme ein und aus, die sich von ihrem kreativen Chaos angezogen fühlt. Nach allerlei Liebeswirren – warum verliebt man sich eigentlich immer in die Falschen? – markiert das nahende Silvesterfest einen Neuanfang für alle.

Eine Wohnungskomödie á la „Tratsch im Treppenhaus“, etwas witziges, das ich eben mal lesen kann. Französischer Charme, der mich einnimmt wie eine wohlig, warme Decke. Diese Erwartung habe ich an das Buch von Sophie Bassignac herangetragen, obwohl ich wusste, dass sie eher melancholische Bücher schreibt. Liegt der Fehler demnach bei mir?

In einem Haus in Paris wohnen viele Menschen. Jeder von ihnen hat besondere Charaktermerkmale, die sich positiv oder negativ auf das Miteinander auswirken. Alle, wirklich alle sind sehr, sehr speziell. Da wären Max und Raphael, die zusammen leben. Der eine aufbrausend und mit Stimmungsschwankungen belegt, der andere sehr still und auf seine Arbeit fixiert. Gerade Raphael ist ein schwieriger Charakter, denn ich hatte keinen Zugang zu ihm. Er lebte, er starrte in Leere, aber bis zuletzt wurden wir keine Freunde.

Die ältere Nachbarin fühlt sich mit den beiden Männern verbunden, ist ein Bollwerk gegen deren Mütter und ist selbst sehr wunderlich. Sie ist Professorin, ist verliebt in ihrer Vortragsstimme und hasst Studenten. Das ist ein Widerspruch? In diesem Buch sind alle Charaktereigenschaften als Widerspruch angelegt. Der Leser kann sich wundern, aber die Autorin macht es sich zur Aufgabe nur schwierige Charaktere zu erschaffen.

Zwar spricht der Titel davon, dass es mehr bunte Tage geben sollte, aber dieser heitere Ton geht bald verloren. Es ist Winter, alle jammern über den Schnee. Alle jammern, dass ihr Leben nicht gut ist und sie jammern gemeinsam. Es entsteht eine triste Vorweihnachtsstimmung und eine noch tristere Silvesterfeier. Es ist nichts bunt und schön, es ist nichts nachvollziehbar wunderbar. Paris ist hier die große, graue Dame, die Leben und Liebe aus den Menschen herauspresst.

Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn es ein paar „normal“ anmutende Menschen gegeben hätte. Jemanden, der sich tatsächlich einmal über Besuch freut oder über den Schnee. Es hätte nicht einmal ein durchweg positiver Mensch sein müssen. Er hätte nur keine Ticks, Depressionen oder andere weniger schöne Verhaltensmuster haben sollen. Als Gegenpol wäre die Lage zwischen den Charakteren entspannter gewesen – vielleicht ein bisschen liebevoller.

Die Schreibweise der Autorin besteht aus vielen kleinen Dingen, auf die sie den Fokus gelegt hat. Nasen, Gesichtsausdrücke und Handbewegungen werden präzise beschrieben und erwecken fast das Bild einer Theatervorführung mit nur ein paar Bühnenbildern. Diese Art hat mir gut gefallen und sie löst tatsächlich Gefühle aus, diese sind aber immer trist, schwer und ohne Heiterkeit.

Der Roman wird drei Bücherpunkte bzw. Sterne erhalten. Vielleicht muntert er andere Menschen auf. Mir gefiel lediglich die Detailverliebtheit und die Grundidee.

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