Totenlied

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Totenlied

Tess Gerritsen

Limes, 2016

978-3809026709

14,99 €

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Von einer Italienreise bringt die Violinistin Julia Ansdell als Souvenir ein altes Notenbuch mit nach Hause. Es enthält eine handgeschriebene, bislang völlig unbekannte Walzerkomposition. Julia ist fasziniert von dem schwierigen Stück, doch jedes Mal, wenn sie die aufwühlende Melodie spielt, geschehen merkwürdige Dinge. Etwas Bösartiges geht von dem Walzer aus, etwas, was das Wesen von Julias dreijähriger Tochter auf beunruhigende Weise zu verändern scheint. Weil niemand ihr Glauben schenkt, reist Julia heimlich nach Italien, um nach der Herkunft der mysteriösen Komposition zu forschen …

Tess Gerritsen ist die Frau, die mich immer zum Lesen animiert und mir Gänsehaut verschafft. Das ist nicht nur so dahingesagt, sondern entspricht der Wahrheit. Während die Liebe zu anderen Thriller- und Krimiautoren eingeschlafen ist und mich nur noch der ein oder andere Thriller begeistert, ist es immer diese Autorin, die einen neuen Knüller hinlegt. Die meisten Leser kennen ihre beiden Ermittlerinnen Rizzoli&Isles, die auch eine eigene Serie haben. Ich allerdings kenne auch die Bücher, die manche nur als Ausflüge und Pausenfüller bezeichnen, wenn eben jene Ermittlerinnen keinen neuen Fall erhalten. „Totenlied“ darf und muss aber als etwas Großes angesehen werden, denn es ist ein Thriller der mit einer tollen Ausgangssituation aufwartet, überrascht und dazu noch geschichtliche Historie beweist.

Julia ist eine Musikerin mit Leib und Seele. Oft bringt sie sich neue Noten mit, wenn sie einen Auslandsauftritt hatte. So auch in Venedig als sie sehr alte Noten findet und sie einfach kauft. Dieser Impuls, etwas wirklich haben zu wollen, macht Julia sofort sympathisch, obwohl ich sie schon mag, weil sie Musikerin ist. Wieder Zuhause versucht sie die Noten zu spielen, gerät in einen regelrechten Sog, wacht davon auf und sieht ihre tote Katze auf der Terrasse liegen. Diese Begebenheit  zieht den Leser in ihren Bann, denn man ahnt nicht, was dahinter steckt. Es wirkt surreal, erschreckend und völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Alles scheint mit der kleinen Tochter zusammenzuhängen, die der Leser ab Seite 1 total süß finden muss. Die ganze Zeit habe ich mich gefragt: Kann das sein?

Die Ängste, die Julia spürt sind ausführlich beschrieben und dadurch sehr greifbar. Zudem sind es gerade die Gedanken: Was könnte passiert sein? Wird es wieder passieren?, die sie schwach und zerrissen wirken lassen. Zeitgleich will sie die Musik noch einmal spielen und hinter ihr Geheimnis kommen. Mit der Zeit wird der Leser auf verschiedene Seiten gezogen. Mal war ich für Julia, die mir hilflos und traurig vorkam. Mal für ihren Ehemann, der nur das beste für seine Familie tun möchte. Es ist ein Auf und Ab, denn wirklich wissen, was der Grund für die Grausamkeiten ist, wird der Leser erst ganz zum Schluss.

Der Thriller ist perfekt konzipiert. Gespräche und Gedanken bringen den Leser auf immer wieder neue Vermutungen. Die Geschichte der Noten wird in Rückblicken erzählt, dazu verliere ich aber kein einziges Wort, denn sonst müsste ich spoilern. Gesagt werden kann nur, dass die Rückblicke gut in die Geschichte hineinpassen und eine tollen zweiten Handlungsstrang bilden. Vielfach wurde das angesprochene Thema bereits verwertet, hier erhält Julias Erzählstrang eine breitere Basis und bietet noch mehr Überraschungen.

Einzig an der Aufbereitung des Thrillers habe ich etwas zu kritisieren, denn ich finde der Klappentext verrät viel zu viel vom Inhalt. Er beschränkt sich zwar auf Julias Teil der Erzählung, aber manche Dinge hätte ich auf den ersten Seiten lieber allein entdeckt – dazu brauche ich keinen Klappentext.

Wer bereit ein Fan von Tess Gerritsen ist, kann sich die Wartezeit auf einen neuen Fall von Rizzoli&Isles nicht nur verkürzen, sondern sich wirklich auf ein Leseerlebnis freuen. Sollte es tatsächlich jemanden geben, der die Autorin noch nicht kennt: Lest diesen Thriller.

P.S: Es gibt das Musikstück sogar bei ITUNES. Es wurde von Tess Gerritsen selbst komponiert und heißt: „Incendio“ gespielt von Yi-Jia Susanne Hou. Auch in anderen Stores kann es gekauft werden.

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2 Kommentare

  1. Hallo und danke erstmal für die gute und hilfreich geschriebene Rezension.
    Eigentlich bin ich der absolute Fantasy Leser und lese kaum anderes. Nun wurde mir von einer guten Freundin „Totenlied“ empfohlen und ich dachte mir: „Googelst du mal.“. Dabei bin ich auf deinen Artikel gestoßen, der mir den letzten Zweifel, ob ich ein Buch mit diesem Genre lesen sollte und vor allem welches, genommen hat.
    Ich freue mich auf meine Couch und „Totenlied“ in meiner Hand.
    Lg und weiter so
    Jenny

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