Schweigen ist Goldfisch

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Schweigen ist Goldfisch

Annabel Pitcher

Fischer, 2016

16,99 €

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Kauflokal! 

»Mein Name ist Tess Turner – dachte ich jedenfalls bis vor kurzem.
Und ja, ich habe eine Stimme, aber sie gehört nicht wirklich mir. Ich habe Dinge gesagt, um dazuzugehören, um meinen Eltern zu gefallen, um allen zu gefallen. Ich habe so getan, als wäre ich jemand, der ich gar nicht bin. Ich habe gelogen.
Dabei ist mir übrigens nie in den Sinn gekommen, dass alle anderen auch lügen könnten.
Die Lügen sind aber eigentlich gar nicht das Problem. Was wirklich weh tut, ist die Wahrheit: Sechshundertsiebzehn wahre Worte, die meine ganze Welt auf den Kopf stellen.
Und weil Worte so gefährlich sind – die gelogenen und die wahren – , habe ich beschlossen, sie nicht mehr zu benutzen.
Ich bin Pluto. Schweigend. Unerreichbar. Milliarden Meilen von allem entfernt, was ich zu kennen glaubte.«

Annabel Pitcher kam mir bekannt vor. Kennt Ihr das? Ihr lest einen Autorenamen und kramt ewig in der Erinnerungen an eure gelesenen Bücher. Welches von denen hat diese Autorin noch geschrieben und kann ich mich noch lebhaft an das Buch erinnern? Bei Annabel Pitcher muss ich leider gestehen, dass ich mich kaum noch an ihren Roman „Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims“ erinnern kann. Würde ich mich an dieses Jugendbuch länger erinnern? Würde die Protagonistin mir ein Lesevergnügen bescheren?

„Schweigen ist Goldfisch“ peilt eine schwierige Zielgruppe an. Weder Fisch noch Fleisch – wie man so schön sagt. Auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, sich selbst finden und wissen, was einem wichtig ist, ist es schwierig Mädchen und auch Jungs zum Lesen zu bewegen. Es muss interessant sein, scheinbar Themen berühren, die mit den Eltern nicht besprochen werden können, aber mit denen sich die jungen Teenies identifizieren können. Tess ist ein schwieriger Charakter und ich hatte wenige Punkte, die mich wirklich gefesselt haben. Sie ist als Teenie recht nervig, denn sie gehört zu den Mädchen, die gemobbt werden, deren Rock eine Nummer zu eng ist und die deswegen nur Salat essen sollen. Ihre Eltern, vor allem ihr Vater wirkt von Anfang an sehr unglücklich mit seiner Tochter. Fast manisch versucht er nett zu sein und ihr Leben zu einem besseren zu bekehren. Das funktioniert nicht.

Tess erkennt, dass es in ihrer Familie ein großes Geheimnis gibt und weiß nicht damit umzugehen. Als sie beginnt einfach zu schweigen, denken die Eltern noch, dass es schnell vorbeigeht. Nach ein paar Tagen machen sie sich ernsthaft Sorgen und Tess beginnt mit sich selbst zu reden. Plötzlich hat sie wieder einen unsichtbaren Freund in Form einer Goldfischtaschenlampe. Ihr lest richtig. Das ist etwas, was mich immens gestört hat. Tess hat so viele Ticks, Macken und Dinge, für die Kinder sie leiden lassen, dass sie noch einen Goldfisch an ihrer Seite braucht? Mit dem Goldfisch beginnt auch etwas, was ich philosophische Gespräche mit einem Fisch nenne. Seitenweise redet sie über Probleme mit dem Fisch. Wenn es bei ihrem vorrangigen Problem, „Ich habe keinen Vater mehr.“ geblieben wäre, hätte ich nichts gesagt. Aber es kommen einige mehr dazu. Streit mit der jahrelangen, einzigen Freundin, die Erkenntnis, dass die Schule nicht ihr Ding ist und viele Kleinigkeiten.

Annabel Pitcher hat mit Tess eine sprachgewandte und gewitzte Person aufgebaut. Allerdings handelt Tess als wäre sie erst sieben oder acht Jahre alt. Planung? Kennt sie nicht. Recherche im Internet, um hinter den Wohnort oder andere Informationen zu kommen? Macht sie nicht. Es klafft eine große Lücke zwischen ihren Worten, Gedanken und ihren schlussendlichen Taten. Dadurch wirkt die Protagonistin nur bruchstückhaft auf den Leser ein und dieser kann keine echte Beziehung zu ihr aufbauen.

Das gewählte Thema, der Verlust des Vaters, ist am Anfang einfühlsam erzählt und die Reaktion von Tess erst einmal verständlich. Der Leser lernt einen Vater kennen, der zum Teil die Erwartungen erfüllt und manchmal sehr kalt wirkt. Im Verlauf der Geschichte rückt der Fokus vom Vaterthema fort und wird überlagert. Die dramatische Entwicklung zwischen Tess und ihrem Vater gehen gänzlich unter in dem Gefühlschaos des Mädchens. Das ist sehr schade.

Mit „Schweigen ist Goldfisch“ konnte die Autorin mich leider nicht überzeugen. Die Themenwahl wurde nicht konsequent durchgehalten und eine störrische mit Macken übersäte Protagonistin machte den Einstieg in die Geschichte bis zum Schluss schwierig.

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