Lass uns Fliegen

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Lass uns fliegen

Katrin Bongard

Oetinger, 2016

978-3841504166

12,99 €

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Vincent und Paulina kommen aus vollkommen unterschiedlichen Welten. Die fleißige Schülerin hat nichts mit Vincent, dem Kiffer, zu tun. Doch dann lernen sich die beiden in der Schreibwerkstatt besser kennen. Dort ist Raum für ihre Gedanken, Ängste und Wünsche. Trotzdem dauert es eine Weile, bis sich Vincent und Paulina für den Kurs öffnen können – und sich schließlich ineinander verlieben …

Die Welt arbeitet mit Schubladen. In der Schule gibt es „die Beliebte“, „die oder der Streber“, „der Sportliche“ und „der Außenseiter“. Später im Leben zieht sich dieses Schubladendenken fort und nur man selbst kann es unterbrechen. Dieses Buch hat mich daran erinnert, wie oft wir Menschen von vornherein ablehnen und ihnen aus dem Weg gehen. Manchmal sind es gerade Gegensätze, die gar keine sind und es entwickelt sich eine tolle Freundschaft oder Beziehung. Vorab sei gesagt: ich wünsche jedem Heranwachsenden eine Grenzen überschreitende Erfahrung in Sachen Schubladendenken.

Aber nun zur Geschichte und ihrer Autorin. Von Katrin Bongard war ich schon einmal begeistert. Mit ihrem Roman „Loving“ hatte sie ich berührt, denn sie schafft es Einblicke in die Welt von Jugendlichen zu geben, die voller Gefühl sind. Diesmal sind es Vincent und Paulina, die den Leser mit in ihre Welt nehmen.

Diese Welten sind unterschiedlich, denn während Paulina viele Freunde hat, ein tolles Zuhause und eigentlich keine Probleme haben sollte, muss Vincent einige Geheimnisse für sich behalten, vergisst den Alltag durch Kiffen und hat nur einen besten Freund. Das Schicksal meint es mit beiden Protagonisten nicht gut, jedoch gehen beide anders damit um. Vincent flüchten ein bisschen in die Welt des Kiffens, Paulina schlägt es ziemlich auf die Psyche und oft will sie nur weinen. Der Moment als sich beide wahrnehmen, hat mich mitgenommen.

Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass die beiden nebenher leben. Jeder in seiner eigenen Blase und warum sollten sich diese berühren? Aber manchmal ist es tatsächlich nur ein kurzer Augenblick und ein Blick, der dafür sorgen kann, dass man an den anderen denkt. Und das immer wieder. Was sich kitschig anhört, ist ein Jugendbuch, das viele wichtige Themen anspricht. Das erste Mal mit richtigen Problemen kämpfen und merken, dass die Eltern nicht alles ändern und verbessern können. Die Flucht aus dem Alltag mit guten und schlechten Mitteln. Am wichtigsten ist jedoch, die Veränderung der Sichtweise auf Menschen und deren Leben. Es ist die Art und Weise wie Katrin Bongard es schafft, die Seele der beiden Jugendlichen einzufangen, die mich an das Buch fesselt. Nimmt man es ernst, passiert nur das „Leben“ mehr nicht. Nichts Aufregendes – keine Aliens, Trickbetrüger oder Weltuntergänge. Nur das Leben von zwei Menschen, das sich kreuzt und sie verändert.

Es war schön zu lesen, dass Vincent sich Gedanken um seinen Konsum macht, aber dennoch einen Anstoß braucht. Realistisch war auch Paulinas Problem und wie damit umgegangen wird. Wie schnell kann jemand ins Abseits geraten, weil er drei Wochen oder länger nicht in der Schule war? Es geht so schnell und für Eltern und Menschen, die an diesem Mikrokosmos nicht beteiligt sind, ist es ein Wunder.

Der Erzählstil der Autor in melancholisch, aber nicht depressiv. Er ist fröhlich, aber auch nicht zu aufgesetzt. Sie vermittelt genau die richtige Portion Realität mit einem Schuss Romantik. Es könnte tatsächlich so passieren – vielleicht heißen die beiden Jugendlichen dann nur Marie und Benedikt …

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