Der Zirkus der Stille

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Der Zirkus der Stille

Peter Goldammer

Atlantik, 2016

978-3455600438

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Thaïs Leblanc wächst nach dem Tod der Mutter bei ihrer Großmutter auf, der unvergleichlichen Victoria, wie sie auf Zirkusplakaten tituliert wird. Thaïs verabscheut das Zirkusleben und zieht, kaum volljährig, nach Paris; sie will nur eins: Normalität. Doch als die Großmutter stirbt, konfrontiert deren seltsames Testament sie mit ihrer Familiengeschichte, die sie zum wundersamen Cirque perdu und seinem Direktor Papó bringt. Dort lernt Thaïs, dass man sich seinen Ängsten stellen muss und für die wichtigsten Dinge im Leben keinen Applaus von anderen braucht.

Bücher, die mich das Staunen lehren sind immer willkommen. Bücher, die mich verzaubern auch. Beides spiegelt das Cover für mich wider. Wenn ich in den Zirkus gehe, staune ich. Schaue mir Kunststücke an und früher auch Tiere, die in der manage wahre Wunder verbringen. Mit Kinderaugen so etwas anzusehen, ist etwas anders. Der Erwachse sieht die dreckigen Bänke, den hohen Preis der Eintrittskarten, den geknechteten Elefanten – alles Dinge, die das Kind nicht sieht. Es ist begeistert, macht große Augen, sagt: „Guck mal hier!“ „Oh!“ „Guck mal da!“. Manchmal, in ganz leisen Momenten, wünsche ich mir meine Kinderaugen zurück, damit viel Wahrheit unerkannt bleibt und Momente wieder genossen werden können.

Ich schweife ab. Eigentlich soll es hier um Thaïs Leblanc gehen, die, was für Traum, bei einem Zirkus aufgewachsen ist. Mittlerweile heißt „Zirkus“ für mich: Existenzkampf, hungernde Tiere und Künstler, die so etwas nicht jahrelang machen können. Thaïs muss den Tod ihrer Mutter verkraften und ihre großartige Großmutter ertragen. Diese scheint sehr exzentrisch gewesen zu sein und außerdem dem Alkohol verfallen. Keine leichte Kindheit und Grund genug im Erwachsenenalter nach Paris zu gehen.

Der Leser trifft die junge Frau erst wieder, als die Großmutter gestorben ist. Es beginnt der Prozess der Aufarbeitung und zudem hat Thaïs das Gefühl, in Paris und in ihrem Leben nicht glücklich zu sein. Guter Voraussetzungen um noch einmal ein neues Leben zu beginnen? Den Ausschlag gibt wohl der „Zirkus perdu“. Plötzlich im Nebel taucht er auf und bringt Geheimnisse mit, die Thaïs nicht sofort erraten und vergessen kann. Sie lernt Menschen kennen, die ganz anders leben. Sie kennt nur den Zirkus, der von Tieren lebt, mit bunten Wagen daherkommt und Glück ausstrahlt.

Irgendetwas ist anders und im Laufe der Erzählung beginnt auch die Protagonistin sich zu verändern. Sie denkt über ihr Leben nach und ich als Leserin, warte die ganze Zeit auf das, was mich zum Staunen bringen soll. Was wird passieren? Eine tiefe Veränderung mit Thaïs? Etwas mit dem „Zirkus perdu“?

Sehr viel später im Text wird mir klar, dass es sich um eine „Zigeunerzirkusgruppe“ handelt. Ich benutze das Wort selbst ziemlich selten. Die Geschichte entwickelte sich zu einem Schlaglicht der Sinti und Roma. Sie leben alle sehr verschiedene und in diesem Buch hat eine bestimmte Gruppe einen Zirkus gegründet. Warum und wie das alle spaziert ist, verrate ich Euch hier nicht.

Ich kann leider sagen, dass mich „Der Zirkus der Stille“ nicht überzeugt hat. Die Einsichten in die Sinti und Roma Gruppe kommen zu kurz und auch die Verbindung zu Thaïs finde ich nicht gut herausgearbeitet. Aber am schlimmsten ist, dass mir das Staunen fehlt. Ich soll das Staunen lernen. Selbst Thaïs bekommt immer wieder gesagt: „Du musst Staunen, um die Welt zu verstehen!“ Wie man zu diesem Gefühl gelangt und was es in Thaïs selbst auslöst, bleibt im Verborgenen. Selbst das Ende bringt keine wirkliche Erlösung für mich. Was am Anfang als melancholische Aufbruchsgeschichte begann, endet etwas zu weich und ohne Staunen. Schade.

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