Die Ungehörigkeit des Glücks

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Die Ungehörigkeit des Glücks

Jenny Downham

C. Bertelsmann

978-3570102923

19,99 €

Amazon

Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück.

Gestern habe ich das Buch zugeklappt. Es war eine schwere Geburt. Ich las und las und das Buch nahm kein Ende. Die Geschichte war nicht schlecht, sie las sich locker und leicht, obwohl die Themen mehr als schwierig sind. Sie sind tragisch und jeweils auf ihre Art schwierig und traurig.  

Katie ist die „Brave“ in der Familie. Wenn ihre Mutter sagt: „Lern Mathe!“, lernt Katie. Sie putzt auch, passt auf ihren Bruder auf und bleibt nie lange abends weg. Ist das ein Teenagerleben? Als ihre Großmutter plötzlich bei ihnen einzieht, passt Katie auch auf sie auf. Ihre Oma hat Lücken im Gedächtnis, vergisst sich zu waschen und erkennt fast niemanden. Es ist wie Wald, in dem jeden Tag ein paar Bäume absterben: Es ist Demenz. Katies Mutter ist ein Scheusal. Sie ist verletzt, enttäuscht von ihrer Mutter und Katie will wissen warum. Eine Jagd nach dem Geheimnis beginnt, denn ihre Mutter schweigt und Mary, ihre Oma, kann sich nur manchmal erinnern und dann ist die Frage: War es wirklich so? 

Eigentlich liest es sich recht spannend. Ein Familiengeheimnis, das immer verzwickter wird. Eine arme, alte Frau, die sich kaum erinnern kann, aber morgens genau weiß, wo sie hin möchte. Eine junge Frau, die ihren Platz im Leben suchen muss, aber von ihrer Mutter zu sehr bemuttert wird. Da hätten wir also die Themen: 

  • Demenz 
  • Familiengeheimnis
  • einen Bruder, der Entwicklungsstörungen hat 
  • Katie, die eine Findungsphase durchlebt
  • eine Scheidung.

Bisschen viel? Findet Ihr nicht auch? Ich wusste mit der Zeit nicht mehr, welches Thema im Vordergrund steht. Die arme Katie ist voller Selbsthass, während sie versucht, sich selbst zu finden. Ihre Oma streut Ratschläge und Weissagungen mit ein. Als Leser hätte die Fokussierung auf das Familiengeheimnis gereicht, denn dies ist wirklich groß und allumfassend. Da geht es nicht nur um eine Tante, oder jemanden, der vielleicht gestorben ist. Da gibt es noch Koffer, Briefe, Geschichten, wiedergefunden werden, verlassen werden – alles in einer Familiengeschichte. Brauche ich in diesem Fall noch einen Teenager, der mit sich selbst zu tun hat? 

Der Blickwinkel von Katie schwankt hin und her. Mal ist sie auf ihre Oma fixiert und richtet ihre Gedanken und ihr Leben nach ihr aus, dann rebelliert sie, lässt ihren Bruder allein und wundert sich, das es schief geht. Sie ist keine einfache Protagonistin. Ich konnte mich nicht gut in sie hineinversetzen, weil sie ganz andere Probleme hatte als ich. 

Jenny Downham bringt mich teilweise mit skurrilen Situationen zum Lachen, den Menschen, die an Demenz erkranken, sind manchmal richtig süß und lustig. Da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen sollte. Leider sind die Szenen nicht unbekannt und sind so oder etwas anders in anderen Bücher vorgekommen. Man kann nicht immer das Rad neu erfinden. Der Höhepunkt der Geschichte, der vorhersehbar ist, wird sehr lange hinausgezögert. Es bilden sich Längen, die die Geschichte nicht nötig hatte und durch die ich mich quälen musste. Das ist schade. 

Der Gedanken hinter der Geschichte, der Kern, ist gut gelungen. Leider fehlt mir oft eine Fokussierung, sodass ich als Leser dahingetrieben bin und nicht wusste, worauf ich zuerst und am allermeisten achten sollte. 

Bildschirmfoto 2015-05-25 um 14.26.00

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