Regenbogentänzer

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Regenbogentänzer

Nicole Walter

Knaur, 2015

 978-3426515501

9,99 €

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Was ist es, das das Leben lebenswert macht? Für den alten Alfons sind es seine Saalflugzeuge, so zart und zerbrechlich, dass sie eigentlich nur in geschlossenen Räumen fliegen können. Milena kann ihn gerade noch daran hindern, sich von einer Brücke in die Isar zu stürzen, als sein Flugzeug eine Bruchlandung erleidet und im Fluss unterzugehen droht. Dabei würde sie selbst gern springen, jetzt, wo ihre Karriere als Tänzerin vorbei ist. Stattdessen bringt sie Alfons zurück in das Regenbogenhaus. Und lernt dort wundervolle Menschen kennen: Menschen, die allein nicht in der Welt zurechtkommen und die doch wissen, was das Leben lebenswert macht.

Selten ist ein Cover so farbenfroh und hat eine positive Ausstrahlung. Es verbringt sich Hoffnung in den Regenbogenfarben und in der Scherenschnittfigur. Ich stelle mir einen Regenbogentänzer als Mensch vor, der trotz Regen weiß, dass es bald besser wird. Einen Menschen, der die Farben des Lebens zu schätzen weiß und auch ahnt, dass es viele andere „bunte Menschen gibt“. So viel zum Cover, das mich wirklich beeindruckt hat. 

Die Geschichte konnte mich weniger begeistern. Die Frage über allem ist: Was macht das Leben lebenswert? Ein Job, mit dem man Geld verdient? Oder ein Job, in dem man sein kann, wer man wirklich ist und macht, was man wirklich liebt? Ist Leben nur eine Aneinanderreihung von Dingen, die wir tun müssen oder wirklich tun wollen, weil wir sie lieben? 

Milena steht an einem Scheideweg. Keinen Job, als Tänzerin zu alt und am Ende. Für eine Künstlerin ist es besonders schwierig wieder im Leben Fuß zu fassen, wenn Bühnen und harte Arbeit hinter ihr liegen. Dabei liebt sie die Musik und wollte schon immer tanzen. Aber sie ist auch eine sehr impulsive Person und schießt oft über das Ziel hinaus. Ich denke da an eine bestimmte Szene, die mich wirklich hat stutzen lassen. Wenn ich die Szene miterlebt hätte, kann ich sagen, dass ich wirklich gedacht hätte: Mit der stimmt etwas nicht. Natürlich ist das ein Vorurteil und letztendlich wird auch Milena mit ihren Vorurteilen, Ängsten und Problemen konfrontiert. Was mir an ihrem Charakter nicht gepasst hat, ist, dass sie beginnt andere Menschen mit psychosomatischen Störungen ganz normal zu behandeln. Allerdings gesteht sie sich selbst diese „normale“ Behandlung nicht ein. Sie gesteht sich keine Liebe zu, keinen normalen Job und letztlich auch kein bisschen Glück. Immer ist alles düster und schlecht. Dieser Sprünge in ihrem ganzen Handeln empfand ich als anstrengend und schwer nachvollziehbar. 

Es gibt Szenen, die ich mochte. Die Beschreibungen der psychosomatischen Störungen sind gut gelungen und tragen zum Verständnis bei. Die ganzen Nebenfiguren sind liebevoll beschrieben und verleihen der Geschichte einen tollen Handlungsrahmen. Leider ist es Milena, mit der ich nicht warm werden konnte. Sie ist für mich nicht der schwarze Scherenschnitt auf dem Cover. Sie ist für mich auch am Ende des Romans kein zuversichtlicher Mensch. Sie ist und bleibt schwierig und manchmal verstockt. 

Der Roman lässt sich sehr gut lesen, denn Nicole Walter versteht es zu erzählen. Es ist eine Mischung zwischen guten, liebevollen Beschreibungen und vielen Gefühlen, die sie in der Geschichte unterbringt. Leider konnte mich Milena nicht überzeugen und überstrahlte die guten Ansätze. 

Bildschirmfoto 2015-05-25 um 14.26.00

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