Das Traumbuch

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Das Traumbuch

Nina George

Knaur, 2016

16,99 €

978-3426653852

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Können uns falsche Entscheidungen glücklich machen?
Das Leben besteht aus der Summe stündlicher Entscheidungen. Doch welche sind richtig? Welche führen zu Glück, Liebe, Freundschaft – welche zu Verzweiflung und Einsamkeit? Mit dieser existenziellen Frage ringen die Verlegerin Eddie, der Kriegsreporter Henri und der hochsensible Teenager Sam, als Henri nach einem Unfall ins Koma fällt.

Das Buch ist schon lange gelesen. Es liegt auf dem Hocker zwischen den Lesesesseln. Es liegt dort, wird immer mal wieder in die Hand genommen. Es fragt mich: Was willst du über mich schreiben? Und immer wieder muss ich antworten: Ich weiß es nicht.

Dieses Zwiegespräch dauert an und immer, wenn ich versuche etwas in Worte zu fassen, gibt es eigentlich nichts, was man zu diesem Buch sagen könnte. Diesen Satz darf niemand falsch verstehen. Das Buch ist voller Liebe, voller Angst, voller Leidenschaft und voller schöner Momente. Erst dachte ich: Willst du dich darauf einlassen?

Der Klappentext hört sich traurig an, aber auch mitreißend. Irgendetwas war da, dass mich dazu brachte, die erste Seite zu lesen. Und dann waren es 50, 100 …. Das Buch war schnell vorbei, denn ich konnte es nicht aus der Hand legen. Fragen wie: Warum? Wohin? Was mache ich dann? Waren immer in meinem Kopf. Noch habe ich kein Problem mit Patientenverfügungen, obwohl ich welche besitze. Noch muss ich keine Träne vergießen, denn es sind noch (fast) alle Menschen da. Aber was wäre, wenn ich Eddie wäre? Der Verlust schon einmal so groß, größer als alles, was der Mensch sich vorstellen kann? Plötzlich wieder die Verantwortung zu haben, für einen Menschen, der im Koma liegt? Jemanden, der im „Dazwischen“ um sein Leben kämpft? Der sich selbst nicht mehr versteht?

Die drei Leben sind auf vielfältige Weise verknüpft. Henri liegt „nur“ im Koma und macht mich traurig. Er ist ein liebenswerter Mensch, obwohl Opfer seiner Entscheidungen, Leidenschaften und den Dingen, die er „Dazwischen“ nicht getan hat. Was ich meine mit „Dazwischen“? Es gibt irgendetwas, da bleibt der Mensch oft hängen. Egal ob nun im Koma oder im Leben. Wir kommen manchmal an Stellen, da bleiben wir stecken. Drücken die Stopptaste oder laufen einfach weiter ohne ein Ziel, ohne das wir glücklich sind. Um solche Stellen dreht sich das Buch. Und um die Frage: Was tun wir dann? Sind wir gewillt den Schmerz, der uns vielleicht widerfahren ist, zu bekämpfen? Können wir uns dann fragen, wie verkrafte ich den Verlust? Wie kann ich weiterleben? Letzteres ist keine egoistische Frage, es ist die Frage, die alles verbindet. Denn jedes „Dazwischen“, jede Grauzone, die wir im Leben durchschreiten, wird von anderen Menschen umgeben, mitgegangen oder wenigstens gefühlt.

Der Leser muss sich in das Buch fallen lassen, alles ausblenden, jeden Satz einsaugen – denn jeder Satz ist es wert. Man kann spüren, wie schwer es Nina George gefallen ist, manche Seite zu füllen und manch richtiges Wort zu finden. Aber der Weg hat sich gelohnt, denn das Buch ist ein Trost, der greifbar ist. Eine Hilfe für Traurige und ein Buch voller schöner Sätze, die nur darauf warten, gelesen zu werden.

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