Ein Sommer ohne uns

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Ein Sommer ohne uns

Sabine Both

Loewe, 2016

978-3785582220

12,95 €

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Eine große Liebe. Und eine Auszeit von der Treue. Eine offene Beziehung. Für drei Monate. Zwischen Abi und Studium. Sich ausprobieren. Mit anderen. Danach ist alles wieder wie zuvor und Tom und Verena weiterhin ein Paar. Denn sie lieben sich und wollen für immer zusammen bleiben. Doch ist das wirklich so einfach, wie sie es sich vorstellen? Verena und Tom kennen sich von klein auf, sind ein Paar, seit sie dreizehn sind. Sie gehören einfach zusammen und das soll für immer so bleiben. Aber ein Gedanke lässt Verena – mitten im Abistress und voller Vorfreude auf das anstehende Studium – nicht mehr los: Sie hat noch nie einen anderen Jungen geküsst, geschweige denn Sex mit einem anderen gehabt. Doch sie liebt Tom und sich von ihm zu trennen oder ihn zu betrügen, kommt nicht infrage. Als sie schließlich mit Tom darüber spricht, treffen die beiden eine Vereinbarung: eine offene Beziehung, drei Monate Austobzeit nach dem Abi. Danach ist alles wieder wie vorher und die zwei wieder ein Paar. Zunächst genießen die beiden es, sich auszuprobieren. Doch sie haben nicht mit den Gefühlen gerechnet, die das Arrangement mit sich bringt: Zweifel tun sich auf. Ängste. Werden sie rechtzeitig einen Ausweg finden?

Kann ein Mensch die große Liebe schon mit 16 treffen? Oder ist es erst „richtig“ mit 20, 30 oder 40? Und was bedeutet es eigentlich „die“ große Liebe zu treffen und mit ihr zu leben? Gibt es da ein „mehr“, welches man verpasst? 

Tom und Verena sind in „Ein Sommer ohne uns“ ein Vorzeigepärchen. Er schenkt ihr früh ein Kleid. Aus pubertierenden Kinder, werden knutschende junge Menschen. Die Familien mögen sich. Die beiden beenden gegenseitig ihre Sätze. Rufen sich jeden Tag an, sehen sich jeden Tag und dann ist da plötzlich etwas anders.

Freunde und Freundinnen haben öfter Sex, sie wechseln den Partner, haben Spaß. In dieser Zeit sitzen Tom und Verena beieinander. Oder sie stellen fest, der eine tanzt gerne, der andere nicht. Eigentlich stört es nicht, aber schön wäre es, wenn Tom mittanzt. Es sind Kleinigkeiten, die beiden plötzlich auffallen und die jetzt stören. Es gibt Träume, die Verena nicht mehr zur Seite schieben kann und dann ist es wie immer: beide denken gleich und vereinbaren die Auszeit. 

Auszeit? Ein Wort, über das viele Pärchen nachgedacht haben. Aber gibt es nach dieser Auszeit ein „Danach“? Geht in dieser Zeit nicht etwas verloren oder etwas gar kaputt? Die Darstellung der Zeit vor der Beziehung und in der Beziehung gelingt Sabine Both sehr gut. Am Anfang ist es süß, wie die Familien die beiden Jugendlichen aufziehen und ihr Glück schön finden. Es gibt in der Idylle keinen Ärger. Gerade weil es keinen Ärger gibt, ärgere ich mich später über das Buch. 

Die Beziehung erhält einen Bruch. Dieser verläuft aber nicht nur zwischen Tom und Verena sondern auch zwischen den Eltern, der Heimat und den Freunden. Es beginnt anstrengend zu werden, denn die Handlung verlagert sich auf die Eltern, die Probleme haben, auf Freunde, die eine Beziehung beginnen und jemanden, der die Freunde gegeneinander ausspielt. Wo sind Tom und Verena geblieben? 

Gar nicht zur Geschichte passen, will auch der plötzliche steigende Alkoholverbrauch und die übermäßige Prahlerei mit Sexgeschichten. Ja, es gehört zum Leben dazu. Aber wo vorher noch ein normaler Umgang herrschte, wird jetzt oft geknutscht, oft geschlafen und oft fremdgegangen. Ich finde es in Ordnung über so etwa zu schreiben, aber der erste Teil der Geschichte passt nicht zum Zweiten. 

Außerdem stört mich, dass das Buch für eine Zielgruppe zu sein scheint, die die Protagonisten selbst nicht widerspiegeln. Während das Buch für 13-Jährige sein soll, sind Tom und seine Freunde im Alter von Abiturienten, dürfen Autofahren, in Discos gehen und trinken. Die Darstellung passt auch hier für mich nicht. 

Sabine Both schafft es allerdings ein gut strukturiertes Buch zu schreiben. Ihre Sätze sind klar und verständlich und spiegeln vor allem die Denkweise von Verena wider. Ich habe immer gespürt, dass aus den Sätzen mehr Verena herauszulesen ist, als das ich Tom in ihnen wiedergefunden hätte. 

Aufgrund der vielen Kleinigkeiten, die mich doch gestört haben, kann ich leider nur drei Bücherpunkte vergeben. 

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