Rattenkinder

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Eine junge Mutter wird grausam zugerichtet auf einer Parkbank gefunden, neben sich ihr quicklebendiges Baby – und ein Rattenschädel. Das ist nicht der einzige geheimnisvolle Hinweis, den Chefinspektor Tony Braun erhält: Ausgerechnet Viktor Maly, ein Insasse der Psychiatrie, scheint mehr über den Fall zu wissen. Doch er hat seit über einem Jahr keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Wurde die Frau Opfer eines lange geplanten Komplotts? Da geschieht eine weitere Bluttat. Und es gibt nur einen Zeugen: Viktor Maly …

Thriller und Krimis – das waren früher meine Leidenschaften. Manchmal entwickelt man sich weiter, manchmal hat man das Gefühl, alles schon gelesen zu haben. Nach langer Zeit sollte es also wieder ein Thriller sein. Sofort hatte B.C Schiller einen schlechten Eindruck bei mir hinterlassen. Ja, ich bin immer noch ein Selfpublishing – Gegner. Und das nicht, weil Verlage alles richtig machen und ihre Gewinne gerecht verteilen, sondern weil sie gute Arbeit leisten. Klar, mal finde ich einen Fehler hier, mal einen da – aber meist ist der Fehlersatz bei selbst verlegten Büchern höher. „Rattenkinder“ ist nicht das erste Buch vom Autorentrio, aber das erste in Taschenbuchform, das bei einem Verlag erschienen ist. 

Leider schlug ich das Buch auf, begann zu lesen und erlas mir auf Seite 10 den ersten Fehler. Nichts verstecktes, kein Komma, kein vergessener Buchstabe, sondern etwas sehr auffälliges. Ärgerlich? Auf jeden Fall. Ihr meint, ich reite jetzt darauf herum und lasse alles andere außer Acht? Nein, der Rest folgt jetzt. 

Viktor Maly ist eine eher schattenhafte Figur. Sie hat viele Geheimnisse, kann einiges und erinnert sich angeblich an nichts. Sie ist – wie viele Figuren vor ihm – der Dreh- und Angelpunkt. Alles führt immer wieder zu Viktor Maly, dem unsympathischen Mann, dem alles nicht so wichtig erscheint. Maly ist typisch, aber stimmig aufgebaut. Schlimmer konstruiert ist die Gegenseite: Tony Braun. 

Er ist eine gescheiterte Existenz. Er hat einen Sohn, der nicht mit ihm redet. Er hasst Regeln und hält nichts von Dienstvorschriften. Er hat keine Waschmaschine und trägt jeden Tag die gleichen Klamotten. Er muss immer alles wissen – schert sich aber recht wenig, um die Gefühle der anderen. Für ihn ist alles glasklar oder die Welt ist gegen ihn. Gestört hat mich vor allem, sein Hass gegenüber Regeln. Er scheint Gott zu sein, benimmt sich so und auch wenn er oft Recht hat, kann er in meiner Welt nicht immer machen, was er für richtig hält. Ziemlich schnell geht er mir auf den Senkel. In solchen Momenten frage ich mich, wie ein Autor einen Charakter erfinden kann, der keine Liebenswürdigkeit am Leib hat. Wenigstens einen Schwachpunkt, an dem sich der Leser festhalten kann. Ein Lichtblick, bei dem ich denke: „Ja, Tony irgendwo in dir drin, ist da etwas.“

Zu meinem großen Entsetzen geht es in eine „Zigeuner“Hochburg, in der Korruption, Gewalt und Tod drei Komponenten sind, die jeden Tag Menschenleben kosten. Und da ist es: das sensible Thema, welches ich schlecht lesen kann, da ich so viel darüber las. In Kinderbücher ist die Darstellung eine leichtere, aber in diesem Thriller wird nur mit Klischees gearbeitet, die die Geschichte am Laufen halten müssen. Dabei verliert der Leser die völlig neutrale Einsicht, in ein Leben, dass schlimm ist und sich doch ändern kann. Der gesamte Thriller basiert auf einem Konzept, welches nachvollziehbar ist, aber sehr stümperhaft erklärt wird und auf Kosten gewisser Menschen so weit getrieben wird, dass es nicht mehr glaubhaft erscheint. 

Ich muss zugeben, dass ich mich wirklich sehr geärgert habe. Zudem ist es manch komischer, lapidaren Satz, der mein Lesevergnügen nicht gesteigert hat. Außerdem verhält Braun sich zu manchen Ausländern anders, als zu anderen – unmöglich und es vertieft nur weiter das Klischee des Menschenhassers ohne Waschmaschine. 

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