Das Atelier der Wunder

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Das Atelier der Wunder 

Valérie Tong Cuong

Piper, 2015

978-3492306065 

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In Monsieur Jeans »Atelier der Wunder« treffen sie aufeinander: die Lehrerin Mariette, der ehemalige Soldat Mike und die junge Millie, die alle am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens angekommen sind. Wie gut, dass Monsieur Jean nicht nur Uhren, sondern auch zerbrochene Seelen repariert. Und gemeinsam kommen sie auch dem Geheimnis von Monsieur Jean auf die Spur …

Menschen stehen oft an Wendepunkten in ihrem Leben. Manchmal müssen sie sich nur entscheiden, ob der gewählte Beruf der richtig ist oder sie müssen entscheiden, ob sie bei ihrem Partner bleiben. Entscheidungen im Leben gibt es viele. Das Schicksal schlägt sehr oft zu und schneller als man denkt, ist man ganz unten angekommen. Mariette, Mike und Millie – allen geht es schlecht. Jeder von ihnen hat ein Problem, das sich nicht einfach lösen lässt. 

Mariette ist ihr Leben lang Lehrerin. Am Anfang lagen ihr die Kinder am Herzen, doch jetzt merkt sie, dass sie viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen hat. Als sie den Terror in der Schule nicht mehr aushält und zum letzten Mittel greift, ist es noch nicht einmal ihr Mann, der trotzdem zu ihr hält. Mike ist ein Ex-Soldat und hat sich lange genug von anderen Menschen etwas sagen lassen. Auch er merkte an einem Punkt in seinem Leben, dass es so nicht weitergehen kann und er für keine Sache kämpft, die er nicht vertreten kann. Millie, die jüngste im Bunde, hat dagegen fast ein Luxusproblem. Ihr Selbstwertgefühl ist im Keller, sie scheint ein unscheinbares Mädchen zu sein. 

Es hört sich fast gemein an, wenn ich sage: Millies Problem ist Luxus. Dabei ist es auch das Problem, was ich am wenigstens verstehen kann.  Sie ist auch diejenige, die ich im gesamten Verlauf der Geschichte nicht mögen werde. Nicht nur, dass sie lügt bis alle ihr glauben, nein sie ist auch sehr egozentrisch. Letzteres wirkt eigenartig, da sie eigentlich kein Selbstbewusstsein besitzt und eine graue Maus ist. Mariette verkörpert etwas, dass oft in den Medien war. Lehrer, die mit ihrem Beruf nicht mehr zurechtkommen. Oft gab es schon die Diskussion, ob Lehrer sich überhaupt noch genug einbringen. Diese finde ich völlig überflüssig, denn am anderen Ende sitzen die Eltern, die genauso gefordert sind. In Mariettes Geschichte geht es nicht nur um sie und ihre Entscheidungen sondern auch um das Leben in der Schule und das Kinder, manchmal kleine Monster sein können 😉 

Mike, der Mann in der Runde, hat es recht schwer. Seine Figur greift das Thema Soldatenleben sehr gut auf. Dabei ist es voller Klischees. Der betrunkene Ex-Soldat wird aufgegriffen und auch das Bild eines Deserteurs wird nicht vermieden. Es ist schade, dass Mike der „Vorzeige-Deserteure“ ist und keine weiteren Facetten als Mensch zeigen darf. 

Die Erzählweise ist gut gewählt, denn jede Figur bekommt eigene Abschnitte, sodass die Geschichte zwischen ihnen hin und her springt. Der Leser bekommt einen guten Einblick und merkt auch, wie die Einzelgeschichten miteinander verknüpft sind. Allen voran geht es dabei auch um Monsieur Jean, der den Menschen helfen will. 

Gar nicht gefallen hat mir das Ende. Es ist zwar überraschend, bringt aber Wendungen, die keinen Sinn ergeben. Wenn sich ein Charakter um 180 Grad wendet und plötzlich etwas anderes verkörpert, will ich dieser Veränderung erklärt bekommen. Ich will fühlen, warum sich ein Mensch so verändern kann. Valérie Tong Cuong schafft es nicht, diese Veränderung wahrheitsgetreu ablaufen zu lassen. Der Roman wirkt nicht abgeschlossen, eher schnell beendet und darum vergebe ich nur: 

Bildschirmfoto 2015-05-25 um 14.26.00

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Ein Kommentar

  1. Habe ihr Buch „Der Tag, als wir die Erde drehten“ gelesen und fand es grandios, aber auch hier war die Schwachstelle das Ende, allerdings wusste ich bis gerade eben nicht, dass „Das Atelier der Wunder“ auch eine Taschenbuchausgabe hat. Werde es mir wohl trotzdem kaufen, aber danke für deine tolle Rezension, die mich auf eine kleine Enttäuschung vorbereiten wird 😉

    Alles Liebe
    Yvonne

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