[Er&Sie im Kino] Der Film „The Revenant – Der Rückkehrer“

Selten schreibe ich etwas über Kinofilme. Ins Kino zu gehen, ist mitunter eine Gratwanderung. Gebe ich das Geld für einen guten oder schlechten Film aus? Ärgere ich mich danach, dass ich dieses Film extra im Kino gesehen habe?

André und ich denken oft so und dann lassen wir es lieber bleiben. Gestern jedoch haben wir uns aufgerafft und waren endlich mal wieder in einer Vorstellung. Das hatte auch einen Grund: Die Oscars. Ich liebe die Preisverleihung, das Warten auf die Nominiertenliste und das Mitfiebern im Februar. Natürlich bin ich nicht immer einverstanden mit den Nominierten oder später mit den Gewinner. Eddie Redmayne gewann letztes Jahr. Einer der Kontrahenten war Benedict Cumberbatch – wer sollte also meiner Ansicht nach gewinnen? Genau Benedict. Hat er aber nicht und ich war nicht zufrieden. Erst Monate später habe ich dann „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ gesehen und war hin und weg. So wie Redmayne spielte, hatte er den Oscar verdient. Chapeau!

Jetzt wollte ich diesen Fehler nicht wieder machen. Leonardo DiCaprio ist nominiert, ich schon immer ein DiCaprio Fan. Gestern habe ich den Film gesehen und ich bin begeistert.

Worum es geht: 

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(ⒸFox 2016)

Bei einer Expedition tief in der amerikanischen Wildnis wird der legendäre Jäger und Abenteurer Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) von einem Bären attackiert und von seinen Jagdbegleitern, die überzeugt sind, dass er dem Tod geweiht ist, zurückgelassen. In seinem Überlebenskampf erleidet Glass nicht nur unerträgliche Qualen, er muss auch erleben, dass sein vermeintlicher Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) ihn verrät, beraubt und im Stich lässt.

Angetrieben von der Liebe zu seiner Familie und einem schier übermenschlichen Willen zu überleben, um diesen Verrat zu rächen, kämpft Glass sich durch einen unerbittlichen Winter und eine feindliche Wildnis zurück ins Leben.

 


 

Hört sich erst einmal nicht spektakulär an. Ein Mann, der aus Liebe Rache üben will. Allein in der Wildnis. Als ich im Kino saß, wusste ich immer noch nicht, was mich erwarten würde. Dann hörte ich Atmen, die leise, erhabene Musik, sah Bilder einer Landschaft, die gegen den Mensch gewinnen kann und war verzaubert.

Alejandro González Iñárritu erschafft einen großartigen Film. Es fängt schon damit an, dass in dem Film sehr wenig geredet wird. Er lässt Blicke sprechen und Taten folgen. Menschen sprechen in der Sprache, in der sie beheimatet sind. Vieles funktioniert über Untertitel, wenn die Franzosen mit den Indianern, zum Beispiel den Cree, sprechen.

Leonardo DiCaprio redet selbst nicht viel. Spricht in seiner Rolle als Jäger wenig. Er ist auch kein Mann der Gefühle, kämpft aber später bis aufs Blut für seinen Sohn. Die Verbundenheit der beiden hat einen rauen Ton an sich, der erst sehr spät als Liebe verstanden werden kann.

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(ⒸFox 2016)

Immer wenn in dem Film viel passiert, sei es ein Kampf oder der Angriff des Bären, wird die Handlung langsamer gemacht. Iñárritu streut Bilder der Landschaft ein, lässt den Zuschauer über das Geschehen nachdenken und die unbeschreibliche Natur auf ihn wirken. Man kommt sich im Kino klein und unscheinbar vor, wenn man weiß, dass ein Mann schwer verwundet im Wald liegt und trotzdem versucht zu kämpfen. Es gibt ein Bild, dass sich eingebrannt hat: eine Aufnahme von Baumwipfeln vom Boden aus. Darüber ziehen schnell Wolken, ein blauer Himmel. Und trotzdem ahnt man, dass die Natur unberechenbar ist und der Jäger in der Hand Gottes liegt.

Die Sichtweise auf die Indianer und ihre Unterdrückung ist keine, die mit erhobenem Zeigefinger ausgeführt wird. Es gibt Verweise auf entführte Indianer und viele werden getötet, aber genauso wird auch auf den Krieg zwischen den Stämmen hingewiesen. Dadurch entsteht ein sehr komplexes Bild von Schuld und Sühne.

Die ungeheuerlichen Dinge, die Di Caprio und der Rest der Besetzung, tun mussten, um den Film zu spielen, sind großartig. Egal, ob sie reiten, von Pfeilen getroffen werden oder etwas verspeisen müssen, ich nehme es jedem einzelnen Schauspieler ab und sehe es in ihren Augen. Ich sage es, weil ich in anderen Filmen festgestellt habe, dass Schauspieler, die ich sehr mag, mich oftmals nicht mehr berühren mit ihrem Schauspiel. Ich nehme ihnen Gefühle und Taten oft nicht mehr ab und frage mich, wie sie einen Oscar oder ähnliches gewinnen konnten. Auch hier ist es nicht wichtig, ob die Männer und Frauen die Kälte mit oder ohne Neoprenanzug ertragen haben oder ob sie rohen Fisch gegessen haben – ich habe ihnen geglaubt und war dabei.

Wenn ich könnte, würde ich Iñárritu nach 2015 wieder den Oscar verleihen. Wenn ich könnte, würde ich Tom Hardy nominieren, weil er ein authentischer Gegenspieler ist. Er hat mich mit seiner Arbeit genau so berührt wie DiCaprio.

Ich werde heute Abend wahrscheinlich „The Danish Girl“ sehen. Eddie Redmayne in seiner nächsten Rolle, die nominiert ist. Vielleicht ist er wieder gut oder brillant. Dann reißt es leider ab. Ich kann „Der Marsianer“ nicht mehr sehen – und ich will es auch nicht. Meistens boykottiere ich Matt Damon, mit ihm kann ich nichts anfangen. „Trumbo“ kann ich nicht sehen (Kinostart: 10.3.2016), die Leistung von Bryan Cranston demnach nicht beurteilen und auch Michael Fassbender als „Steve Jobs“ habe ich nicht gesehen. Immerhin habe ich zwei Hauptdarsteller und ihre Arbeit dann kennengelernt.

Wer mehr erfahren möchte über die Geschichte des „Revenant“, der kann auch zum Buch greifen. Vergleicht bitte nicht den Film mit dem Buch und andersherum. Wie wir wissen, ist ein Film nicht immer wie die Vorlage.

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Der Rückkehrer

Michael Punke

Piper, 2016

978-3492305655

Amazon

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3 Kommentare

  1. Ich habe den Film auch gesehen. Teilweise war ich begeistert, schockiert und angeekelt. Eine Achterbahn der Gefühle. Ich hoffe Leo bekommt den Oscar. Er hätte es wirklich verdient! Toll geschauspielert!

  2. […] habe die Hollywoodverfilmung gesehen. Wer wissen möchte, was ich davon hielt, kann es nachlesen: Revenant, der Film. Ich war begeistert von der Bildgewaltigkeit des Films, davon dass die Schauspieler einen sehr […]

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