Trügerische Nähe

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Trügerische Nähe

Susanne Kliem

Carl’s Books, 2015

978-3570585504

14, 99 €

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In einem Dorf vor den Toren Berlins erfüllen sich zwei Paare Mitte vierzig ihren Traum: Sie ziehen auf einen stilvoll renovierten Hof und freuen sich auf ein beschauliches, naturnahes Landleben. Die beiden Männer kennen sich aus Studienzeiten, auch ihre Partnerinnen Marlis und Nora verstehen sich gut. Als ganz unerwartet Livia, Marlis’ attraktive Tochter aus erster Ehe, auftaucht, setzt sie eine gefährliche Dynamik in Gang. Die junge Frau wirkt verzweifelt, scheint in etwas verstrickt, über das sie nicht sprechen möchte. Alle sorgen sich um sie. Doch Livia verfolgt ihre ganz eigenen abgründigen Interessen und spielt die Bewohner gnadenlos gegeneinander aus. In kürzester Zeit verwandelt sich der idyllische Hof in einen beklemmenden Ort: Eifersucht, Neid und Verdächtigungen vergiften alle Beziehungen und enden in erbitterter Feindschaft. Dann wird auf einer Waldlichtung eine Leiche gefunden. Und allen ist klar, dass der Täter nur einer von ihnen sein kann …

DieProtagonisten

Im Mittelpunkt des Krimis stehen Nora und Alexander, sowie Marlis und Johannes. Beide Pärchen haben mit Problemen zu kämpfen, lieben und hassen sich und wollten nur eins: heraus aus der Stadt. Aber ein plötzliches Landleben heilt nicht alle Wunde und so ist es nicht verwunderlich, dass es schnell zu Reibereien kommt. 

Nora ist dabei in ihrer Rolle als „Kranke“, die ärmste Person. Sie kämpft mit ihrer Krankheit, hat überspannte Nerven und sieht manchmal Dinge, von denen ich nicht weiß, ob sie tatsächlich passieren. Ihr Mann Alexander ist mir völlig unsympathisch. Er unterstützt seine Frau nicht, ist dauernd in der Stadt und hat nur Augen für jüngere Mädchen. 

In der anderen Beziehung sieht es nicht besser aus. Unterdrückte Wünsche und ein Mann, der sich oft mit anderen Männer vergleicht und nie zufrieden ist. Marlis hat ein Händchen für Haus und Hof, aber leider nicht für sich. Manchmal tat sie mir unendlich leid, da sie sich alles so zu Herzen genommen hat und niemand ihr helfen wollte. 

Jedes Paar hat ein Kind. Marlis ihre Tochter Livia und Nora ihren Sohn Lukas. Beide spielen eine sehr große Rolle, vor allem nachdem Livia plötzlich auf dem Land auftaucht und niemand weiß warum.

Die Personenkonstellation ist recht ausgewogen. Alle bekommen Zeit sich zu entfalten und werden dem Leser recht schnell, sehr nah gebracht. Einzig Lukas steckt für mich am Anfang sehr zurück, um dann am Ende mehr Zeit zu bekommen. Die Erwartungen meinerseits an ihn werden leider nicht erfüllt, da er sich nicht richtig entwickeln kann.

Kulisse

Die Kulisse ist das idyllische Land. Irgendwo, wo Kühe noch auf der Weide stehen, alte Bauernhäuser viel Geld wert sind und jeder jeden kennt. Es werden einige Klischees bedient. So hat jedes Dorf einen Griesgram, dem viel angehängt werden kann und die neu zugezogenen werden beäugt, als kämen sie von einem anderen Stern. Auch in diesem Dorf scheint die Zeit still zu stehen und sich nichts zu entwickeln. 

Handlung

Vier Menschen, die sich einen Traum erfüllen: Endlich auf dem Land leben. Fotos machen, spazieren gehen, die Seele baumeln lassen und grillen, sooft es möglich ist. Nora sucht die Ruhe, um gesund zu werden, Alexander meint, seine Ehe retten zu können. Marlis und Johannes wollen füreinander da sein und ein toller Garten muss gezaubert werden. Alles scheint einfach bis Livia auf den Hof kommt. Sie ist ein Rätsel, erzählt wenig und wenn, dann nur etwas mit Berechnung. Schnell wird dem Leser klar: das kann nicht gut gehen! 

Bis die Figuren selbst dahinter kommen oder nur ansatzweise etwas ahnen, will der Leser schon längst in dieses Dorf fahren und sie warnen. Livia ist brillant gezeichnet. Sie verfügt über eine spitze Zunge, aber ist manchmal auch verletzlich. Immer wenn ihr jemand fast auf die Schliche kommt oder klar ist, dass sie gar nichts damit zu tun hat, benimmt sie sich daneben. Oft dachte ich, dass ich mit so einer Person nicht befreundet sein möchte. Mitunter ist es so, dass mir Johannes oder auch Alexander sehr leid tun und das, obwohl Alex ein richtiges Schwein sein kann. 

So lieb, wie zum Beispiel Marlis ist, so ein Schwein ist Alexander. Es ist interessant zu lesen, wie Susanne Kliem es schafft, jeder Figur enorm viel Leben einzuhauchen. Dabei wirkt keine Figur gestellt oder hölzern. Zudem vermischen sich die Eigenarten kaum, sondern wirken eher nur aufeinander ein, bilden eine Symbiose und potenzieren das Drama. 

Erzählerisch ist dieser Krimi, dieses Drama, ein Psychogramm, das gelesen werden sollte. Kleine Mängel in der Figurenausbildung von Lukas oder eine „durchsichtige“ Szenen, seien der „Trügerischen Nähe“ verziehen. Die verständnisvollen Szenen rühren auch daher, dass der Leser nah und direkt am Geschehen beteiligt ist. 

 

Diegestaltung

Ehrlich gesagt spricht mich das Cover nicht an. Im Buchladen hätte ich es links liegen lassen, da ich es weder besonders düster, noch besonders spektakulär finde. Wie gut, dass es um den Inhalt geht und nicht um das Äußere. 

Zur Gestaltung ist noch zu sagen, dass Susanne Kliem ihren Figuren einzelne Kapitel zu gesteht. Das Geschehen wird somit von allen Seiten beleuchtet. Was denkt Johannes über seine Stieftochter? Was macht Marlis in der Sauna? Und was denkt Nora, wenn sie die SMS von Alexander liest? Oftmals gibt es Momente, die wir hintereinander erleben, die aber miteinander zu tun haben, in dem sich die Gedanken und Taten der Figuren kreuzen. 

DieBewertung

Susanne Kliem kann bedrückende Momente schaffen, in denen mir die Haare zu Berge stehen und ich Gänsehaut bekomme. Ein kleiner Mangel besteht manchmal darin, dass ich wusste, wie eine Figur reagieren würde, aber dies kann vielleicht auch auf den Mikrokosmos zurück geführt werden, in dem wir uns schließlich befinden. 

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