Zwanzig Zeilen Liebe

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Zwanzig Zeilen Liebe

Rowan Coleman

Piper, 2015

978-3492060172

14,99 €

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Sorg dafür, dass dein Vater sich wieder verliebt. Iss jeden Tag Gemüse. Trau keinem Mann mit übermäßigem Bartwuchs. Tanz auf meiner Beerdigung zu Dean Martin. Nacht für Nacht bringt Stella diese und andere Zeilen zu Papier. Doch es sind nicht ihre eigenen Gedanken und Wünsche. Die Hospizschwester schreibt Abschiedsbriefe im Auftrag ihrer schwer kranken Patienten und überreicht deren Nachrichten, nachdem sie verstorben sind. Bis sie einen Brief verfasst, bei dem sie keine Zeit verlieren darf. Denn manchmal lohnt es sich zu kämpfen: Für die Liebe. Für das Glück. Für den einen Moment im Leben, in dem die Sterne am Himmel ein wenig heller leuchten …

DieProtagonisten

Stella ist eine Frau, die es gerade nicht leicht hat. Sie arbeitet nachts, damit sie nicht Zuhause ist. Sie hat Probleme mit ihrem Mann.  Ihre Arbeit fängt sie auf, kann sie oft aber nicht trösten. Oft verliert Stella Patienten im Hospiz und erfüllt ihnen den letzten Wunsch: einen Brief. Mit viel Hingabe schreibt sie die Briefe – sollte man meinen. Die Briefe selbst sind voller Liebe, Gefühl und Verlangen nach einem Leben, das nun zu Ende geht. Leider drückt Stella selbst diese Liebe nicht aus. Sie bleibt seltsam kühl und gefasst. Diese Kälte hat es für mich schwierig gemacht, dem Buch die erste Hälfte lang zu folgen. 

Andere Figuren hingegen sprühten vor Leben. Hope ist im Hospiz die Jüngste, bekommt jeden Tag Besuch von ihrem besten Kumpel. Die beiden sind einfach richtig toll und verrückt. Auf diese Kapitel habe ich mich richtig gefreut. 

Natürlich gibt es auch Personen, die sehr traurig sind, Schmerzen haben und die Welt verlassen müssen. Trotzdem hat die Autorin sich Zeit genommen, ihnen Ecken und Kanten zu geben. Sie haben alle eine mehr oder weniger lange Geschichte, die nebenbei erzählt wird. Es sind Schlaglichter für den Leser, die er nicht vergisst. 

Kulisse

Ein Hospiz ist keine Endstation. Stella sieht es als Übergang, aber auch Heimat und räumt alldem eine große Portion Hoffnung ein. Nicht alle Menschen sterben in einem Hospiz und nicht immer kann Stella ihre Tränen zurückhalten. Trotzdem liebt sie ihre Arbeit. Der Leser merkt dies durch die Beschreibung der Patienten und Mitarbeiter und durch die vielen warmen Worte, die Stella für sie findet. 

In den Briefen gibt es viele verschiedene Kulissen, da die „Schreiber“ sehr verschieden sind. Es wird auf ein Kennenlernen hingewiesen, auf die Benutzung der Waschmaschine oder einfach auf einen Weg ins Glück. 

Handlung

Wer bekommt deinen letzten Brief? Was würde dort drin stehen? Stella stellt sich selbst diese Frage nicht. Sie opfert sich auf – Tag für Tag und Nacht für Nacht. Nur ihre eigenen Probleme will sie nicht sehen, nicht fühlen und nicht bekämpfen. 

Jede Nacht schreibt sie Briefe für Menschen, die wissen, dass es zu Ende geht. Eine Frau erklärt ihrem Mann noch kurz die Waschmaschine. Eine Tochter sagt: Lebe Mama und lache. Und hinter all diesen Briefen baut sich etwas auf, was Stella selbst nicht wahrhaben will. 

Der Leser wird gefangen genommen von Stellas Nachtschicht. Er sieht Menschen kommen und Menschen gehen. Er liest Briefe und denkt über sie nach. Was würde ich schreiben? Würde ich schreiben? Gibt es noch so viel Zeit etwas zu klären? Die Briefe selbst sind eine wunderschöne Idee. Sie alle drücken etwas aus: die letzte Entschuldigung, Scham wird genommen, Liebe gebeichtet oder Menschen freigelassen. Das alle tut weh und ist voller Gefühl. 

Es ist schade, dass Stella sehr kalt ist und die Gefühle selbst nicht zu spüren scheint. Arbeit, Arbeit schallt es mir immer entgegen wenn ich an sie denke. Meine Meinung kippt erst an einer ganz bestimmten Stelle im Buch. Erst ab da spüre ich, dass Stella lebt und liebt, verzeiht und hofft. Es ist gar nicht so einfach eine Verbindung mit ihr aufzubauen. 

Andere Figuren machten es mir einfacher. Sie hatten strahlende Augen, Angst vor Veränderungen und Angst vor dem Leben. Sie waren greifbarer als Stella, um die, die Geschichte „drumherum“ konzipiert wurde. 

Zudem ist es am Anfang schwierig, dem Konzept zu folgen, da die Perspektive oft wechselt. Wer war das noch mal? Warum ist sie noch mal im Hospiz? Ach nein, Stella ist ja die Krankenschwester. Solche verwirrten Fragen stellte ich mir selber. Nach ein paar Seiten hatte ich mich daran gewöhnt, aber ein komisches Gefühl blieb. 

 

Diegestaltung

Das Cover gefällt mir gut, aber im Moment liebe ich die Farbe „Türkis“ auch sehr. Der Umschlag und der Poststempel passen sehr gut zum Inhalt. 

Im Innern wird am Anfang eines Kapitels ein Brief abgedruckt, der mit einer Anrede versehen ist. Der Leser kommt dadurch nicht durcheinander und verwechselt nicht Stellas Kapitel mit den Briefen oder umgekehrt. 

DieBewertung

Rowan Coleman konnte mich mit ihrem ersten Roman restlos begeistern. Diese Geschichte allerdings überzeugt nicht ganz. An manchen stellen fehlt mir der Zugang zu Stella, die selbst kaum über ihre Gefühle spricht. 

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