Kascha Nord-Nordost

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Kascha Nord-Nordost

Anne C. Voorhoeve

Ravensburger, 2015

978-3473401246

16,99€

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Kascha kann ihre Probleme kaum an einer Hand abzählen. Fast jeder im Dorf lehnt ihre Sinti-Familie ab, ihre Schwester will durchbrennen, ihr Großvater wird nicht mehr lange leben und ein Mord ist nach vielen Jahren noch immer ungeklärt. In Kaschas Kopf spukt es manchmal, als könne sie in die Zukunft sehen, aber zu nutzen scheint ihr das nichts. Doch dann kommt der Schnee und wirbelt alles durcheinander. Eine Katastrophe bricht über Norddeutschland herein und schneidet die Menschen von der Außenwelt ab. In diesen rauen Tagen bleibt nichts, wie es war, und Kascha erlebt ein wahres Wunder.

DieProtagonisten

Kascha lebt mit ihrer großen Familie in Groß-Mooren. Sie hat drei Brüder, eine große Schwester, einen Großvater und einen Hund. Natürlich hat sie auch Eltern 😉 Sie ist ein sehr selbstbewusstes Mädchen, das ihre Handlungen oftmals überdenkt und Reflexionen über ihr Leben anstellt. Dabei bleibt sie dennoch immer ein elfjähriges Mädchen und wirkt nicht altklug.

Ihr Puro, Großvater, ist ein weiser Mann, dem Kascha oft Fragen stellt. Meist weiß er eine Antwort und die ganze Familie kümmert sich um ihn.

Am Anfang lernt der Leser sehr schnell Zippi kennen. Sie ist die große Schwester und hat ein Geheimnis. Sie versteckt es sehr schlecht und die beiden Schwestern geraten gleich zu Anfang in eine brenzlige Lage.  

Die anderen Dorfbewohner fallen durch ihre Vorurteile auf, die sie gegenüber anderen Menschen haben. Oft treten sie in Gruppen auf, um stärker zu wirken. Sie sind alle recht individuell gestaltet. 

Kulisse

Groß-Mooren ist ein Dorf, da kann alles passieren oder auch nicht. Es zeigt, dass eine Katastrophe wirklich jeden treffen kann und das auch Vorurteile im Kleinen zu finden sind.

Handlung

Lange habe ich die Rezension vor mir hergeschoben, da ich noch in der Masterarbeit drin steckte. In der analysiere ich auch dieses Buch mit dem Hinblick auf die Darstellung der Sinti und Roma. Ich war zu nah dran. Aber jetzt, wo die Flüchtlingsdebatte an allen Ecken und Enden hoch kocht, viele helfen und viele meckern – passt dieses Buch besser den je. 

Auch Kaschas Familie muss mit Anfeindungen, Vorurteilen und einfachem Kindermobbing leben. All das nur, weil sie anders sind. Sie sind Sinti und Roma, aber deswegen nicht anders. Menschen greifen an, wenn sie etwas nicht kennen. So wie jetzt und auch jetzt gibt es viele Vorurteile über Flüchtlinge, die weitverbreitet sind. 

Kascha denkt viel nach, arbeitet mit dem Wissen, das sie hat, um den Menschen zu begegnen. Aber auch ihre Familie macht nicht immer alles richtig, denn sie hat ein Familiengeheimnis, das schon etwas zurück liegt. Kascha kennt es nicht und der Leser darf mit ihr herausfinden, was es ist. Vor allem aber lernt der Leser etwas über ihre Sitten und Gebräuche, darüber, dass es normale Menschen sind wie wir. Jene, die bei einer Katastrophe zusammenrücken. 

Die Autorin hat sich die Schneekatastrophe ausgesucht, damit alles verschwindet. Der jungfräuliche Schnee verdeckt altes und schlechtes. Die Bewohner und die Familie können bei Null anfangen, sich annähern und einander verstehen. Letzteres funktioniert nicht immer und schon gar nicht ohne Probleme. 

Was am Ende dabei raus kommt, hat mich lange sprachlos gemacht, weil es zeigt, dass sich nicht immer alles verändert. Dass Menschen sehr lange brauchen, um Dinge über Bord zuwerfen – auf beiden Seiten. 

Und jetzt in dieser Zeit könnten es auch Flüchtlinge sein. Ich wünsche mir keine Schneekatastrophe damit wir einander helfen, sondern einfach ein bisschen mehr Verständnis und Ruhe für die, die gerade ihre Heimat verlassen mussten. 

 

Diegestaltung

Beim ersten Blick habe ich es gar nicht erkannt: das verschneite Autofenster. Hoch liegt der Schnee und alles wird verdeckt. Es passt sehr gut zum Inhalt. Der Klappentext allerdings hört sich etwas pathetisch an: Lasst Euch nicht abschrecken! Das Buch ist ganz und gar nicht so. 

DieBewertung

Bei diesem Thema bin ich gerade etwas empfindlich und deswegen finde ich es schade, dass Kascha manchmal, besonders im Bezug zum Zweiten Weltkrieg, etwas naiv wirkt. Es verstellt etwas den Blick für das Wesentliche. Trotzdem ist das Thema mit viel Hintergrundwissen interessant aufgebaut und es ist auf jeden Fall einen Blick wert. 

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