„Nolde und ich“ – Meine letzte Hausarbeit

Heute dreht sich alles noch einmal um mein Studium. Die letzte Hausarbeit ist angesagt und ich freue mich richtig. Das Buch habe ich mir selbst ausgesucht, es ist ein toller Stoff und es dreht sich um ein Thema, dass nicht viele kennen bzw. sich darüber Gedanken machen.

 

Mein Kurs heißt: (Post) Koloniale Erzählungen. Wir haben Bücher gelesen, in denen Menschen nach Afrika gehen, um dort Kolonien zu schützen, Hereros zu töten und deren Welt zu verändern. Es wurden Erklärungen zum Postkolonialismus geliefert und erklärt, warum die Literaturwissenschaft viel zu spät auf dieses Thema aufgesprungen ist. Ja, auch Goethe kann man in diesem Kontext lesen. Aber wer will denn im Studium zum x-ten Mal Goethe behandeln oder mit Fontane diskutieren? Ich nicht und deswegen ist mir Hans Christoph Buch wieder eingefallen.

Ich habe schon einmal ein Buch von ihm gelesen und dachte:“Gut schreiben kann er ja. Aber Haiti und ein lebender Tod?“ Ich war mehr skeptisch als abgeschreckt. Das Buch wurde dennoch nicht sehr gut von mir bewertet. Die Rezension findet Ihr hier: Baron Samstag oder das Leben nach dem Tod.

Als ich jetzt in dem Seminar saß, fiel mir wieder ein, der könnte etwas sein. Der Dozent sagte: „Das geht.“, und ich besorgte mir das Buch. Meine Wahl fiel auf „Nolde und Ich. Ein Südseetraum.“

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Inhalt:

Wir begleiten Emil Nolde auf seine inspirierende Reise in die Südsee, wir bestaunen das unternehmerische Geschick von Queen Emma und folgen den Spuren Hans Christian Buchs durch Städte und Landschaften. Neu-Guinea gesehen aus drei unterschiedlichen Perspektiven, die sich im Raume, aber nicht in der Zeit treffen. Drei Lebensgeschichten, die sich kreuzen und doch nicht zueinander finden. Queen Emma, die neben fabelhaftem Reichtum durch Plantagen und Ländereibesitz in der Südsee trotz ihrer Herkunft – halb Samoanerin, halb Amerikanerin – zum Mittelpunkt der Upper-Class-Südsee-Gesellschaft aufsteigt und ein aufregendes Leben mit vielen, unterschiedlichen Männern führt. Emil Nolde, der Maler, der neben seinem künstlerischen Stil auf Neu-Guinea seine große Liebe fand – und das war nicht seine Frau Ada – und seinen Antisemitismus überwand. Sein Blick auf das Land, die Menschen, die Farben: mit Interesse, aber nicht mit Teilnahme. Hans Christoph Buch, der Papua-Neuguinea, die Stadt Rabaul, das fremde Land entdeckt und dabei mit sezierendem Blick und einer großen Portion Sarkasmus die auf der Suche nach sich selbst-Reisenden beschreibt. »Ja, so etwa könnte es gewesen sein, aber nein, so war es nicht.« Hans Christoph Buch verbindet, das ist sein literarisches Stilprinzip, Fiktion und Wirklichkeit: Emil Nolde unternahm in den Jahren 1913-1914 eine Reise in die Südsee; Queen Emma (1850–1913), die Königin der Südsee, war in der Tat reich durch ihr unternehmerisches und weibliches Geschick. In klarer Sprache entsteht ein magischer Sog, der uns tief in die Geschichte eines sehr fremden Landes eintauchen lässt.

 

Mein Thema wird sich also darum drehen, wie die drei Personen die Kolonie bzw. die Postkolonie sehen, was sie denken und was sie fühlen. Zugleich ist es ein spannendes Treffen mit Emil Nolde. Vom Namen her war er mir bekannt, aber sein Leben? Er ist bekennender Antisemit gewesen, aber von Hitler als entartet gebrandmarkt. Er hatte Mitleid mit den Kolonisierten und verstand die Kolonialherren nicht. Wie passen solche Gedanken zusammen?

Und dazwischen steht Queen Emma, die ihren Reichtum mit der Kolonie und der Versklavung von Menschen anhäuft, die aber selbst halb aus Samoa stammt. Der erste Teil des Romans hat mir wirklich sehr gut gefallen. Gut recherchiert, begleitet der Leser Nolde und seine Frau Ada auf der Reiseroute und später in Neuguinea selbst. Aber immer wenn ich Buchs Reisenotizen lesen musste, hatte ich eine andere Geschichte in der Hand. Es fühlte sich quengelig an, nicht ausgereift und auch nur überflogen. Dabei wären die Unterschiede zu damals so interessant und wertvoll gewesen.

Queen Emma, im dritten Teil, macht es dann fast wieder besser. Obwohl der Leser nicht weiß, schreibt sie oder ein übergeordneter Erzähler? Am Ende drängelt sie sich vor und schreit: „Ich bin zwar schon lange tot, aber meine Geschichte überdauert die Zeit.“

 

Gelesen ist der Roman, jetzt muss nur noch die Sekundärliteratur her und eine Gliederung, damit ich anfangen kann. Ich bin gespannt, noch einmal 20 Seiten Hausarbeit, 8 Seiten einer Ausarbeitung und dann ist nichts mehr übrig außer einer Masterarbeit.

Und zum Abschluss ein Bild von dem Buch, was einst ganz jungfräulich war und jetzt so aussieht:

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