Wenn die Seen schweigen, kommt der stille Tod.

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Still

Zoran Drvenkar

Eder und Bach, 2014

978-3945386002

16,95 €

Amazon

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Wenn es kalt ist und es still wird, weißt du, dass etwas passiert ist.

Ein Vater sucht seine Tochter, denn die Polizei tut nichts.

Ein Mädchen schweigt, obwohl sie einiges sagen könnte.

Und Männer glauben, sie können die Welt regieren und Schrecken verbreiten.

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Für diese Rezension breche ich meine Regeln: es gibt diesmal kein Rezensionsschema. Das hat vielerlei Gründe. Wer den Blog regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich eine kleine Schwäche für Zoran Drvenkar habe. Hat auch damit zu tun, dass er einfach ein netter Mensch ist, wenn er über sein Schreiben redet und allgemein auch. Eigentlich bin ich auch auf Leseungsentzug, aber es ist alles zu weit weg und ich hoffe, er wird aus vielen, vielen Gründen wieder mal in die Nähe von Bielefeld kommen. Meinetwegen auch mit „Still“.

Ich habe auf das Buch ewig lange gewartet, wir ahnten schon, dass es etwas Dunkles wird. Wie dunkel war mir lange nicht bewusst. Es passt wunderbar zu seinen Büchern „Du“ und „Sorry“. Diese beiden zeigen auch die bitterböse Dunkelheit der menschlichen Seele und den Schmerz. Aber weg von den Bücher, wieder hin zu „Still“, was mich etwas hilflos zurück gelassen hat.

Es kam an und ich nahm es sofort zur Hand. Wollte einen Drvenkar, der mir wieder einmal beim Lesen die Augen öffnet und die Seele berührt. Irgendwie hat es das auch geschafft, aber ich kann immer noch nicht erklären warum oder wie. Eine Woche später schaute ich mir die Rezensionen auf Amazon an – alle 5 Sterne. Und ich fragte mich immer noch: Ist es die fünf Sterne wert?

Er schreibt hier aus den Perspektiven „Du“, „Sie“ und „Ich“. Das ist wirklich gewöhnungsbedürftig für Drvenkar Anfänger, die alten Hasen allerdings, kennen das Prinzip schon und wissen: Es wird perfide und an manchen Stellen wirklich nervenaufreibend. Es ist ein Buch, in dem scheinbar jedes Wort passt, jeder Satz gut überlegt ist und die Kamera genau dann umschwenkt, wenn wir denken: „Jetzt passiert es.“ Genau in diesen Augenblicke kippt die Handlung und in unseren Leserköpfen spielt sich das Grauen weiter ab, auch wenn wir im Buch gerade in ein anderes Gespräch vertieft sind.

Manche Dinge waren so unsagbar und Zoran hat sie tatsächlich nicht gesagt. Aber dann standen sie mir tatsächlich vor Augen. Ich saß selbst in einer Grube, schritt durch den Schnee und litt im Innern mit. Ich sah Blut, wo keines war und verspürte Gänsehaut. Aber irgendetwas fehlte. Etwas, was mir beim „letzten Engel“ nicht fehlte, obwohl ich weiß, dass die Bücher nicht vergleichbar sind. Etwas, was mir auch bei „Sag mir, was du siehst“ nicht fehlte. Ich habe lange hin und her überlegt. Der Roman war nahezu perfekt, ließ Leser erschaudern und mich mit. Ich las ihn herunter, weil ich ihn erwartet hatte, aber es fehlte das i-Tüpfelchen, welches mich wirklich berührte. Es war schaurig schön, aber mir fehlten die magischen Worte von Zoran, die seine Texte einmalig machten.

Mika ist der Hauptprotagonist, dessen Schmerz immer allgegenwärtig ist. Er will Rache für alles, was seiner Tochter angetan wurde, obwohl er nicht mal weiß, was passiert ist. Aber da sind auch die Kapitel des Mädchens Lucia. Sie sind wichtig, denn durch diese Sicht wird der Leser in die Opferrolle gedrängt und erlebt alles hautnah mit.

Ich habe mich dann zwei Wochen nicht mit diesem Buch beschäftigt und es nagte an mir, denn ich wusste nicht, wie ich meine Rezension schreiben sollte. Ein gutes ist ja, dass der Autor keine Rezensionen seiner Werke liest. Ich bin dann mal wieder auf der Internetseite vom Autor hängen geblieben und da ganz im Verborgenen, las ich die Worte, die das Buch an seinen rechten Platz rückten: im Bücherregal und in meinem Leserherz:

„Ich lade euch einfach zu der Geschichte ein und hoffe wie immer, daß ihr mir die Dunkelheit verzeiht. Sie macht Sinn, was manchmal schlimmer ist, als wenn sie keinen Sinn macht.“ (Quelle: drvenkar.de)

Und ja, er hat recht. Es war die Dunkelheit in dem Roman, die ich ihm nicht verzeihen konnte, da wirklich jedes Wort ein Schwarzes ist. Vielleicht vermisse ich den Silberstreifen am Horizont, den man bei „Du“ und „Sorry“ und in all seinen Bücher dezent wiederfindet. Er ist da, wenn auch widerwillig.

Es war und ist ein wirklich gutes Buch, das ich auch gerne gelesen habe. Es ist mir immer noch ein Rätsel, warum viele Menschen in meiner Umgebung Zoran einfach nicht kennen und somit seine Bücher auch nicht. Lesen!

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