In der Nacht

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In der Nacht

Dennis Lehane

Diogenes, 2013

978-3257068726

22,90 €

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„Konfrontiert mit einem so klaren Beweis des  Jenseitigen, spürte er, dass er unbedeutend und sterblich war wie alle anderen, dass bereits der Tag seiner Geburt nicht mehr als der Anfang vom Ende gewesen war.“ (S.97)

Joe Coughlin wird mit vielem konfrontiert – nicht nur mit dem Tod. Als Kleinkrimineller in Boston versucht er sich einen Namen zu machen. Das funktioniert mehr schlecht als recht, denn viele andere wollen auch mehr zu Sagen haben. Joe ist die Hauptfigur einer Gangsterwelt, die mich fortan gefesselt hat. Sein Witz, sein Charme und seine tiefsinnigen Gedanken sind nur einige Gründe, die diese Figur für mich zu einem Jahreshighlight machen – und das erst im Januar 2014.

Dennis Lehane kannte ich bis dato nur als den Mann, der das Buch zu „Shutter Island“ geschrieben hat. Ich wusste gar nicht, dass mir so viel entgangen ist. Es ist die Art wie Dennis Lehane erzählt, mit einem Auge für Kleinigkeiten und das ganze Große. Immer wieder wird Joe zusammen mit neuen Protagonisten in ein neues Abenteuer verwickelt. Ruhe ist in diesem Roman ein Wort, das nicht vorkommt. Immer wieder wird Joe in aberwitzige Überfälle und Schmuggelaktionen hineingezogen. Mal freiwillig, weil er weiß, dass es ihn reicher macht, mal eher unfreiwillig, weil da jemand noch eine Rechnung offen hat.

Meist bin ich nicht für irgendwelche Gangster Epen: „Der Pate“ muss nicht unbedingt sein und auch andere Mafiabücher m´haben mich nicht gefesselt. Wenn ich Gründe aufzählen müsste, warum ich dieses Buch mochte, dann einen, der mit dem obigen Zitat zu tun hat: Joe lebt die ganze Zeit im Jetzt! Er ist kein Gangster, der sich Gedanken über das Aufhören macht, der jammert und Angst hat. Er lebt in jedem Augenblick und das mit seinem ganzen Herzen, denn das vermittelt Lehane auch: Der größte Gangster hat in gewisser Weise ein Herz. Das sieht der Leser  auch hier nicht immer, aber dann gibt es einen Augenblick und Joe ist einfach nur Mensch.

„Je öfter Joe es sagte, desto sicherer wusste er, dass sie nicht mehr am Leben war. Er spürte es genauso untrüglich, wie er gespürt hatte, dass sie ihn liebte, auch wenn sie mit einem anderen Mann ins Bett gegangen war.“ (S. 138)

Joe ist manchmal ein Trottel, das passt vor allem seinem Vater nicht, der immerhin Polizist ist. Und gerade deswegen frage ich mich immer wieder beim Lesen: Wie kann so jemand abrutschen in die Nacht? Die Nacht, die die Gangster lieben und in der man Ärger bekommt, wenn man sie Kleinkriminelle nennt?

„Wir sind süchtig danach.“ „Wonach? Nach der Nacht – sie ist unwiderstehlich. Wer sich für den Tag entscheidet, der muss nach ihren Regeln spielen. Darum haben wir uns für die Nacht entschieden und spielen nach unseren eigenen. Das Dumme ist nur, wir haben im Grunde keine Regeln.“ (S.528)

Die Nacht ist es, die der Autor immer wieder schillern lässt, das ist die Welt der Gangster. Durch seine Wortwahl und seine prall gefüllten Sätze, ist es so, als ob der Leser mit dabei wäre in schwülen Nächten und aufregenden Bars im Untergrund.

Lehane schafft es mich auf 583 Seiten zu fesseln. Ich habe mitgelitten, mitgefiebert und mitgelacht, wenn sie ihre Späßchen machten. Ich wollte nicht, dass irgendeine Figur in diesem Roman stirbt. Sie sollten alle ein  Happy End bekommen. Und das es dann nicht so gekommen ist, ist fast eine Erlösung, denn es macht diesen Roman perfekt.

Ich empfehle ihn gerne weiter, an alle die, gerne Gangster Geschichten lesen oder einen wirklich guten Roman lesen wollen. Von mir gibt es 5 Bücherpunkte/Sterne.

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