Amerika liegt im Osten – Heike Eva Schmidt

Amerika liegt im Osten

Heike Eva Schmidt

Schwarzkopf&Schwarzkopf, 2011

978 3 86265 134 3

12,95 €

Rezensiert für Bücherkinder.de

Motte ist siebzehn und schwer verliebt. Dass ihr Schwarm, gerade einen tschechischen Mitschüler einfach so verprügelt hat, verdrängt sie. Ihr Schwarm fliegt in die USA und auch Motte will da unbedingt hin. Aber woher das Geld nehmen? Verlockend klingt da die Idee, ihre Oma in ihre Heimat nach Tschechien zu fahren.

Doch diese Fahrt ist gar nicht so einfach. Erinnerungen kommen auf, die Schwärmerei von Motte wird in Frage gestellt und dann wird klar, dass es nur eine Wahrheit gibt, die auch sehr grausam sein kann….

Das Cover zeigt ein Mädchen mit einem verträumten Blick, der Titel lässt den Leser erst etwas stutzen. Dann liest man den Klappentext und denkt: Na dann mal los Motte.

Am Anfang des Buches denke ich oft über Motte nach: Reagiert sie richtig? Warum denkt sie das? Und immer wieder vergleiche ich Motte mit mir. Wie habe ich für einen Jungen geschwärmt? Hätte ich das auch getan? Sie ist erst etwas nervig, weil sie sprunghaft handelt, nicht nachdenkt und verliebt ist. Ein echter Teenager!

Jeder kennt das: Familienfeier bei Oma und Opa und man selbst ist schon älter. Keine Lust ist meistens vorprogrammiert und dann fährt Motte sogar mit ihren Urgroßeltern nach Tschechien. Ein gute Idee, denn man sieht mal ein Land, über das ich nicht viel wusste. Im Auto herrscht am Anfang ein eisiges und unsicheres Klima. Man kann es spüren, denkt mit Motte mit und versucht auch den Urgroßvater zu verstehen.

Für mich war es besonders ergreifend als die drei beginnen nicht nur ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern auch ihre Gefühle für einander. Heike Eva Schmidt lässt die Figuren frei wirken, lässt Motte reden wie ein Teenager redet und schafft es trotzdem unser Leserherz anzusprechen.

Motte wird in diesem Buch erwachsen. Schritt für Schritt auf einer großen Treppe läuft sie nach oben. Mal geht sie auch zurück, denn nicht alles leuchtet ihr sofort ein oder sie ist einfach bockig. Es ist ein toller, einfühlsamer Adoleszenz Roman, den ich für Jugendliche ab 15 empfehlen würde. Immerhin ist Motte schon siebzehn und auch die Thematik scheint mir für jüngere zu schwer verständlich.

Frau Schmidt hat es geschafft, dass Motte und ich noch Freunde geworden sind und sie gibt den Lesern zu verstehen, dass es nicht immer leicht ist an die Wahrheit heran zu kommen und mit ihr zu Leben.

Am Ende nehme ich ungern Abschied von Motte und vergebe 5 von 5 Bücherpunkten.