Stern in der Ferne – Roberto Bolano

Roberto Bolano – Stern in der Ferne

S.Fischer Verlag, 2010

978 3 596 18731 7

Roberto Bolano ist ein Erzähler, der nicht ein Wort zuviel benutzt, aber auch nicht ein Wort zu wenig. Die Geschichte, die er hier heranspinnt, beschreibt den Faschisten Carlos Wieder. Im Chile des Jahres 1973, in dem gerade ein großer Umbruch stattfindet, gibt es viele Dichter, die über die Literatur nachdenken oder sie praktizieren. Der Erzähler selbst wird nachdem Pinochets Schatten über das Land fällt, wie viele andere ins Gefängnis geworfen. Dort wird er Zeuge, wie ein Flugzeug Wörter in den Himmel schreibt. Es ist klar, dieser Mensch wird etwas verändern…

Im Laufe des Buches verspürte ich den Drang zu googeln, weil Bolano sich in Aufzählungen von Dichtern dieser oder der Zeit davor verliert und ich nicht dumm bleiben wollte. So etwas hat ein Buch noch nie bei mir geschafft. Dieses frühe Meisterwerk, ich nehme diese Worte nur in den Mund, da ich sie auch wirklich vergebe, spielt mit der Macht eines einzelnen Dichters. Dabei wird dieser Dichter, eher zu einem Monster, dass die damalige Zeit zusätzlich dunkel überschattet. Die Einblicke in das Leben der gehetzten und verratenen ist so brutal und doch nüchtern beschrieben, dass der Leser nicht merkt, wie drastisch der Überlebenskampf damals gewesen sein muss.

Eindrucksvoll auf wenigen Seiten wird eine ganze Lebensgeschichte erzählt, die mehr Menschen in Chile berührt, als ich es für möglich gehalten hätte. Carlos Wieder ist ein bösartiger Dämon in seiner Zeit, der tötet ohne Moral und trotzdem erst sehr viel später die Quittung dafür erhält.

Ich sträubte mich „2666“ zu  lesen, der Schwere des Buches wegen, aber nun gibt es keinen Weg mehr daran vorbei, denn wie Bolano mit der Sprache erzählt, das ist eine Kunst, die ich nicht vergessen möchte. Trotz Hype und allem wünsche ich diesem Buch viele Leser, als Einstiegsdroge in die lateinamerikanische Literatur oder Bolano ist es sehr zu empfehlen.

Bald erscheint der Roman „Lumpenroman“ bei Hanser Erscheinungsdatum: 16. August 2010!

Ansonsten verweise ich natürlich noch mal auf „2666“.

Da „Stern in der Ferne“ auf dem letzten Kapitel von „Naziliteratur in Amerika“ verweist, hier der Tipp: Das Buch wird auch neu aufgelegt und erscheint bei Fischer am 11. November 2010.

Advertisements

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s