Interview mit Valentina Berger

Ich freue mich sehr Euch heute eine Autorin vorstellen zu dürfen, die gerade ihren ersten „Psychothriller“ bei Piper veröffentlicht hat.

Autorin:

Valentina Berger

Veröffentlichungen:

Der Augenschneider , Piper, 2010

Die Prinzessin, die von der Liebe nichts wissen wollte, Autumnus Verlag

Kunigund Kugelrund, Autumnus Verlag

Wer sät der erntet in Mord in jeder Beziehung, Wurdack Verlag

 

Der Augenschneider – Valentina Berger

Piper, 2010

978-3492258128

Inhalt:

Er schneidet ihnen bei lebendigem Leib die Augen heraus: jungen, schönen Frauen. Denn er braucht ihr Augenlicht…Heinz Martin, Gerichtsmediziner in Wien, ist einem Serienkiller auf der Spur. Zwei Frauen hat er schon gefoltert und grausam verstümmelt. Beide Opfer waren attraktiv, schlank und hochgewachsen. Dann verschwindet auch Martins bildschöne Schwester spurlos, und kurz darauf schickt ihm der Killer eine Nachricht, die keinen Zweifel daran lässt, was er mit ihr vor hat …

 

©Valentina Berger

Interview mit Valentina Berger

Danke, dass Sie sich Zeit nehmen um die Fragen zu beantworten. Aber bevor wir loslegen: Stellen Sie sich doch mal kurz vor.

Nun, meine Thriller und Krimis schreibe ich unter Valentina Berger,Kinderliteratur unter meinem richtigen Namen, Berta Berger. Ich habe die 40 bereits überschritten, lebe und arbeite in Österreich, bin verheiratet und habe zwei Kinder und mittlerweile drei Katzen, und offenbar trotz Familie, Haushalt und Job wohl noch Zeit und Fantasie genug, um mir Geschichten auszudenken und sie niederzuschreiben. ;-)

 

Natürlich interessiert uns, wie sie überhaupt zum Schreiben gekommen sind….

Tja, eigentlich wäre ich von allein wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, zu schreiben, zumindest nicht für ein Publikum. Beruflich ja, da schreibe ich Berichte und Protokolle, also eher trockene Texte. Aber dann kamen meine Arbeitskollegen darauf, dass ich mein Potenzial ruhig auch mal für was anderes nützen sollte, als nur für Berichte. Meine Tochter war damals drei Jahre alte geworden und ging in den Kindergarten und ich hatte plötzlich wieder Zeit für mich. Hinzu kam, dass ich auf der Suche nach einer Beschäftigung war, die mich geistig forderte – und so sind dann die ersten Geschichten entstanden. Ich habe viel experimentiert, um herauszufinden, was mir wirklich liegt. Durch meinen Beruf und meine Kinder war es naheliegend, Kinderliteratur zu schreiben, doch das war mir nicht genug. Und da ich immer schon leidenschaftliche Thriller- und Krimileserin war, bis heute noch bin, war es zum Schreiben dieser dann auch nur mehr ein kleiner Schritt.

Woher nehmen Sie ihre Ideen? Gibt es einen bestimmten Ort, an dem Sie ihre Ideen haben?

Die Ideen kommen meist unerwartet, oft auch zu den ungünstigsten Zeitpunkten, unter Garantie, wenn man grad nichts hat, womit man sie aufschreiben kann. :-) Oder gehen Sie mit Notizblock in die Badewanne? Vieles vergesse ich, aber aus manchen Ideen wird ein Text. Vielleicht auch nur ein kurzer. Und unter diesen kurzen Fragmenten gibt es wiederum welche, die mich nicht in Ruhe lassen, von denen ich gleich von Anfang an merke, dass da viel mehr drinnen steckt, als eine Kurzgeschichte. Diese Ideen bekommen dann eine Chance. Gerade eben geht es mir so: Ich habe zu Übung einen kurzen Text geschrieben, ganz spontan. Das ist nun drei Wochen her und da hat sich bei mir was festgehakt. Ich denke Tag und Nacht darüber nach, welche Vorgeschichte es dazu geben könnte, und wie es weitergehen würde, wie meine Figuren reagieren würden … Es gibt also keinen bestimmten Ort, an dem mir meine Ideen zufliegen. Sie sind immer und überall da. Man muss nur zuhören.

Sie haben Familie und zwei Kinder. Wie integrieren sie das Schreiben in ihr Familienleben?

Ja, und neben Familie und meinen Kindern arbeite ich ja auch noch. Es ist also nicht wirklich leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Gott sei Dank hab ich einen Job, der mir viel Tagesfreizeit lässt. Ich schreibe also meist, wenn meine Kinder in der Schule sind oder eben abends, wenn sie im Bett liegen. Sie sind mittlerweile auch schon so weit, dass ich manchmal, wenn ein Abgabetermin bevorsteht, auch tagsüber arbeiten kann – schön langsam gewöhnen sie sich an die schreibende Mama. :-) Mein Mann ist mir ebenfalls eine große Hilfe. Er unterstützt mich, und unternimmt viel mit den Kindern, damit ich in Ruhe schreiben kann. Er akzeptiert auch, dass ich bei jedem Wochenendausflug meinen Laptop mitnehme. Deswegen habe ich auch meinen ersten Thriller meinem Mann und meinen Kindern gewidmet.

Wie viel Wissen von ihrer Arbeit als Diplom Sozialpädagogin können sie in ihre Bücher mit einfließen lassen?

Ich glaube mehr, als mir bewusst ist. Mein Job verlangt viel Beobachtungsgabe, viel Einfühlungsvermögen und viel Menschenkenntnis. Das alles kommt meinen Texten zugute. Vor allem, wenn es darum geht, glaubhafte Charaktere zu entwickeln. Außerdem hatte ich während meiner Ausbildung auch Psychologie als Unterrichtsfach. Das alles kann ich nun gut für mein Schreiben verwenden. Man weiß also nie, wofür man später mal langweilige Unterrichtsgegenstände brauchen kann. ;-)

Sie haben Märchen geschrieben und jetzt erscheint ihr erster Psychothriller. Wie passt das zusammen?

Das scheint etwas zu sein, dass irgendwie viele beschäftigt. So verschieden sind Märchen und Psychothriller gar nicht. Aus den meisten Märchen könnte man locker einen Thriller machen, nehmen Sie doch mal Schneewittchen: Eine Stiefmutter, die aus purem Eigennutz und Rache eine junge Frau umbringen lassen will – und als das scheitert, legt sie selbst Hand an und vergiftet das Mädchen. Oder Aschenputtel: Neid, die Sehnsucht nach Macht und Geld, eine böse Frau und ihre ebenso bösen Töchter. Eine hübsche Heldin, die unterdrückt, ja beinahe gefoltert wird (Psychoterror). Das sind doch Stoffe, aus denen Thriller gemacht werden. In den meisten Märchen fließt sogar Blut. Obwohl ich sagen muss, in meinen Märchen geht es nicht so hart zu. Da komme ich ohne viel Gewalt aus – die sind absolut jugendfrei.

Ist es eine Erholung für Sie Märchen zu schreiben, wenn Sie genug von ihrem Psychothriller haben?

Genau. Oft schreibe ich sogar parallel. Ich stoße zwangsläufig an meine Grenzen, wenn ich an meinen Thrillern arbeite. Häufig bin ich ganz nahe an meinen Tätern dran, versuche mich in sie hineinzuversetzen, ihre Handlungen (für sie) plausibel zu machen. Das geht an die Substanz. Dann brauche ich ein wenig Abstand, etwas ganz anderes. Also lege ich den Schalter um und arbeite eine Zeit lang an etwas, was sich gänzlich unterscheidet: Kindergeschichten. Mein Kinderbuch „Kunigund kugelrund“  ist zum Beispiel zeitgleich mit „Der Augenschneider“ entstanden.

Lesen Sie selbst gerne, und wenn ja was?

Thriller, Thriller, Thriller. Und Krimis. Aber ich lese auch gern in ganz andere Genrés rein. Bücher sind für mich aus meinem Leben nicht wegzudenken. Mein Mann hat mir erst vor kurzem eine richtige Bibliothek gebaut und mich damit richtig glücklich gemacht.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz:

Schreiben ist für Sie…..

Eintauchen in eine andere Welt, etwas, das ich tun muss, wenn ich selbst sein will.

Wenn Sie nicht gerade schreibe, dann ….

bin ich im Dienst, beschäftige ich mich mit meinen Kindern, mache den Haushalt oder ich lese. Wenn ich nicht schreibe, mache ich also ganz normale Sachen. :-)

Wie sieht ein typischer Schreibtag für Sie aus?

Ich habe keinen typischen Schreitag, denn ich muss mir die Zeit wirklich zum Schreiben dann nehmen, wenn es sich anbietet – und das kann man oft nicht planen, und wenn man so einen Tag plant, dann läuft garantiert was schief: Ein Kind wird krank, ich muss zu einer Schulveranstaltung, … Aber wenn ich denn tatsächlich meinen Tag mit Schreiben beginnen kann, dann mache ich mir einen Kaffee, setze mich an den Computer und beginne damit, mir die letzte Seiten durchzulesen, die ich tags zuvor geschrieben habe, um wieder Anschluss zu finden. Dann arbeite ich meist eine Stunde, manchmal auch ein wenig länger, je nachdem wie es gerade läuft. Danach mache ich Pause, in der ich so unwichtige Dinge, wie Geschirrspüler ein- oder aufräume, eine Ladung Wäsche in die Waschmaschine fülle, den Besen schwinge. Meist bleibt mir dann noch Zeit für eine zweite Schreibphase von einer Stunde, bevor ich meinen Sohn von der Schule abholen muss. Der Rest des Tages läuft so ab, wie in jeder anderen Familie auch: Mittagessen kochen, Hausaufgaben machen, Spielen, Schwimmbad, Fußballtraining, … und dann, am Abend, wenn es wieder ruhig ist, setze ich mich wieder hin und schreibe weiter, wo ich vormittags aufgehört habe. Da arbeite ich dann von 20.30 Uhr bis etwa 23 Uhr, manchmal übersehe ich die Zeit und es wird auch länger. Meine Schwester hat einmal zu mir gesagt. „Schlafen kannst du noch, wenn dein Thriller fertig ist“. Und wissen Sie was? Man gewöhnt sich doch tatsächlich daran, mit weniger Schlaf auszukommen. :-)

Erzählen Sie ein bisschen was über die Entstehung des Buches „Der Augenschneider“.

Der Augenschneider war ja mein erstes Romanprojekt, und ich ging da wohl ziemlich blauäugig an die Sache ran. Ich hatte einen Anfang – und ich  wusste sofort, dass diese Geschichte diesmal nach etwas Längerem schreit. Meine Ermittler kannte ich schon aus zwei Kurzkrimis. Die waren so starke Charaktere, dass es für mich gleich klar war, sie müssen auch in diesem Roman mitspielen. Also fing ich an – und kam bis Seite 80. Danach wusste ich nicht mehr weiter. Ich zerbrach mir den Kopf, woran es liegen könnte, bis ich endlich die Erleuchtung hatte: Es lag daran, dass ich so vorgegangen war, wie ich es bislang gewöhnt war. Einfach drauflos schreiben und schauen, wo die Geschichte sich hin entwickelt. Bei Kurzgeschichten hatte das ja immer funktioniert. Ich setzte mich hin, überlegte, entwarf einen groben Plan – und dann flog ich mit meiner Schwester nach Frankfurt auf die Buchmesse. Es gibt da in Frankfurt in Hoechst so eine kleine Coktailbar, in der saßen wir dann eine halbe Nacht und als wir ins Hotel zurückkamen, hatte ich plötzlich eine tragfähige Handlung, Wendepunkte und ich wusste wieder weiter. Zu Hause hab ich so ziemlich alles wieder gelöscht und nur Fragmente von dem ursprünglichen Text behalten, aber nun ging es relativ schnell von der Hand. Von Oktober bis Mitte Dezember hatte ich 120 Seiten und ein Exposé. Das schickte ich dann an ein paar Agenturen, schon die erste – Literarische Agentur Thomas Schlück – bot mir einen Vertrag an. Innerhalb der nächsten zwei Monate habe ich dann das Manuskript fertig geschrieben, und bekam von Piper ein tolles Angebot. Klingt wie ein Traum und ist es wohl auch.

Ihr Ermittler heißt Heinz Martin. Gab es ein Vorbild oder haben Sie selbst einen Lieblingsermittler?

Es gibt kein Vorbild für Heinz Martin. Er ist so, wie ich mir einen Wiener Gerichtsmediziner vorgestellt habe. Aber im Zuge meiner Recherchen zu meinem dritten Thriller hatte ich das Vergnügen, mit dem führenden Gerichtsmediziner in Wien Kontakt aufzunehmen und mit ihm zu sprechen. Das war für mich, als wäre meine Figur lebendig geworden. Ein richtiges Aha-Erlebnis. Purer Zufall, denn Heinz Martin wurde ja schon lange vorher von mir erschaffen. Aber es war ein sehr schönes Erlebnis für mich.

Sind weitere Thriller in Planung?

Der zweite ist ja schon fertig und liegt nun im Verlag. Ein dritter der Reihe ist geplant und ausgearbeitet, er muss nur noch geschrieben werden und dann gibt es noch die Idee für einen Einzelroman, außerhalb der Reihe. Da steh ich aber noch ganz am Anfang und bin neugierig, was sich aus meiner Idee entwickelt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Das, was sich wohl die meisten AutorInnen wünschen: viele LeserInnen und hohe Verkaufszahlen. ;-) Nein, im Ernst: Mein oberstes Ziel war es immer, Menschen mit meinen Geschichten zu unterhalten. Wenn mir das gelingt, vielleicht sogar über mehrere Bücher hinweg, dann bin ich wunschlos glücklich.

Vielen Dank, dass sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin  viel Erfolg!

Danke für die guten Wünsche.