RSS

Schlagwort-Archive: Sachbuch

Coco Chanel – Der schwarze Engel

Coco Chanel

Der schwarze Engel

Ein Leben als Nazi-Agentin

Hal Vaughan

Hoffmann und Campe, 2011

978 3 455 50226 8

22,99 €

Coco Chanel, die Modeschöpferin – die Ikone von Paris – des guten Geschmacks – des damaligen Lebens an sich

Für mich eine schillernde Persönlichkeit der Modewelt, obwohl ich selbst ein Modemuffel bin. Was hat sie noch so getan in ihrem Leben? Wo waren die Schattenseiten? Wen hat sie geliebt, wen gehasst? Konnte sie lügen? Konnte sie die Wahrheit sagen?

Konnte sie eine Nazi-Agentin gewesen sein?

Angefangen hat meine Liebe zu dieser Person mit einem Film: “Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft”. Irgendwann war dieser Film vorbei, zeigt er doch nur einen Ausschnitt ihres Lebens. Der Beginn ihrer Welt im Waisenhaus, ihr Singen in einem Club… Aber was kam danach? Welche Männer versuchten sie zu besitzen? Was tat sie im Krieg als Mode nicht sehr wichtig erschien?

Hal Vaughan hat mit seinem Buch einen tollen Einblick geschaffen in jene Zeit, die der 2.Weltkrieg verändert. Paris als Stadt der Mode, des Reichtums, aber auch der Besetzung, der Unruhen und die Stadt der Coco Chanel.

Zum einen erklärt Vaughan die Zusammenhänge zwischen Coco, ihren Männer und dem Naziregime. Aber wer waren diese Männer? Detailliert wird anhand von Bildern, Briefen und Urkunden erklärt, wie Coco eine Spionin wurde. Es ist zum Teil erschreckend, wie sehr sie Juden gehasst hat und wie sehr sie Frankreich verraten hat. Trotzdem war sie auch “nur” ein kleines Rädchen in der damaligen Kriegsgesellschaft. Aber sie kannte sie alle: Huxley, Picasso und auch Winston Churchill.

Tolle Bilder aus allen Alterslagen der Chanel geben einen guten Einblick in ihre Mode, ihre Hunde und ihre Veränderungen. Ihre Kinderzeit bzw. Jugendzeit wird hier vernachlässigt, aber ein Großteil ihres Lebens wird nachgezeichnet. Viele Fußnoten im Anhang machen die Archivarbeit von Vaughan nachvollziehbar und laden noch zum Stöbern ein.

Der populäre Sachbuchschreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich fühlte mich nie belehrend angesprochen und es war auch nicht langweilig.

Außerdem freue ich mich auf ein weiteres Sachbuch aus dem Hause Hoffmann & Campe:

Chanel No.5 – Die Geschichte des berühmtesten Parfums der Welt

 
1 Comment

Geschrieben von - Mai 19, 2012 in Sachbuch

 

Schlagwörter: ,

Ein Jahr in Island – Tina Bauer

Ein Jahr in Island

Tina Bauer

Herder, 2011

978 3 451 06139 4

12, 99 €

Wo schätzt man Deutsche wegen ihrer Pünktlichkeit ? Und wo feiert man viel, um die trüben Gedanken zu vertreiben? Warum gibt es oft komischen Fisch zu essen? Und was hat es mit alle den Geistern, Trollen und Feen auf sich?

Island ist ein magisches Land. Rau, aber herzlich. Und hinfahren und dort bleiben ist recht einfach, außer man bringt ein Auto mit.

“Einmal, zweimal, dreimal: In kurzen Abständen prustet der Wal eine Wasserfontäne in die Luft. Dann macht er einen Buckel und taucht ab.”

Ich möchte auch einmal einen Wal sehen. Ohne Becken drum herum und “Wasserpark”. Eigentlich sind diese “Eine Jahr in…” Bücher immer nach dem gleichen Muster gestrickt. Aber glaubt mir, es gibt langweilig Länder und interessante Länder. Island gehört, und auch Tina Bauer trägt dazu bei, zu den interessanten Länder. Mit etwas ernst, auch Angst und Traurigkeit erzählt sie, wie es ist, in der Dunkelheit zu leben und auf den Frühling zu warten, wenn die Sonne wieder länger scheint.

Man ist nicht immer überall Zuhause und auch die Menschen sind nicht immer freundlich. Aber man kann lernen mit ihnen umzugehen und auch das Land kennen lernen.

Eine Anekdote über den ausgebrochenen Vulkan auf Island hat mir sehr gut gefallen. Man hat gesehen, dass wir Europäer auf dem Festland ganz schön aufgeschmissen sind und uns schnell aufregen. Dabei geht das Leben immer weiter. Egal ob mit einem Auto oder ohne ein Auto. Aber lest selbst ;)

 
1 Comment

Geschrieben von - Mai 12, 2012 in Sachbuch

 

Schlagwörter:

Wie wollen wir leben? – Bieri

Wie wollen wir leben?

Peter Bieri

Residenz Verlag, 2011

3701715637

16,90 €

Wie verpackt man Fragen des Lebens in einen verständlichen Text? Wie ist Peter Bieri, wenn er keinen Roman schreibt? Was sagt der Philosoph zum Leben?

Dieser Text ist, bevor er zum Buch wurde, eine Vorlesung gewesen. So stelle ich mir Peter Bieri vor, in einem Hörsaal, mit seiner Brille, dem klugen Blick, den ich auch schon auf Lesungen gesehen habe. Und dann fange ich an zu lesen.

Es sind nur drei Vorlesungen, die man hier wiederfindet, aber sie befassen sich mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Wie will ich leben? Selbstbestimmt? Kenne ich meinen Neid, meinen Hass, der sich in mir regt? Wer bin ich wirklich?

Auf charmante Weise verweist Peter Bieri dabei auch auf sich. Warum er schreibt, was er davon hält, wenn jeder auf die Anderen in der Welt guckt.

“Ich möchte in einer Kultur der Stille leben, in der es vor allem darum ginge, die eigene Stimme zu finden. “

Es ist wichtig eine eigene Stimme zu haben. Sich nicht von anderen beeinflussen zu lassen. Natürlich macht das jeder Mensch. Und man muss lernen es nicht zu tun. 

Und er appelliert für die Literatur als Medium, das uns hilft. Es sind die Geschichten, die uns neue Gedankengänger eröffnen, die uns in ferne Länder führen und uns vielleicht sogar verändern. Und auch schreiben ist wichtig.

“Ob jemand eine Geschichte ganz aus sich selbst heraus schreibt, ob er sie um ein reales Ereignis herum rankt oder gar einen historischen Roman schreibt: Nie ist es Zufall, was er sich aussucht.”

Wer außerhalb der Universität mal eine Vorlesung lesen möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Die Gedankengänge sind fließend, manchmal simple und manchmal kann man wunderbar die Gedanken danach schweifen lassen.

 
1 Comment

Geschrieben von - April 13, 2012 in Sachbuch

 

Schlagwörter: ,

Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte – Schami

Die Frau, die ihren Mann auf den Flohmarkt verkaufte

Rafik Schami

Hanser, 2011

978 3 446 23771 1

17,90 €

Es war einmal ein Mann, der aufwuchs in Damaskus. Viele Krankheiten fesselten ihn als Kind ans Bett. Er spitze die Ohren für die Geschichten der Welt. Er las begierig und sein Hunger war unendlich. Dieser Mann hatte einen Großvater, der liebevoll war und wunderbare Dinge erzählte.Dschinns, die Menschen täuschten, Geschichten, die nur gemurmelt wurden und Klassiker, die kopiert werden; all diese Dinge lernt der Junge kennen und wächst heran zu einem Mann. Er wird ein Erzähler.Ein Erzähler, der eigentlich nicht schreiben will, sondern die Worte liebt, die in Geschichten verkleideten seinen Mund verlassen….Es ist eine Reise mit Rafik Schami selbst auf die wir uns einlassen. Denn wir begleiten ihn von klein auf. Wie fand er die Worte? Wo traf er seine erste Geschichte?Man trifft seinen Großvater, der ihn glücklich macht. Als Kind kann er lachen, lauscht den Geschichten und merkt sie sich. Der kleine Rafik ist wie ein Schwamm. Jede Geschichte liebt er, hört zu und merkt sich jedes Wort. Aber um ein Erzähler zu werden, muss man mehr können, als die Worte wieder geben. Man muss sie leben, lieben und sie neu verzaubern.

Sein Weg zum Erzähler ist in kleine Geschichte verpackt, die auch Wissen enthalten. So erfahren wir, dass es eine mündliche Tradition gibt und auch viel über Märchen. Vor allem das Märchen Kapitel hat mich berührt, denn Märchen sind eine Brücke für Kinder in eine andere Welt.Außerdem konnte ich einige an Wissen in meiner Hausarbeit verwenden und habe ein tolles Zitat gefunden.

Ein nettes, kleines Buch, dass sehr persönlich ist und einen Einblick in das Leben eines Erzähler bietet, der Wörter zu seiner Passion ernannt hat.

 
1 Comment

Geschrieben von - März 3, 2012 in Romane, Sachbuch

 

Schlagwörter: , ,

Angeklagt – Robert Glinski

Angeklagt

Robert Glinski

Ullstein, 2011

978 3 548 37417 8

8,99 €

Robert Glinski ist Richter am Schwurgericht. Dort erlebt er jeden Tag, warum Menschen töten und ob sie lügen oder nicht. Aber manchmal ist es gar nicht so einfach, jemanden zu verurteilen. Dann kommen zweifel, das Gesetz sagt etwas anderes oder er sieht den Menschen dahinter.

In zehn Fällen gewährt er Einblick in seine Arbeit und erklärt, warum nicht immer alle verurteilt werden oder die Strafe gering ist. Er nimmt niemanden in Schutz, aber er richtet auch nicht schlecht über jeden.

Jeden Tag lesen wir von vielen Verbrechen, manche sehr grausam, manche einfach nur dumm ausgeführt und manche Verurteilungen verstehen wird nicht. Ein Blick hinter die Kulissen soll es richten. Und so gibt es nun auch bei Ullstein ein Buch mit spektakulären Fällen.

Natürlich treffen wir nicht nur einfach auch jemanden der klaut oder seine Frau schlägt. Dinge, die auch schon schlimm genug sind. Wir lesen hier über Totschlag und vorsätzlichen Mord. Wann ist es Totschlag? Wann ist es Mord? Vorsätzlich oder nicht? Und gibt es einen Grund dafür?

Ich war schon mal geschockt, wenn ich die Geschichten las. Da bringt jemand seine Frau um. Es kann nur er gewesen sein und dann? Später im Gerichtssaal kommt heraus, dass er psychische Probleme hatte. Er stand unter Druck, war paranoid und sie musste sterben. Ich schüttelte den Kopf, der Mann im Gericht sieht es als strafmildernd an. So ist das Gesetz und irgendwie durch die Schreibweise und seine Geschichte bekommt man einen Augenblick das Gefühl: Der Mann tut mir leid, wäre das und das nicht gewesen, hätte er nicht seine Frau erschlagen.

So geht es mir bei jedem der zehn Fälle. Ein Auf und Ab, mal gebe ich Recht, mal streite ich mich mit meinem Rechtsempfinden.

Ein Einblick in das Schwurgericht zu erhalten war informativ. Ob die Fälle gut ausgesucht waren, kann ich nicht beurteilen. Es gibt bestimmt viele Fälle, die erwähnt werden sollten. Hier finden nun auch kuriose Fälle Platz.

Es ist ein Sachbuch, manchmal habe ich die Erklärungen als zu lang empfunden und da ich mit gemischten Gefühlen den Buchdeckel schließe, vergebe ich drei Bücherpunkte.

 
1 Comment

Geschrieben von - Februar 12, 2012 in Uncategorized

 

Schlagwörter: ,

In 80 Büchern um die Welt – eine literarische Weltreise

In 80 Büchern um die Welt

Thiele Verlag, 2011

978 3 85179 157 0

20,00 €

Du bist neugierig? Du möchtest die Welt entdecken und wissen,       was in der Welt alles zu lesen gibt?

Solltest du genau so daran interessiert sein einmal über den Tellerrand der deutschen und europäischen Literatur zu sehen, dann empfehle ich dieses Buch.

“In 80 Büchern um die Welt” ist eine literarische Weltreise. Es begibt sich von Europa, über Asien, nach Ozeanien von dort geht es weiter nach Afrika. Ein kurzer Zwischenstopp in Nordamerika, wir reisen danach nach Nordamerika und sind schon wieder daheim.

Man erfährt etwas über den Autoren und sein passendes Werk zum Land. Zum Beispiel treffen wir auch W.G. Sebald und sein Buch “Die Ausgewanderten”, dass man in Deutschland lesen sollte.

Natürlich gibt es in jedem Land jede Menge Bücher, die wunderbar sind. Aber die Auswahl ist ziemlich gut gelungen. Bekannte Bücher treffen auf Roman, die ich nicht kenne. Bücher, die in hohen Auflagen zu haben sind, treffen solche, die kaum noch zu bekommen sind.

Manchmal denke ich: Toll, eigentlich ist es Pflicht diese Bücher zu lesen. Manchmal freue ich mich: Das hast du schon gelesen und es ist gut gewesen.

Ein ABER gibt es trotzdem. Manchmal ist die Erklärung des Landes ein bisschen klischeehaft und berührt Aussagen, die ich sehr schade finde. Trotzdem findet man nette Zitate aus den Büchern und wunderschöne, stimmige Bilder.

Hier einige bekannte Gesichter:

England: A long way down – Nick Hornby (gelesen und für gut befunden)

Spanien: Der Schatten des Windes – Ruiz Zafòn ( gelesen und für ganz wunderbar befunden)

Afghanistan: Tausend strahlende Sonne – Hosseini ( gelesen und für traurig befunden)

Für jeden, der mit den vorgestellten Bücher nichts anfangen kann, gibt es außerdem noch “Weiterreise”-Möglichkeiten.

Ein schönes Buch für bibliophile Menschen wie mich ;)

Ich habe euch eine kleine Liste erstellt.Für jeden Kontinent findet ihr dort zwei Bücher, die mir besonders interessant erschienen sind: KLICK

 
3 Comments

Geschrieben von - Januar 30, 2012 in Romane, Sachbuch

 

Schlagwörter: ,

BrandSense – Martin Lindstrom

BrandSense- Martin Lindstrom

Campus, 2011

978 3 593 39447 3

24,90 €

Du hast eine Nase – um zu riechen; 

Du hast eine Zunge – um zu schmecken;

Du hast Augen um zu sehen – um zu sehen;

Du hast Ohren – um zu hören;

Du hast deine Haut – um zu fühlen.

Was wäre also, wenn es eine Werbung gäbe, die alle diese Sinne anspricht? Nicht nur Bilder, die du siehst, einen Werbejingle den du hörst, sondern auch einen leckeren Geruch, den du mit der Marke identifiziere kannst?

Ich muss zu geben, ich identifiziere mich mit meinem Apple. Ich bin ein MAC-User durch und durch. Ich bin traurig gewesen, als Steve Jobs starb, ich kann mir ein Leben ohne das “i”, nicht vorstellen. Aber was löst so eine Identifikation mit einer Marke aus? Was machen die Unternehmen richtig und was falsch?

Martin Lindstrom erzählt, wie größere Unternehmen, Beispiel: CocaCola, Apple und andere, durch winzige Mittel mit ihrer Werbung mehr erreichen können. Er erklärt, dass wir eigentlich kaum auf die Werbung im Fernsehen reagieren und Werbespots eigentlich umsonst produziert werden. Warum? Sie sprechen nicht alle Sinne an.

Das ist das Schlüsselwort. Wer kennt sie nicht? Die Startmelodie von Microsoft? Könnt ihr nicht am Handyklingeln in der Bahn manchmal erkennen: “Ah, der hat ein Handy von Motorola?”

Es war interessant zu lesen, was man als Konsument alles übersieht. Die Colaflasche mit Profil pushte das Unternehmen nach vorne. Warum? Sie war unverkennbar. Noch mit verbundenen Augen konnte der Konsument erkennen, dass es eine Cola-Flasche ist.

Leicht verständlich war dieses Sachbuch und am Enden von jedem Kapitel, wurde die Highlight noch einmal zusammen gefasst.

EIn Manko: Oft wiederholt sich der Autor. Weist wieder und wieder daraufhin, dass es um die fünf Sinne geht und um nichts anders. Nach zehn Seiten hat man als Leser den Kern des Buches aber erfasst und braucht nicht immer wieder eine Erinnerung. DIese Zeilen habe ich meist schnell übersprungen.

Ein Highlight zum Schluss: Als das Buch ankam klebte ein roter Zettel auf dem Buch (s. Bild oben). Dort stand: ” Fass mich an und lass mich leuchten.” Etwas verdutzt war ich schon.

Aber wenn man die im Bild etwas dunkleren Punkte auf dem Cover, gerubbelt hat, kam dieses Ergebnis dabei heraus:

Für alle fünf Sinne gab es so einen Punkt in verschiedenen Farben. Somit spricht das Buch, durch seinen Geruch (ich liebe den Geruch von Büchern), das Papier (fühlen), die Buchstaben (sehen), fast alle Sinne an und den Spieltrieb ;)

 
Leave a comment

Geschrieben von - Januar 9, 2012 in Sachbuch

 

Schlagwörter: ,

Zwei Bücher – Ein Vergleich

Es gibt sie immer wieder. Das Buch zum Buch. Was ich meine? Es gibt “Harry Potter” und Monate später einen “Barry Trotter”. Es gibt ” Bis(s) zum Morgengrauen” und “Bis einer weint”.

Nun begab es sich, dass mein Freund vor einiger Zeit fragt: ” Was ist dran an Thilo Sarrazin?” Und ich fragte: ” Was ist dran an “Sara Zinn”?

                                                                                         Deutschland schlafft ab

Sara Zinn

Riva, 2010

978-3868831283

14 , 95 €

Deutschland schafft sich ab

Thilo Sarrazin

DVA, 2010

978-3421044303

22, 99 €

Durch die Medien wissen wir nur zu gut, was Herr Sarrazin in seinem Buch erklärt/erzählt/ verspricht und bricht. Aber ist dieses Buch tatsächlich so Massen tauglich und muss es jeder lesen?

Das, Deutschlands Zukunft nicht immer rosig aussieht, kann sich jeder denken. Sarrazin kommt mit statistischem Material daher, zu dem er durch seinen ehemaligen Posten, guten Zugang hatte. Das zu verwerten ist nicht immer einfach und die Erkenntnisse auch noch einfach und verbindlich darzustellen, ist umso schwieriger. Mit vielen Tabellen versucht er uns klar zu machen, was passiert mit Deutschland, wenn die Geburten zurück gehen und die Unterschicht wächst. Aber was tun? Wenn es Menschen wie meinen Freund und mich gibt, die einfach keine Kinder wollen? Und warum sind alle gleich doof und werden in diesem Buch “über einen Kamm” geschert?

Einige Sätze und Erkenntnisse stimmen und sind nachvollziehbar. Einiges erinnert an eine Zeit, die wir lieber nicht wieder aufleben lassen wollen. Eine Meinung zu haben, ist eine Sache, sie so zu vertreten wie Sarrazin, eine andere.

Aber warum brauchte man zu so einem Buch noch eine Persiflage? Ist es nicht genug das Original zu haben? Ich habe mich dem witzigerem Buch von beidem gewidmet. Ich hoffe, dass lässt nun nicht auf mein Interesse an Politik schließen oder auf meinen Geisteszustand.

Optisch gesehen, sehen sie doch aus wie Zwillinge oder? Oder großer Bruder, kleine Schwester? Sara Zinn ist hier eine Dame/Herr mit Kopftuch, die doch tatsächlich mal ihre ganz, eigene Meinung kundtun will. Soll sie doch, hat Herr Sarrazin schließlich auch. Nur, und das ist ein gewaltiger Unterschied, ich musste manchmal laut lachen. Denn sie sagt die Wahrheit: Oder findet ihr nicht, dass es am Flughafen ganz schön teuer ist? Und das an allem eh die Ausländer schuld sind ;) ? Hier verweise ich noch mal an das Kopftuch und ich unterstreiche, dass ich nur lachte und nicht mit Sara Zinn einer Meinung bin. Aufgelockert wird das ganze durch verheerende Statistiken und schrullige Passagen, eines wirren Geistes.

Ist es nun eine Kampfschrift gegen Sarrazin? Muss ich/ kann ich es ohne das andere Buch lesen? Ja man kann, denn es ist einfach nur dazu da, zu lachen. Über Deutschland, unsere Probleme und viele Statistiken. Das macht zwar die Probleme nicht wett, aber es lockert auf und nimmt auf den Arm.

Wer mal über ernste Themen lachen möchte, ist hier genau richtig und so vergebe ich hierfür vier Sterne und das andere Buch? Nun ja, drei Sterne.

 
1 Comment

Geschrieben von - Mai 10, 2011 in Sachbuch

 

Schlagwörter: , ,

Sklavenkind – Chaudhary

Sklavenkind – Urmila Chaudhary

Knaur, 2011

978 3 426 65497 2

Kamalari? Was stellt man sich unter diesem Wort vor, wenn man es das erste Mal hört? Ist es ein Dorf hoch in den Anden? Ist es ein Fluss der durch irgendeine Steppe fließt? Ist es ein schönes, ausländisches Wort für irgendeine Blume?

NEIN! Unter diesem doch schön klingenden Wort verbirgt sich etwas grausames. Etwas das wir uns nicht vorstellen können. Denn Kamalari heißt übersetzt “hart arbeitende Frau” . Das hört sich noch nicht schlimm an? Hinter diesem Begriff verbergen sich Mädchen zwischen sechs und achtzehn Jahren, die verkauft werden. Sie werden für ein Jahr an fremde Haushalte verkauft. Dort müssen sie arbeiten.

Hinter dem wohlklingenden Wort “Kalamari” verbirgt sich nichts anderes als ein Sklavenleben. Auch Urmila Chaudhary ist dieses sechs jährige Mädchen, dass einfach verkauft würde. Ich wusste bis zu diesem Buch nicht einmal, dass in Nepal so etwas passiert. Ich wuchs behütet auf, lebe heute noch gut und sicher in Deutschland. Wie muss es dann einem kleinen sechsjährigen Mädchen gehen, dass ins kalte Wasser geworfen wird? Keine Liebe erfährt und gepiesackt wird?

Eindringlich und enorm ausdrucksstark erzählt Urmila Chaudary ihre Geschichte. Vom Sklavemädchen zu einer starken Frau, die für andere Sklavenmädchen kämpft. Es ist ein Buch, dass die Augen öffnet für eine andere Welt, die wir vielleicht bis dato als normal gehalten haben. Ein Leben in Nepal, was kann da schon schlimmes dran sein?

Nie habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass es dort schlimme Dinge geben könnten. Denn wir gucken nur bis über unseren Gartenzaun. Aber das ist falsch. Jeder der Zeit hat und nicht die Augen verschließen möchte, sollte dieses schwierige, traurige Buch lesen und sich auch die Fotos angucken, denn am Ende zählt das Lächeln einer Frau, die sich ihren großen Traum erfüllt hat: Nach der Sklaverei in die Schule gehen.

 
Leave a comment

Geschrieben von - Mai 1, 2011 in Sachbuch

 

Schlagwörter: ,

Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben

(1.Foto: Quelle Spiegelonline)

Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben

von Ronald Reng

Piper, 2010

978-3492054287

19,95 €

Ein Mensch

Ein Ehemann

Ein Papa

Und zufällig Torwart

Einer der Besten

Bei Hannover

Denn sonst hätten wir nie davon erfahren, was es heißt Depressionen zu haben

Ich habe ihn spielen sehen, vor ein paar Jahren Hannover gegen Schalke. Niemand ahnte, dass wir irgendwann um ihn trauern werden. Er war immer der Torwart mit dem konzentrierten Blick, der alles hielt. Aber trotzdem irgendwie nie so richtig im Rampenlicht stand. Was sagte mein Freund: “Irgendwie habe ich ihn nie als so einen guten Torwart gesehen!” 

Aber eigentlich ist das falsch. Denn vor allem, war er ein Mensch hinter dem Torwart. Einer der trauern musste um seine Tochter. Einer der schon früh merkte, dass der Druck im Fussball nicht gering ist. Robert Enke, der der den Jüngeren half, in dem er anrief und sagte: “Die Tore waren nicht deine Schuld. Nimm es dir nicht zu Herzen!”

Viele andere haben ihn besser kennen gelernt als wir Leser. Nur weil wir dieses Buch nun gelesen haben, kann keiner sagen:” Ich kenne Robert Enke.” Aber dadurch, dass Ronald Reng so ein wunderbares, menschliches Bild von ihm gezeichnet hat, kann man nachvollziehen, was die Menschen an ihm verloren haben.

Damals als ich las, er hätte sich selbst umgebracht, wollte oder konnte ich es nicht glauben. Ich war betrübt, weil man so etwas nicht jeden Tag hört, vor allem als kleiner Hannover-Fan. Trotzdem war ich auch geschockt, dass so viel Wirbel um ihn gemacht wird. Zum einen, weil seine Angehörigen Ruhe verdient hätten zum anderen weil viele Menschen Selbstmord begehen und sie nie diese Aufmerksamkeit erfahren werden. Denn eins ist klar, Depression ist eine Krankheit, die nicht nur Fußballer und Schauspieler trifft sondern auch die anderen, die über bleiben, und einfach nur du und ich sind.

EIn wunderbares Buch, dass mich zum Weinen, aber auch Lachen gebracht hat. Danke Robert für das Buch und die Einsicht in deine Depressionen, obwohl es mir lieber gewesen wäre, wenn das Ende nicht so gekommen wäre.

 

 
2 Comments

Geschrieben von - April 16, 2011 in Sachbuch

 

Schlagwörter: ,

 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 1,076 other followers