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Die Insel der besonderen Kinder – Riggs

Die Insel der besonderen Kinder

Ransom Riggs

Pan, 2011

16,99 €

978-3426283684

Es sind nur Geschichten, Märchen. Das denkt Jacob mit neun, als sein Großvater einige Fragen immer noch nicht beantwortet. Es soll eine Insel geben, mit einem großen Haus und vielen besonderen Kindern. Aber auch die Fotos, die Jacob sieht, überzeugen ihn nicht. Warum denkt sein Großvater sich so etwas aus? Als Abraham immer eigenartiger wird und eines Tages anscheinend verwirrt bei Jacob anruft, will dieser ihn eigentlich nur beruhigen. Doch im Wald hinterm Haus findet er seinen Großvater und er ist tot…..

Ein faszinierendes Buch denkt man an die Bilder, die für sich selbst hunderte Geschichten erzählen. Ein schönes Buch, da die Aufmachung verwunschen ist, es gesickt ist mit Briefen und handschriftlichen Notizen. Aber wenn die Verpackung toll ist, wie ist dann der Inhalt?

Die ersten hundert Seiten packen mich. Ich fühle mich, als wäre ich selbst Jacob, der als Kind Märchen hört, erwachsen wird und nicht mehr daran glaubt, um sich später um seinen debilen Großvater zu kümmern. Schön, dass Charaktere so greifbar sein können. Und, was für ein hartes Los im Familienunternehmen zu arbeiten ;)

Der Großvater ist in den Rückblicken auf sein Leben, eine sympathische Figur, hat aber viele Geheimnisse. Kein Wunder, dass ich fasziniert bin, wenn er seine Märchen erzählt und man später die Wahrheit dahinter erfährt.
Schnell bildet sich eine Frage in meinen Kopf: Kann es sein, dass die schreckliche Wahrheit, einfach nur bunt und schmerzlich verpackt wurde? Dass sich das Buch um 180° drehen wird?

Was danach kommt, ist ein phantastischer Reigen aus alten, wunderlichen Bildern und der Tod des Großvaters. Hier beginnen die Veränderung und die Entwicklung von Jacob. Mal niedergeschlagen, mal neugierig dümpelt er die nächste Zeit zwischen seinen Entscheidungen hin und her. Und plötzlich wie aus dem Nichts, beginnt auch die Handlung vor sich hinzusiechen. Es geht nicht voran und auch nicht zurück.

Ein Ortswechsel hätte es spannend machen könne. Aber anstatt sich weiterzuentwickeln, lässt Jacob sich um den Finger wickeln und stellt für mich als Leser viel zu wenig Fragen! Sein Vater, später eine wichtige Person ist für mich eine Figur, die mir nichts gegeben hat. Falsche Entscheidungen, keine Entscheidungen, komische Entscheidungen: mit dieser Figur wurde ich nicht warm.

Für mich war die Geschichte um die Insel der besonderen Kinder erst phantastisch, anfangs nachvollziehbar und später sehr langatmig. Einige Brüche unter den Figuren und deren Entscheidungen machten es träge und schwerfällig. Die erhoffte Überraschung blieb am Ende die Entscheidung einer Person überlassen, die meiner Meinung nach, aber auch nicht nachvollziehbar war.

Außerdem mag ich keine Bücher, die am Ende so viele Verweise auf einen zweiten Teil haben, dass eine Leuchtreklame nicht auffälliger hätte sein können.

 
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Geschrieben von - Mai 20, 2012 in Fantasy, Jugendbücher

 

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Die eiserne See – Brook

Heute freue ich mich die erste Gastrezension auf Bücherchaos veröffentlichen zu dürfen. Es war toll, einem Buch eine neue  Chance zu geben. Und Christine war so lieb, eine tolle Rezension zu schreiben:

Die Eiserne See 01

Wilde Sehnsucht

Meljean Brook

LYX Egmont November 2011
Übersetzung Beate Bauer
ISBN 9783802586064
472 Seiten
Vom Verlag veröffentlichte Leseprobe:
http://www.egmont-lyx.de/mediadaten/images/lyx/Leseproben/Brook_Die%20Eiserne%20See_01_LYX_Leseprobe.pdf

Für 9,99 € als Taschenbuch im deutschen Buchhandel erhältlich.

Vor zweihundert Jahren übernahmen die Mongolen in England die Herrschaft.
Sie kontrollierten die Engländer, indem sie über die Nahrung Naniten, mikroskopisch kleine Apparate einschleusten. So wurden sie zu Buggern, also infizierten Menschen.
Der Pirat Rhys Trahaern befreite sein Land vor der Horde und erhält zum Dank den Titel „Eiserner Herzog“ vermacht.
Eine Leiche, die man 9 Jahre später auf seinem Anwesen findet, bringt die Inspektorin Mina Wentworth ins Spiel und somit auch in das Herz von Rhys.
Gemeinsam versuchen sie die Verschwörung, die die gefundene Leiche mit sich bringt aufzuhalten.

Bei „Die eiserne See” handelt es sich um ein Buch aus dem Genre Steampunk. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil ich das Genre noch nicht kannte und ich immer gespannt auf neues bin. Mein Urteil fällt ein wenig gemischt aus.Im Nachhinein positiver als beim Lesen selber.

Am Anfang wirkt die Geschichte etwas undurchsichtig. Die Autorin steigt im Prinzip gleich voll in die Geschichte ein und liefert die Erklärungen situationsbezogen, sodass die Begriffe Bugs, Bugger und Bounder für mich erst einmal etwas verwirrend waren.
Mina ist Inspektorin in London, doch sie hat keinen leichten Stand, denn sie entstammt aus einer Orgie, die ihre Mutter unter der Horde erleiden musste, und trägt daher das Hordenblut in sich, was den Hass der Mitmenschen auf sie zieht, da sie sie an die Zeit der Unterdrückung unter der Horde erinnert. Rhys ist ein ehemaliger Pirat, der England vor der Horde gerettet hat und deshalb in den Stand eines Herzogs erhoben wurde. Als eine Leiche von einem Luftschiff vor die Tür des Herzogs geworfen wird kreuzen sich die Wege der beiden. Beide sind von vornherein von dem anderen fasziniert und fühlen sich angezogen, doch für beide ist diese Anziehung mit Hindernissen verbunden. Mina, die selbst eine Orgie der Horde miterleben musste, hat Angst vor ihren eigenen Gefühlen. Und Rhys kann sich nicht zurückhalten und bedrängt sie mehr und mehr.

Nichtsdestotrotz machen sich nun beide gemeinsam auf die Suche nach dem Mörder und geraten dabei in eine Verschwörung, die ganz England betreffen könnte.
Die Beziehung zwischen Rhys und Mina wird jedoch sehr detailliert beschrieben -
vor allem werden die Sexszenen zwischen den beiden sehr ausführlich beschrieben. Man kann also sagen, dass sich das Buch dann doch zu sehr auf die (sexuelle) Beziehung konzentriert und die Geschichte nur noch als Rahmenhandlung mitläuft. Immer wieder fällt das Wort vögeln” und besonders bei den überhandnehmenden Sexszenen wird die Sprache immer vulgärer, welches nicht zum Stil des Buches passt.Auch die Charaktere und zwar alle haben ihren Charme und ihre Eigenheiten, werden jedoch leider in den Hintergrund gestellt. Und das was zwischen Rhys und Mina passiert hat mit Romantik wenig zu tun und nimmt absolut die Oberhand, was in meinen Augen überhaupt nicht zum Cover passt.

Der Geschichte an sich würde ich 3 Sterne/Bücherpunkte geben.

 
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Geschrieben von - Mai 15, 2012 in Fantasy

 

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Der Blick nach vorn – Kazushinge

Der Blick nach vorn

Nojima Kazushige

Panini Books, 2011

978-3833222412

12,95 €

Die Katastrophe in Midgar hat ihre Spuren hinterlassen. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Die einstigen Helden Barret, Tifa, Nanaki und Yuffie setzen alles daran, die Ereignisse zu verkraften und ihren inneren Frieden zu finden – jeder auf seine Weise. Doch vor ihnen liegt ein langer, steiniger Weg. Der Lebensstrom hat nicht nur die Metropole und ganze Landstriche in Schutt und Asche gelegt, sondern auch tiefe Risse in den Herzen jedes Einzelnen hinterlassen. Letztlich muss jeder für sich selbst herausfinden, wie er mit seiner Schuld umgeht und ob sie ihm für immer im Weg steht oder er daraus die Kraft schöpfen kann, auf ein besseres Morgen hinzuarbeiten. Denn am Horizont wartet irgendwo das verlorene Lächeln.

Final Fantasy habe ich schon oft gespielt. Ob VII, 13 oder mein persönlicher Lieblingsteil 10, immer mal wieder werde ich von diesem Spieleuniversum gefangen genommen. Diesmal sollte es ein Buch sein, das einige Lücken in der Geschichte rund um Final Fantasy schließt.

Angesiedelt ist das Buch zwischen Final Fantasy VII und Final Fantasy Advent Children (Film). Erzählt werden sollte das “Danach” einer großen Katastrophe. Nun bin ich zwar Fan, aber kenne nicht wirklich jede Figur. Die Hauptcharaktere kenne ich und auch viele Orte sind mir ein Begriff.

Am Anfang war ich dann aber doch etwas verwirrt, denn es taucht ein Junge auf: Denzel. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, woher ich ihn kennen soll, soll ich aber gar nicht. Es ist eine neue Figur, die mich erst mal aufs Glatteis geführt hat. Alle anderen Figuren sind Bekannte, Gemochte wie Gehasste.

Die Geschichte wird, versetzt mit Flashbacks, für jede Figur einzeln erzählt. Zusammengehalten werden sie von kleinen Zwischenkapiteln, gespickt mit dem Bösen. Die Idee ist ganz nett, teilweise bleiben aber Gefühle, sowie eine Identifizierung mit den Figuren auf der Strecke. Bei manchen Figuren konnte ich mir schwer vorstellen, dass sie solche Charakterzüge haben, wie sie im Buch beschrieben werden, denn im Spiel waren sie ganz anders.

Vielleicht muss man zwischen Buch und Spiel einen Bruch machen und sie nicht miteinander vergleichen, aber da das Buch eine Lücke füllen soll, sollte es dies auch angemessen tun.

 
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Geschrieben von - Mai 14, 2012 in Allgemein

 

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Der gelbe Vogel – Levoy

Der gelbe Vogel

Myron Levoy

dtv, 1984

978-3423078429

5,95 €

Sie muss die Heimat verlassen. Sie hat den Vater verloren. Die Deutschen haben ihn getötet – vor ihren Augen. Naomi geht es schlecht. Sie träumt schlecht, kann nicht allein auf die Straße gehen. Ihre Mutter muss Frankreich verlassen und flieht zu Freunden nach New York. Doch wer kann Naomi helfen?

Alan soll es richten. Bringt er sie zum Sprechen? Kann er den Schrecken in ihren Augen verstehen?

Natürlich geht es vorwiegend um Naomi und die Schrecken, die sie im Krieg erleben musste. Trotzdem ist es auch eine Geschichte der Gesellschaft, denn in New York können Juden frei leben. Nur manchmal gibt es Menschen, die dumme Dinge sagen.

Die Darstellung der Vergangenheit von Naomi ist nur partiell einsehbar und so kann man nicht alles erfassen. Über einige Dinge muss man nachdenken, um sie zu verstehen. Die Deutschen werden als schlecht dargestellt, das Kriegsgeschehen allerdings betrifft nur die Einmischung Amerikas in den 2. Weltkrieg.

Alan ist ein besonderer Junge, der sich seiner ernsten Aufgabe im Verlauf bewusst wird. Er ist erst skeptisch, will Naomi verleugnen und findet die Aufgabe ihr zu helfen als anstrengend. Mit der Zeit merkt man aber, dass er etwas erwachsener wird.

Ich habe das Buch schon einmal gelesen, damals im Deutschunterricht. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich viele Frage hatte und nur wenige beantwortet wurden. Ich glaube auch bei diesem Buch muss es viele Gespräche über das Exil, den Widerstand und die Taten der Deutschen geben. Damit Kinder auch alles verstehen, was wirklich wichtig ist.

 
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Geschrieben von - April 27, 2012 in Jugendbücher

 

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Mercy 02 – Erweckt

Mercy – Ist Liebe ewig? 02

Erweckt

Rebecca Lim

978 3 473 36829 7

14,99 €

Mercy unterliegt dem Souljacking. Wieder mal wird sie in einen neuen Körper geworfen. Diesmal ist es das leben von Lela, das völlig fremd für Mercy ist.

Lela mag ihr Leben nicht, denn die Mutter ist schwer krank und für wenig Geld muss sie in einem Café jobben. Während Mercy versucht nicht aufzufallen, wird ihr bewusst, dass sie sich nicht erinnern kann. Aber was hat dieser braunhaarige Junge in ihren Träumen zu suchen?

Wiedermal vergeht die Geschichte wie im Flug. Kaum begonnen mit dem Lesen, ist man auch schon fast wieder durch. Aber kann die Geschichte an die 3-4 Bücherpunkte ihres Vorgängers mithalten?

Die Grundidee ist gleiche geblieben. Merca wandelt durch die Körper, so wie wir die Schuhe wechseln. Schade ist nur, dass mir das Leben von Lela nicht so gut gefallen hat. Seltsamerweise hat es mit ihren Gefühlen zu tun, die ich zwar verstehen kann, aber etwas zu krass dargestellt finde. Auch die Wiederholung des Ablaufs von Mercy Leben ist gerade wegen der Wiederholung von keinen Überraschungen geprägt. Auch wenn das Grundgerüst erhalten bleiben soll, hätte ich mir doch ein wenig mehr Abwechslung gewünscht.

Gefallen hat mir diesmal die Verbindung zwischen Merca und den männlichen Protagonisten. Diesmal empfand ich diese Verbindungen seriöser und nachvollziehbarer, denn will vielleicht Luc gar nicht immer nur Gutes?

Noch ein letzter Blick auf das Cover: Es ist wunderschön mit dem einen sichtbaren Auge und ein echter Blickfang.

Mit den beschriebenen Schwierigkeiten schafft es das Buch auf drei Bücherpunkte.

 
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Geschrieben von - April 18, 2012 in Fantasy, Jugendbücher

 

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Blutrote Schwestern – Pearce

Blutrote Schwestern – Jackson Pearce

Pan, 2011

978-3426283523

16,99 €

Sie haben rote Mäntel an. Sie tragen Äxte und Messer bei sich. Wenn es Dunkle wird, führt ihr Weg sie hinaus in die Straßen. Sie jagen Werwölfe. Doch während die Eine mit der Jagd verwachsen ist und ihr Herz im Einklang schlägt, denkt die andere an ein Leben ohne Jagd. Wie lange kann das noch gut gehen? Und wenn es tatsächlich etwas Schöneres gibt, als die Welt zu retten?

Ein bisschen erinnerte es an Rotkäppchen, aber nur ein klein wenig. Die roten Mäntel bauschen im Wind und ich gehe sehr gerne auf die Jagd mit Scarlett und Rosie. Sie haben Wissen, das der Rest der Menschheit nicht hat. Sie wissen, wie gefährlich Wölfe sind und was man gegen sie tun kann. Aber wie wertvoll ist ein Leben, in dem man nur jagen geht und nicht ans Leben denkt?

Genau diese Frage stelle ich mir fast sofort, denn das Jagdfieber von Scarlett nimmt fast manische Züge an. Nie denkt sie an sich selbst und auch ihre Schwester sieht sie nur als “Mittel zum Zweck”. Schnell ist sie mir unsymphathisch, ich nehme als Leser eine aggressive Haltung gegen sie ein.

Gut, dass es Rosie gibt, die natürlich ein Gegensatz zu Scarlett ist. Aber sonst gäbe es auch keinen Streit, keine Konsequenzen, die stattfinden können. Ich konnte mich viel besser in Rosie hineinversetzen. Sie war weich, verletzlich und hat ihre Gefühle sichtbar gemacht. Bei Scarlett fehlt mir genau diese Offenheit. Und auch einige andere Charaktere lassen etwas Einsicht fehlen.

Die Geschichte selbst hat wenige Höhepunkte. Und sogar die Lösung allen Übels, oder wenigstens ein Teilerfolg sind sehr vorhersehbar. Ein wenig hat mich das Buch sogar an “Nach dem Sommer” erinnert. Mehr möchte ich nicht verraten, denn hier geht es um eine Komponente, die für “Blutrote Schwestern” einfach essenziell ist. Verrate ich diese, nehme ich euch den Spaß am Lesen. Wer es gelesen hat, kann sich vielleicht denken, welche Szene/Handlung mir bekannt vorkam.

Zum Abschluss muss ich sagen, dass die Kapiteleinteilung beim schnellen Lesen geholfen hat. Jackson Pearce kann schreiben und sich Protagonisten sowie tolle Handlungen ausdenken. Nur diese hier hatte noch einige Ecken und Kanten, die mir nicht gefallen haben.

 
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Geschrieben von - April 16, 2012 in Fantasy

 

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Schandweib- Claudia Weiss

Schandweib

Claudia Weiß

Hoffmann&Campe, 2011

978-3455400977

19,99 €

Hamburg, 1701. Am Schweinemarkt findet man eine Frauenleiche ohne Kopf. Bald darauf wird eine Verdächtige festgenommen: Ilsabe Bunk, eine Frau in Männerkleidern, eine Hexe in den Augen des Volks. Der junge Advokat Hinrich Wrangel übernimmt die Pflichtverteidigung der Gefangenen. Er gerät damit in eine gefährliche Intrige, aus der ihn nur Beistand von überraschender Seite retten kann.

Manche Dinge werden erst nach einiger Zeit gut. So erging es der Testleserin auch mit diesem Buch. Der Trailer und auch das ganze Drumherum des Romans, seine Autorin und ihre ausführliche Recherche versprach ein interessantes Leseerlebnis.

Es ist ein wahrer Kriminalfall, der uns Leser nach Hamburg lockt. Da lernen wir Ilsabe kennen, die in einen Mordfall verwickelt wird. Schnell denkt man, sie war es nicht und dann gesteht sie doch. Aber warum? Und wer ist der wirkliche Mörder?

Der junge Mann Hinrich will dies nicht wahrhaben. Kann ein Grünschnabel von Advokat ein Leben retten? Und warum läuft Ilsabe in Männerkleider herum? Es sind viel kleine Geheimnisse, die immer wieder unsere Aufmerksamkeit erfordern. Am Anfang ist der Roman sehr schwergängig. Man versteht wenig, es muss einiges erklärt werden. Und so gerät die Autorin ins Fabulieren, erklärt und erklärt. Es ist manchmal sprachlich etwas sperrig und will nicht so recht von der Hand gehen.

Aber dann nach einiger Zeit nimmt das Buch an Fahrt auf, lässt uns teilhaben an einigen Geheimnissen und führt uns durch ein historisches, sehr realistisches Hamburg. Es ist akribisch vorbereitet worden, dass merkt man sofort. Trotzdem kann manchmal weniger mehr sein.

Erschreckend ist, wie schrecklich das Volk sich benimmt. Unbedingt muss ein Menschenleben daran glauben, nur weil die Städter eine Hexe leiden sehen wollen.

Faszinierend ist der Charakter der Frau. Sie ist selbstständig, zäh und beweist Durchhaltevermögen.

Ein beeindruckender Roman, der mich an vielen Stellen überrascht hat. Einige Längen trüber den Lesefluss. Es ist ein sehr umfangreiches Buch, mit einer außergewöhnlichen Geschichte, die es nicht oft in der Welt der Literatur gibt. Durch die schöne Karte und viele kleine Geheimnisse ein detailverliebter Roman, dass ist das “Schandweib”.

 
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Geschrieben von - April 14, 2012 in Historische Schmöker

 

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Im roten Hinterhaus- Berger

Im roten Hinterhaus – Peter Berger

Arena Life, 2006

978 3 401 02502 5

4, 95 €

Im roten Hinterhaus wohnt Manfred mit seinen sieben Geschwistern und seinen Eltern. Das rote Hinterhaus steht in einer Industriestadt am Rhein. Auch hier sind die Menschen betroffen von der Wirtschaftskrise. Manfreds Mutter möchte einfach nur für alle Kinder etwas zu essen, eine Arbeit und später sollen sie gut verheiratet sein. Der Vater versucht zu arbeiten. Schafft es nicht immer sich unterzuordnen oder hat verrückte Ideen.

Alle Kinder haben ihr eigenes Päckchen zu tragen. Oft ist Manfreds Geld, das er beim Zeitung austragen bekommt, das Einzige. Sein Bruder Gustav hat Arbeit, aber wie lange noch? In einer unruhigen politischen Zeit in der auch Erich, Manfreds Bruder, beginnt “Heil Hitler” zu rufen, bekommt der Leser Einblick in die Vorkriegsjahre –  das Jahr 1933 in dem einiges für manche Menschen besser wurde und für andere unerträglich.

Für mich war dieses Buch eher ein Tatsachenbericht. Eine wirkliche Lesestimmung kam für mich nicht auf. Zwar gibt es viele Kinder, mit denen man sich identifizieren kann und wahrscheinlich soll, aber sie blieben für mich relativ unnahbar. Einzig der im Fokus stehende Manfred, unser Beobachter und Erzähler, lieferte Identifikationspotential.

“Im roten Hinterhaus” bekommt man einen guten Einblick in das Leben vor Hitler. Außerdem werden die Anfänge beleuchtet. Warum gab es die gärenden Gedanken in Deutschland? Warum hab es die Gedanken über Arbeitslosigkeit, über Hunger und fehlendem Fleisch zum Mittag? Es ist der Kampf einer Familie um Ansehen, Arbeit und etwas Frieden. Mit dem Tunnelblick eines Kindes sehen wir den Verlust von Altbekanntem und erleben die Veränderung der Menschen im Geist der Zeit.

Gedanken über Krieg, Tüchtigkeit und Juden stehen an der Tagesordnung. Wir verfolgen die Entwicklung eines jungen Mannes, der erst Sympathisant des Regimes ist und später beginnt nachzudenken. Auch Menschen, denen vorher Politik egal war, finden ein neues Zuhause im Gedankengut des Nationalsozialismus.

Eine Familie, die aus elf Personen entsteht, entwickelt sich in elf verschiedenen Richtungen und der Leser ist mitten drin. Der Autor legt sehr viel Wert auf die Individualgeschichten der Protagonisten.

Ein Buch, dass etwas schwer zu lesen war, da es ziemlich eng bedruckt ist. Trotzdem erhält es von mir vier Bücherpunkte.

 
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Geschrieben von - April 10, 2012 in Bücher

 

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Das geheime Vermächtnis – Kathrine Webb

Das geheime Vermächtnis

Kathrine Webb

Diana Verlag, 2011

978-3453355460

9,99 €

Nach dem Tod ihrer Großmutter erben die Schwestern Erica und Beth das Gut Storton Manor im englischen Wiltshire. Jahre sind vergangen, seit sie den herrschaftlichen Landsitz zuletzt betraten, zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an ihre Kindheit, als ihr Cousin Henry mit zwölf Jahren spurlos verschwand. Doch die Vergangenheit lässt Erica nicht los. Sie liest alte Briefe ihrer Großmutter und gerät immer tiefer in den Bann eines Familiengeheimnisses, das offenbar seit Generationen auf Storton Manor gehütet wird …

Manchmal eine Familiengeschichte zu lesen, ist in Ordnung für mich. Vor allem wenn ich das Gefühl habe, dass der Zeitraum recht interessant sein könnte. Auch das es hierbei um Briefe geht, die gelesen werden, hörte sich nicht schlecht an.

Stator Manor ist mal wieder ein englisches Herrenhaus. Und was sagt man von englischen Herrenhäusern? Das sie ohne geheimnisvolle Ecken, Gänge und ähnliches nicht auskommen. So ist es auch bei diesem Haus. Und als die Verwandschaft, die natürlich verschroben und unfreundlich war stirbt, erben die beiden Schwester das Haus. Die Grundsituation ist also altbekannt, neu ist, dass Beth gerade Depressionen mit sich herumträgt und dauernd Traurigkeit in der Luft liegt.

So ist es Erica, die beginnt die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen und die, die sympathischere von beiden ist. Jedenfalls kam es mir so vor, denn Beth fing an mich zu nerven. Natürlich sind Depressionen eine Krankheit, aber als Leser immer mit der Angst zu leben, dass bald jemand in seinem eigenen Blut dort liegen würde, empfand ich als anstrengend. Vor allem, weil der Kampf gegen die Depression für Erica, mich an den berühmten Kampf gegen die Windmühlen erinnerte.

Die Briefe und die Vergangenheit der Großmutter wiederum waren interessant. Wie in jeder Familie mit Geld, gab es auch hier Schatten, die sich über die Familie senkten. Nun fragte man sich dauernd was noch passieren würde. Also dann eine bestimmte Person auftauchte, war schnell klar, dass es Ärger geben würde. Leider wird der Roman genau an dieser Stelle sehr durchsichtig. Fast sofort stellten sich bei mir Gedanken ein, wie der Roman wohl enden würde. Zu 70 % hatte ich dann auch Recht. Nur einmal noch konnte mich der Roman überraschen. Womit wird natürlich nicht verraten.

Das Setting hat mir gefallen, aber aus dem Geheimnis hätte  man noch etwas mehr machen können. Außerdem empfand ich die Lösung der Vergangenheit und die damit sich aufklärenden Dinge, zu einfach und zu durchsichtig für den Leser.

Deswegen gibt es drei Bücherpunkte von mir.

 
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Geschrieben von - April 7, 2012 in Frauenromane, Romane

 

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Liebe to go – Gofferjè

Liebe to go

Cora Gofferjè

rororo, 2011

978-3499215940

12,99€

Los Angeles, Vancouver, Hawaii … Noch während Hannah sich überlegt, wohin es sie als Nächstes treibt, stellt ihr Vater ihr plötzlich ein Ultimatum: Hannah soll nach Hause kommen, BWL studieren und den elterlichen Betrieb übernehmen. Als Hannah sich weigert, sperrt er die Kreditkarte. Zum ersten Mal in ihrem Leben muss die 22-Jährige allein klarkommen. Mit Liebeskummer im Gepäck und völlig blank landet sie in Berlin. Noch ahnt sie nicht, dass der Inhalt ihres Koffers bald ihr Leben verändert …

Man nehme Sonne satt, Kaffee und dieses Buch. Dann hat man zwei schöne Stunden, die man auf dem Balkon verbracht hat.

Manchmal habe ich solche Anwandlungen,die mich zu pinken oder pastellfarbenen Büchern greifen lassen. So auch, als ich in der Stadtbibliothek Gütersloh auf dieses Buch gestossen bin. Okay, der Titel erinnert einen Kaffeejunkie natürlich an “Café to go”. Und ist eine reichlich platte Anspielung, wie ich finde. Aber trotzdem hat es sich eine Chance erspielt.

Es hat diesen sommerlichen Touch, wenn wir in Hawaii auf Hannah treffen. Die dort einfach in der Sonne liegt, Papas Tochter ist und einen Surfer anhimmelt. Der ist aber recht komisch, denn er macht einen Rückzieher und hat eine komische Vergangenheit.

Dachte man es geht hier um Liebe, so ist es eher der Selbstfindungsvorgang der Hannah, der beleuchtet wird. Und wie sie sich benimmt, bin ich fast der Meinung: BWL studieren mit diesem nicht vorhandenen Hirn? Sie soll guten Noten haben, aber was sie an Weltfremdheit an den Tag legt, ist schon nicht mehr normal. Da ist es vorprogrammiert, dass sie Ärger mit der Freundin bekommt.

Hannah ist mir etwas auf den Keks gegangen. Weil sie alles so rosa sieht, auch als sie nicht mehr Papas Tochter ist. Und hätte sie keine Freunde wäre sie völlig aufgeschmissen.

Nach knapp 224 Seiten ist das Buch zu ende. Und ich habe mal gelacht und oft den Kopf geschüttelt. Für ein paar Stunden auf dem Balkon gut, aber wegen nerviger, weltfremder Charaktere nur:

 
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Geschrieben von - März 31, 2012 in Allgemein

 

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