
Der Seelensammler
Donato Carrisi
Piper, 2012
978 3 27386 2
9,99 €
Bücher und Autoren haben manchmal eine zweite Chance verdient. Vielleicht erinnert ihr euch noch an diese Rezension: Der Todesflüsterer. Nicht sehr begeistert hatte ich damals das Buch später quer gelesen und es unbefriedigt zugeschlagen. Es war mir zu unrealistisch und abwegig. Nun bekam Donato Carissi mit seinem zweiten Thriller eine neue Chance.
“Töte mich!”, so steht es auf der Brust eines Serienmörders. Dieser liegt nun in einem Krankenhaus im Koma. In seinem Haus hatte das Notarztteam zuvor Gegenstände gefunden, die er von den ermordeten Frauen behalten hatte. Aber wie kann erneut eine junge Frau verschwunden sein?
Seht ihr all die bunten Zettel, die das Buch zieren? Sie kennzeichnen Dinge, die ich nicht mochte. Dieses Buch ist ein Vine-Thriller und wer sich mit Vine auskennt weiß: Amazon weist darauf hin, dass noch Rechtschreibfehler oder ähnliches vorhanden sein können. Dies ist auch völlig normal, wenn man ein Leseexemplar bekommt. Aber in dieser Ausgabe ist nicht vermerkt, dass es sich um solch ein Exemplar handelt. Warum das für mich wichtig ist?
Ich habe ärgerliche Wortfehler gefunden und fehlende Buchstaben.Und ja, diese Dinge ärgern mich trotzdem, auch wenn ich dieses Buch zugeschickt bekommen habe, ohne etwas dafür zu bezahlen. Ich nehme die Abmachung ein Buch offen und ehrlich zu loben oder zu kritisieren ernst. Und so stören mich auch Rechtschreib – und Grammatikfehler.
Ich habe auch in einem Roman oder Thriller nichts dagegen, wenn wichtige Details wiederholt werden. Ist ein Buch besonders lang, bin ich sogar dankbar, wenn man Gedächtnis aufgefrischt wird. Aber wie finde ich es, wenn Sätze immer wieder auftauchen? Auf Seite 27, auf Seite 48, auf Seite 357… Nun werden einige von euch denken, das merkt sie sich? Ja, denn es waren besondere Sätze, sogar fast pathetische Sätze. Ich habe mitunter schon das Gefühl gehabt, es wurde Copy & Paste benutzt. Wichtige Sätze können gerne wiederholt werden, wenn dieses einen Sinn ergibt.
Was mich noch stört? Logische Fehler im Thriller. Seit wann ist eine Polizeifotografin eine Agentin? Und warum wenig später nur “noch” Polizist? Wie bitte erklärt man sich die Wortschöpfung “schalberternst”? Und warum gibt es in einem italienischen Thriller deutsche Namen?
Ich werde nun einige Dinge als Spoiler kennzeichnen. Fragen, die mir wichtig waren, aber euch den Spaß verderben könnten:
Wie kann der Tote sicher sein, dass seine Frau die Hinweise verstehen wird? Würde sie diese nicht verstehen, wäre das ganze Spielchen hinfällig!!!
Warum erfahre ich erst auf Seite 86, wer “Ginger und Fred” sind, obwohl die Protagonisten sich die ganze Zeit so nennen? Ich war sichtlich verwirrt!
Warum kommt niemand darauf, dass ein professioneller Fotograf MEHRERE Kameras hat?
Und wie kann man von einer Telefonansage mit dem Inhalt “Oslo” darauf schließen, dass der Ehemann lügt und in Rom ist?
Ihr Ehemann stirbt und sie wirft sich nach 5! Monaten an den Hals eines anderen?
Manche der gespolierten Dinge ergeben sich zwangsläufig später aus dem Kontext. Aber der wirkt so gekünstelt, damit auch alles zusammen passt, dass ich manchmal laut gelacht habe. Außerdem finde ich, dass die Bezeichnung “der Jäger” grundsätzlich ungeeignet ist, um eine anonyme Figur zu betiteln, da ich immer gedacht habe: “Artikel und eine Berufsbezeichnung” und nicht “Ah, der Fremde!” Dauernd bin ich über dieses zusammengewürfelte Wortspiel gestolpert und war raus aus dem Lesefluss.
Am Ende hätte ich mir gewünscht, dass die Kulisse nicht das Ergebnis vorgibt und mich der Thriller wenigstens in dieser Hinsicht überrascht. Aber Rom bleibt anscheinend Rom, eine Stadt mit Verbrechern, die immer aus der gleichen Ecke komme.
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